Artenliste der Libellen (Odonata) der Schweiz

Die Libellen (Odonata) der Schweiz – Suisse – Switzerland

 

Bisher sind uns weltweit ca. 6000 verschiedene Arten der Libellen bekannt, davon kommen 85 Libellenarten inkl. Unterarten aus 9 Familien in der Schweiz vor.

Libellen werden unterteilt in 3 Unterordnungen: Großlibellen, Kleinlibellen und Urlibellen. 

Letztere sind jedoch nur noch mit 3 Arten in Asien vertreten.

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Bei den Kleinlibellen (Zygoptera=Gleichflügler) sind die Augenpaare deutlich voneinander getrennt, Vorderflügel und Hinterflügel sind nahezu gleich. In Ruhestellung können die Flügel, im Gegensatz zu denen der Großlibellen, zusammen geklappt werden, was sehr häufig der Fall ist. Weltweit gibt es rund 2600 Arten in 20 Familien. In Mitteleuropa sind die Kleinlibellen mit 30 Arten in vier Familien vertreten:

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  • Schlanklibellen (Coenagrionidae): zu ihnen zählen die Gattungen Azurjungfern, Becherjungfern, Pechlibellen, Adonislibellen, Granataugen, Rubinjungfer und die Zwerglibelle. In Mitteleuropa leben 18 Arten dieser Familie, die sich am einfachsten aufgrund des Flügelmals zuordnen lassen. Hier gilt die Regel: Flügelmal ist kaum länger als breit und steht nur über 1-1,5 Flügelzellen. Aber Vorsicht ! Auch die Federlibellen besitzen dieses Merkmal.

Arten:

Ceriagrion tenellum (de Villers, 1850) – Zarte Rubinjungfer
Coenagrion armatum (Charpentier, 1840) – Hauben-Azurjungfer
Coenagrion hastulatum (Charpentier, 1825) – Speer-Azurjungfer
Coenagrion hylas (Trybom, 1889) – Sibirische (Bileks) Azurjungfer
Coenagrion lunulatum (Charpentier, 1840) – Mond-Azurjungfer
Coenagrion mercuriale (Charpentier, 1840) – Helm-Azurjungfer
Coenagrion ornatum (Selys, 1850) – Vogel-Azurjungfer
Coenagrion puella (Linnaeus, 1758) – Hufeisen-Azurjungfer
Coenagrion pulchellum (Vander Linden, 1825) – Fledermaus-Azurjungfer
Coenagrion scitulum (Rambur, 1842) – Gabel-Azurjungfer
Enallagma cyathigerum (Charpentier, 1840) – Gemeine Becherjungfer
Erythromma lindenii (Selys, 1840) – Saphirauge / Pokaljungfer
Erythromma najas (Hansemann, 1823) – Großes Granatauge
Erythromma viridulum (Charpentier, 1840) – Kleines Granatauge
Ischnura elegans (Vander Linden, 1820) – Große Pechlibelle
Ischnura pumilio (Charpentier, 1825) – Kleine Pechlibelle
Nehalennia speciosa (Charpentier, 1840) – Zwerglibelle
Pyrrhosoma nymphula (Sulzer, 1776) – Frühe Adonislibelle

 

  • Teichjungfern (Lestidae): das Flügelmal ist gegenüber denen der Schlank.- und Federlibellen viel länger als breit und steht über 2-4 Flügelzellen. In Mitteleuropa findet man 8 Arten dieser Familie. Zu ihnen zählen die Binsenjungfern,  die Weidenjungfer und die Winterlibellen.

Arten:

Lestes barbarus (Fabricius, 1798) – Südliche Binsenjungfer
Lestes dryas (Kirby, 1890) – Glänzende Binsenjungfer
Lestes macrostigma (Eversmann, 1836) – Dunkle Binsenjungfer
Lestes sponsa (Hansemann, 1823) – Gemeine Binsenjungfer
Lestes virens vestalis Rambur, 1842 – Kleine Binsenjungfer
Chalcolestes viridis (Vander Linden, 1825) Westliche Weidenjungfer
Sympecma fusca (Vander Linden, 1820) Gemeine Winterlibelle
Sympecma paedisca (Brauer, 1877) Sibirische Winterlibelle

 

  • Prachtlibellen ( Calopterygidae): sind unsere größten Kleinlibellen. Sie haben am Flügelansatz (Basis) sehr schmale und zur Mitte hin stark verbreiterte Flügel. In Mitteleuropa sind nur zwei Arten, in der Schweiz zusätzlich einige Unterarten, der Familie der Prachtlibellen, beheimatet.

