Libellen Andalusiens im September

Auf Libellentour im Süden Spaniens

Fototour durch die spanische Provinz Malaga

Reisebericht, Costa del Sol, vom 13. bis 22. September 2016

 

Meine lieben Libellen-Freunde,

heute endlich komme ich dazu, euch von unserer 9tägigen fantastischen Reise ins schöne Andalusien / Costa del Sol zu berichten.

Die Region dürfte ein Traum für jeden Libellen-Liebhaber sein! Nun aber erstmal langsam, ich muss selbst ein wenig auf die Euphoriebremse treten, damit dieser Beitrag nicht zu einem mehrseitigen Roman wird. Schwierig, da wir in der kurzen Zeit derart viele spannende Beobachtungen und Eindrücke sammelten. Daher schreibe ich an diesem Bericht im Grunde schon seit wir zurück sind. 

Wie immer gaben uns unsere Familien, Freunde und Arbeitskollegen den Tipp mit auf den Weg, auch an Erholung zu denken und nicht nur von morgens bis abends Ausschau nach Libellen zu halten. Nun ja, die wenigsten Menschen können sich vorstellen, dass genau dies erholsam sein kann und Entspannung pur für uns bedeutet. Es gibt für mich nichts was mich mehr vom Alltagsstress befreit, als mich in der herrlichen und so vielfältigen Natur aufzuhalten. Obendrein habe ich das Glück, dass Sylvia, meine Lebensgefährtin, das unterstützt, da sie sich zum Glück hat anstecken lassen und auch sie auf der Suche nach Libellen vollkommen abschalten kann. So vergessen wir rund um uns herum allen Stress, alle Sorgen, alle Ängste und Nöte. Obendrein können wir während des Relaxens unsere Artenkenntnis erweitern und die Libellensammlung Europas fotografisch aufstocken.

Die südeuropäische Libellenfauna fasziniert mich schon eine ganze Weile auf eine ganz besondere Art und Weise. Ich bestaunte sie bisher sowohl in der Türkei, als auch auf Gran Canaria, regelmäßig aber auch auf den großartigen Fotos, welche tagtäglich in verschiedenen Foren hochgeladen werden, allen voran in der facebook-Gruppe „El rincón de las Libélulas„, der ich bereits vor einigen Jahren beigetreten bin. Diese Gruppe wird moderiert von Maria Gonzalez Hitos und Pepe de Cataboi, die uns geduldig bei unserer Reiseplanung unterstützten und uns den einen oder anderen wertvollen Tipp gaben. Wir waren uns vor der Buchung noch nicht sicher, wohin wir in Spanien reisen sollten, um im September auch wirklich noch zahlreich Libellen finden zu können. Ich ging davon aus, dass im heißen Süden Spaniens kaum noch Süßwasser vorhanden sei, so wie wir das in den vergangenen Jahren mehrfach auf Gran Canaria erlebt hatten. So wurde auf anraten von Pepe eine Reise in die Provinz Malaga gebucht. Herzlichen Dank an dieser Stelle an Pepe de Cataboi. Die Provinz Malaga grenzt im Westen an die Provinz Cadiz, beide zusammen bilden wohl die libellenreichste Region Spaniens.

Ganz weit oben auf unserer Wunschliste standen Arten wie Brachythemis impartita (Treuer Kurzpfeil /siehe Foto links) und Diplacodes lefebvrii (Glänzender Schwarzpfeil / siehe Foto oben links),die wir schon vergeblich in der Türkei suchten, weil wir in den vergangenen 2 Jahren im Mai/Juni stets etwas zu früh dort waren. Die Begegnung mit den Kurzpfeilen war äußerst interessant, auch amüsant. Das Weibchen war uns so treu, dass es uns auf Schritt und Tritt verfolgte, sich jedoch wenig kooperativ verhielt, wenn wir uns ihr mit der Kamera näherten um sie seitlich zu fotografieren. Sie war wohl eitel und setze sich stets so, dass sie in das Objektiv schaute. 

Hinzu kommen Trithemis kirbyi  (Feuerroter Sonnenzeiger) sowie Sympetrum sinaiticum (Wüsten-Heidelibelle) und Orthetrum nitidinerve (Gelbader-Blaupfeil). Bei letztgenannter Spezies interessierte mich in erster Linie die für Segellibellen außergewöhnliche Eiablage der Weibchen. (Foto rechts – Paarungsrad Gelbader-Blaupfeil)

Interessanter Weise findet die Eiablage nicht wie sonst üblich im wippenden Fluge statt, sondern die Weibchen setzen sich auf Schwimmpflanzen oder Steine und bringen anstatt einzelner Eier mehrere 100 Eier umfassende Eischnüre ins Flachwasser ein. Das vermutlich sogar mehrfach am Tag. Die Männchen bewachen die Weibchen in dem sie sich daneben setzen oder kreisend knapp über dem Weibchen fliegen.

Weitere Arten auf welche wir hofften waren: Orthetrum trinacria (Langer Blaupfeil), Boyeria irene (Westliche Geisterlibelle), Anax ephippiger (Schabracken-Königslibelle), Onychgomphus uncatus (Große Zangenlibelle), Onychogomphus costae (Braune Zangenlibelle), Paragomphus genei (Grüne Sandjungfer), Ischnura graellsii (Spanische Pechlibelle), Coenagrion scitulum (Gabel-Azurjungfer), Coenagrion caerulescens (Südliche Azurjungfer), Platycnemis acutipennis (Rote Federlibelle), Platycnemis latipes (Weiße Federlibelle) und Calopteryx haemorrhoidalis (Bronzene Prachtlibelle).