Arten:

Calopteryx splendens (Harris, 1782) – Gebänderte Prachtlibelle
Calopteryx splendens caprai (Conci, 1956) – Italienische Prachtlibelle (Unterart)
Calopteryx xanthostoma (Charpentier, 1825) – Westliche Prachtlibelle
Calopteryx virgo (Linnaeus, 1758) – Blauflügel-Prachtlibelle
Calopteryx virgo meridionalis (Selys, 1873) – Südliche Prachtlibelle (Unterart)

 

  • Federlibellen (Platycnemididae) ähneln den Schlanklibellen sehr und werden daher oft für Azurjungfern gehalten. Augenscheinlich das sicherste Unterscheidungsmerkmal ist jedoch der doppelte schwarze Längsstrich (Humeralstreifen) auf der Brust (Thorax) und die federartigen, mit langen Härchen besetzten Beinschienen, die für ihren Familiennamen verantwortlich sind. Hier zu Lande haben wir es jedoch nur mit einer einzigen Art zu tun.

Arten:

Platycnemis pennipes (Pallas, 1771) Blaue Federlibelle

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Die Großlibellen (Anisoptera=Ungleichflügler) sind eine Unterordnung der Libellen und umfassen weltweit etwa 2.800 Arten, die in zwölf Familien untergliedert werden. Im deutschsprachigen Raum haben wir es lediglich mit fünf Familien zu tun .
Das Augenpaar berührt sich mindestens an einem Punkt ( Ausnahme Flussjungfern=Augenabstand geringer als Abstand der Fühler ). Die Hinterflügel sind am Ansatz ( Basis ) breiter als die Vorderflügel.
Die Flügel sind nach abgeschlossener Metamorphose stets geöffnet.

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  • Edellibellen (Aeshnidae) gehören zu den größten und auffälligsten Arten unserer Heimat. Der Familie gehören die recht bunten Mosaikjungfern , die Königslibellen, Schilfjäger und die Geisterlibelle an. Insgesamt kommen 14 Arten dieser Familie bei uns vor.

Arten:

Aeshna affinis Vander Linden, 1820 – Südliche Mosaikjungfer
Aeshna caerulea (Ström, 1783) – Alpen-Mosaikjungfer
Aeshna cyanea (O.F. Müller, 1764) – Blaugrüne Mosaikjungfer
Aeshna grandis (Linnaeus, 1758) – Braune Mosaikjungfer
Aeshna isoceles (O.F. Müller, 1767) – Keilfleck-Mosaikjungfer
Aeshna juncea (Linnaeus, 1758) – Torf-Mosaikjungfer
Aeshna mixta Latreille, 1805 – Herbst-Mosaikjungfer
Aeshna subarctica elisabethae (Djakonov, 1922) – Hochmoor-Mosaikjungfer
Aeshna viridis Eversmann, 1836 – Grüne Mosaikjungfer
Anax ephippiger (Burmeister, 1839) – Schabracken-Königslibelle
Anax imperator Leach, 1815 – Große Königslibelle
Anax parthenope (Selys, 1839) – Kleine Königslibelle
Brachytron pratense (O.F. Müller, 1764) – Früher Schilfjäger
Boyeria irene (Fonscolombe, 1838) – Westliche Geisterlibelle

 

  • Segellibellen (Libellulidae) stellen die artenreichste aller Familien weltweit dar, davon finden wir 22 Arten in unserem Gebiet. Dazu gehören die reinen Segellibellen (3 Arten) wie Vierfleck, Plattbauch, Spitzenfleck, sowie Blaupfeile (4), Heidelibellen (9), Moosjungfern (5) und die recht neu beheimatete Feuerlibelle.

Arten:

Crocothemis erythraea (Brullé, 1832) – Feuerlibelle
Leucorrhinia albifrons (Burmeister, 1839) – Östliche Moosjungfer
Leucorrhinia caudalis (Charpentier, 1840) – Zierliche Moosjungfer
Leucorrhinia dubia (Vander Linden, 1825) – Kleine Moosjungfer
Leucorrhinia pectoralis (Charpentier, 1825) – Große Moosjungfer
Leucorrhinia rubicunda (Linnaeus, 1758) – Nordische Moosjungfer
Libellula depressa (Linnaeus, 1758) – Plattbauch
Libellula fulva (O.F. Müller, 1764) – Spitzenfleck
Libellula quadrimaculata (Linnaeus, 1758) – Vierfleck
Orthetrum albistylum (Selys, 1848) – Östlicher Blaupfeil
Orthetrum brunneum (Fonscolombe, 1837) – Südlicher Blaupfeil
Orthetrum cancellatum (Linnaeus, 1758) – Großer Blaupfeil
Orthetrum coerulescens (Fabricius, 1798) – Kleiner Blaupfeil
Sympetrum danae (Sulzer, 1776) – Schwarze Heidelibelle
Sympetrum depressiusculum (Selys, 1841) – Sumpf-Heidelibelle
Sympetrum flaveolum (Linnaeus, 1758) – Gefleckte Heidelibelle
Sympetrum fonscolombii (Selys, 1840) – Frühe Heidelibelle
Sympetrum meridionale (Selys, 1841) – Südliche Heidelibelle
Sympetrum pedemontanum (O.F. Müller in Allioni, 1766) – Gebänderte Heidelibelle
Sympetrum sanguineum (O.F. Müller, 1764) – Blutrote Heidelibelle
Sympetrum striolatum (Charpentier, 1840) – Große Heidelibelle
Sympetrum vulgatum (Linnaeus, 1758) – Gemeine Heidelibelle

 

  • Flussjungfern (Gomphidae) unterscheiden sich von den anderen Großlibellen durch deutlich voneinander getrennte Komplexaugen. Sowohl Männchen als auch Weibchen sind schwarz-gelb oder schwarz-grün gefärbt, im Alter färben sie sich meist schwarz-grau. Wie ihr Name schon vermuten lässt, findet man Flussjungfern vor allem an Bächen und Flüssen, dennoch können sich einige Arten auch in stehenden Gewässern entwickeln.