Am 1. Exkursionstag, den 24.9.2016, fuhren wir mit einem angemieteten PKW in die Berge* und konnten mit Trithemis kirbyi (Feuerroter Sonnenzeiger), Calopteryx haemorrhoidalis (Bronzene Prachtlibelle / Foto lnks ein Weibchen) und Ischnura graellsii (Spanische Pechlibelle), gleich 3 unserer Ziel-Arten „auf den Chip brennen“. Wir waren überrascht, dass an jedem noch so kleinen Rinnsal oder Tümpel solch ein Artenreichtum herrschte. An nahezu jedem Gewässer waren Trithemis kirbyi (Feuerroter Sonnenzeiger), T. annulata (Violetter Sonnenzeiger), Sympetrum fonscolombii (Frühe Heidelibelle), Orthetrum chrysostigma (Rahmstreif-Blaupfeil) und Ischnura graellsii (Spanische Pechlibelle) die dominierenden Arten. Auch fanden wir an jedem, noch so unterschiedlichem Biotop die beiden „Könige“ Anax imperator (Große Königslibelle) und Anax parthenope (Kleine Königslibelle). Am 2. Tag dann 2 1/2 neue Arten mit Diplacodes lefebvrii (Glänzender Schwarzpfeil), Orthetrum trinacia (Langer Blaupfeil) und Onychogomphus forcipatus ssp. unguiculatus (Westliche „Kleine“ Zangenlibelle), nebenher natürlich auch weitere, uns aber bereits bekannte Arten aus dem Süden. Am 3. Tag erwarteten uns einige Libellenkundler im ca. 130 Kilometer entfernten Los Barrios (Province de Cadiz), ganz in der Nähe von Gibraltar. Foto rechts: Grüne Sandjungfer, Weibchen. José M. Gaona hat eigens für uns ein Treffen der andalusischen Libellen-Freunde angesetzt. So zogen wir in einer 8er Gruppe durch die Region und konnten zur großen Freude tatsächlich noch die von mir so heiß begehrte Spezies Paragomphus genei (Grüne Sandjungfer) finden, wenn auch nur weibliche Tiere (bis auf meine liebe Sylvia, sie hatte als einzige das Glück noch ein Männchen zu finden). Paragomphus genei - male / by my wife, Sylvia Schulz_IMG_2648Nebenher fanden wir natürlich auch stets weitere Arten, welche es noch nicht bis nach Mitteleuropa geschafft haben. Zwischendurch versorgte uns José mit spanischem Schinken (sensationell lecker, lieben Dank an Josés Frau) und gut gekühltem Heineken. Wir haben neben der wunderschönen Landschaft und den faszinierenden Libellenarten, in erster Linie sehr liebe Menschen kennengelernt. Herzlichen Dank für den wundervollen Tag!

Von links nach rechts: Paco Mula, Susanne Vogel, Antonio Benítez Paz, Rodolfo Ramos, Andreas Th. Hein, Sylvia Schulz, Jesus Pertegal Jimenez, José M. Gaona (Fotograf und Eigentümer des Fotos – per Selbstauslöser)

An den nächsten Tagen waren Sylvia und ich dann wieder in der Nähe von Malaga unterwegs und fanden nach und nach bis auf Boyeria irene (Westliche Geisterlibelle), Coenagrion scitulum (Gabel-Azurjungfer) und Platycnemis acutipennis (Rote Federlibelle) all unsere Wunscharten. Für diese 3 und einige weitere Libellenarten, wie z.B. Gomphus simillimus (Gelbe Keiljungfer), Gomphus graslinii (Französische Keiljungfer) waren wir leider schon zu spät im Jahr vorort, aber wir sind mit unserer Ausbeute dennoch mehr als zufrieden. Für uns steht bereits jetzt schon fest, dass wir im Juni kommenden Jahres wieder nach Malaga fliegen. So sollten es uns möglich sein, eine ganze Menge weiterer Arten finden zu können, welche bei uns in Mitteleuropa fehlen.

Foto rechts: Südliche Azurjungfer. Knapp 200 Fotos von unserer Spanienreise könnt ihr in der Galerie im Ordner Libellenfotos Spanien – Andalusien anschauen.

Eine Auflistung aller aktuell vorkommenden Libellen-Arten Spaniens hat mir dankenswerter Weise mein lieber spanischer Freund, Jose Alvarez Gándara alias Pepe übersendet. (wusstet ihr schon, dass in Spanien alle Josés Pepe gerufen werden?)

Ein Männchen von Trithemis kirbyi – Feuerroter Sonnenzeiger

*Anfragen wegen der Fundorte werden nicht beantwortet, da ich selbst diese Standorte mit der Bitte um äußerst vertrauensvollen Umgang bekam. Ich bitte um euer Verständnis! In diesem Zusammenhang unser herzliches Dankeschön an den britischen Libellenkundler, Paul W. für die zahlreichen Hinweise zu verschiedenen Fundorten und seinen exzellenten Wegbeschreibungen.

Liebe Grüße

euer Andreas Th. Hein