Arten:

Gomphus flavipes (Charpentier, 1825) – Asiatische Keiljungfer
Gomphus pulchellus (Selys, 1840) – Westliche Keiljungfer
Gomphus simillimus (Selys, 1840) – Gelbe Keiljungfer
Gomphus vulgatissimus (Linnaeus, 1758) – Gemeine Keiljungfer

Onychgomphus forcipatus (Linnaeus, 1758) – Kleine Zangenlibelle
Onychogomphus forcipatus unguiculatus (Vander Linden) – Westliche Zangenlibelle
Onychgomphus uncatus (Charpentier, 1840) – Große Zangenlibelle
Ophiogomphus cecilia (Fourcroy, 1785) – Grüne Flussjungfer

 

  • Quelljungfern (Cordulegastridae): In Mitteleuropa findet man drei Arten dieser Familie, in der Schweiz nur zwei. Sie erreichen eine Flügelspannweite von bis zu 10,5 Zentimetern und sind auffallend schwarz-gelb gezeichnet.

Die Quelljungfern benötigen für die Entwicklung ihrer Larven saubere und schnell fließende Gewässer, wie Gebirgsbäche und Quellbäche. Diese Arten sind entsprechend selten.

Arten:

Cordulegaster bidentata (Selys, 1843) – Gestreifte Quelljungfer
Cordulegaster boltonii (Donovan, 1807) – Zweigestreifte Quelljungfer

 

  • Falkenlibellen (Corduliidae) stehen den Segellibellen verwandtschaftlich sehr nahe und bilden die jüngste Familie (etwa 4 Mio Jahre) in der rund 360 Mio. jährigen Evolutionsgeschichte der Libellen. Die meisten Arten sind metallisch-grün gefärbt, wobei besonders die Körper der Smaragdlibellen ein schimmerndes Grün aufweisen. Im Alter färben sie sich bronzen bis schwarz. Die Augen sind bei den meisten Arten dieser Familie leuchtend grün. Ihren deutschen Namen verdanken sie ihrem schnellen, ausdauernden und gewandten Flug.

Arten:

Cordulia aenea (Linnaeus, 1758) – Falkenlibelle
Epitheca bimaculata (Charpentier, 1825) – Zweifleck
Oxygastra curtisii (Dale, 1834) – Gekielter Flussfalke
Somatochlora alpestris (Selys, 1840) – Alpen-Smaragdlibelle
Somatochlora arctica (Zetterstedt, 1840) – Arktische Smaragdlibelle
Somatochlora flavomaculata (Vander Linden, 1825) – Gefleckte Smaragdlibelle
Somatochlora metallica (Vander Linden, 1825) – Glänzende Smaragdlibelle

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Allgemeine Hinweise:

Die wissenschaftlichen Namen entsprechen der aktuellen Nomenklatur, die deutschen Namen dem Werk von Wildermuth & Martens (2014),Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt, Quelle & Meyer Verlag (824 Seiten). ISBN: 978-3-494-01558-3 sowie der Empfehlung von A. Martens, A. Schröter und H. Wildermuth, Libellula 33 3/4 (2014) erschienen im Febr. 2015, S. 233-244, ISSN 0723-6514.. Die Namen und Zahlen in Klammern sind in der Biologie üblich. Sie bringen zum Ausdruck, wer die Art, wann beschrieben hat.

Die gesamten auf meiner Seite veröffentlichten Informationen, wurden dem Internet und diverser Lektüre (genutzte Literatur) entnommen, teilweise ergänzt durch meine eigenen Beobachtungen. Ich bitte zu beachten, dass sämtliche Angaben je nach regionalen Gegebenheiten abweichen können.

Der auf LibellenWissen.de für jede Art angegebene Gefährdungsgrad, entspricht der Roten Liste der gefährdeten Libellen der Schweiz (Gonseth & Monnerat 2002). Heraugeber: Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, Bern, und Schweizer Zentrum für die Kartographie der Fauna, Neuenburg. BUWAL-Reihe Vollzug Umwelt. 46 S.

Gefährdungskategorien gemäß IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources):

RE = ausgestorben
CR = vom Aussterben bedroht
EN = stark gefährdet
VU = verletzlich
NT = potenziell gefährdet
LC = nicht gefährdet
NE = Vermehrungsgast
DD =ungenügende Daten

Eine sehr gute Homepage, welche ich insbesondere den Schweizer Libellen-Freundinnen und – Freunden empfehlen kann lautet zutreffender Weise Libellenschutz.

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Andreas Hein