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Das Libellen-Bestimmungsbuch für die Jackentasche

Mittwoch, Januar 9th, 2013

Libellen in Mitteleuropa jetzt im praktischen DIN A 6 Format

 

Buchtipp : Gelände-Bestimmung in Stichworten

 

Kurz vorgestellt und bewertet von Andreas Th. Hein

 

Hallo meine lieben Libellenfreunde, 

sicherlich habt ihr meine Buchbesprechung über den Geländeschlüssel Norddeutschland gelesen, in dem ich die vielen, sehr guten und leicht verständlichen Zeichnungen des Autoren Dietmar Glitz so hoch gelobt habe. Einige von euch haben sich das Buch vielleicht auch gleich bestellt und brauchen LibellenWissen.de gar nicht mehr oder zumindest nicht mehr so oft.

Libellen in Mitteleuropa_D_Glitz_NABU_RLPDer Geländeschlüssel ist aber auch wirklich eine feine Sache, nur für so manch eine Tour viel zu groß, zu dick und zu schwer, um ihn ständig im Gelände mitführen zu können. So freue ich mich natürlich über die stetig wachsende Zahl der Zugriffe auf die LibellenWissen-Artprofile via, Smartphone, iphone und sonstiger mobiler Gerätschaften. Oftmals hat man aber leider so mitten in der Landschaft keinen guten Empfang und an dem kleinen Waldsee, mit den vielen Bäumen drum herum, gar keine Chance auf das Internet zu zugreifen.

Halt, ihr braucht doch nicht gleich vor lauter Wut eure Gerätschaft im See zu versenken. Fotografiert die Libellen und bestimmt sie dann später daheim. Wer aber einfach zu neugierig ist und stets sofort wissen möchte welche Libellen gerade am Beobachtungsgewässer umher fliegen, für den gibt es nun eine unter 100 Gramm leichte Lösung. Dietmar Glitz hat ein Büchlein geschaffen, so groß und leicht wie ein Oktavheft. Wieder einmal mehr völlig uneigennützig, rein ehrenamtlich, hat Dietmar Glitz viele Stunden seiner Freizeit für dieses Büchlein geopfert. Auf wissenschaftliche Begriffe zu verzichten ist für Dietmar Glitz schon einen Art Passion geworden und für ihn wohl schon eine Selbstverständlichkeit. Schließlich liegt es D. Glitz ganz besonders am Herzen allen Menschen, egal welchen Alters und ungeachtet des jeweiligen Wissenstands eines jeden Naturfreundes. Der Schutz der Natur, der Erhalt der Artenvielfalt sind ihm Antrieb genug, geben Dietmar Glitz die notwendige Kraft, die Ausdauer um Bücher über Libellen, Amphibien und vieles mehr zu verfassen, welche dann kostengünstig über verschiedene NABU Landesverbände erworben werden können.

Nun hat es sicher schon jeder bemerkt, bisher habe ich nur das Engagement von Dietmar Glitz in höchsten Tönen mit Lob überhäuft. Dabei habe ich beinahe ganz vergessen, dass ich ja eigentlich über das neu erschienene Taschenbuch “Libellen in Mitteleuropa” berichten wollte, welches in diesem Falle vom NABU Rheinland-Pfalz vertrieben wird und dort zu sagenhaft günstigen Preisen von 5,50 € für Mitglieder, 8,- € für Nicht-Mitglieder des NABUs, erhältlich ist. Die Preise verstehen sich inkl. MwSt. zuzüglich Versandskosten, wie Porto und Verpackung.

In dem kleinen Libellen-Bestimmungsheft geht es rein um die Bestimmung aller 85 in Mitteleuropa vorkommenden Arten, ist daher anwendbar auch auf Reisen nach Dänemark bis in die Schweiz, von Belgien bis nach Polen. Sämtliche Arten Mitteleuropas werden stichpunktartig beschrieben und zum besseren Verständnis durch Zeichnungen der wesentlichsten Bestimmungsmerkmale unterstützt. Für einen ungeübten Naturfreund dürfte es allerdings nicht ganz so einfach sein, allein mit diesem praktischen Taschenheft, alle Arten im Feld sicher zu identifizieren. Das war von Dietmar Glitz mit Sicherheit auch nicht beabsichtigt.  Nun ja, im Grunde genommen gehört ein wenig Übung dazu, allein schon nur sich den Libellen entsprechend zu nähern, um auch die beschriebenen Merkmale aller vorkommenden Arten sicher zu erkennen, nur dafür gibt es ja auch entsprechende Foren in denen Experten euch stets gern unterstützen ;-) .

Zur sicheren Bestimmung wurde dem Buch zusätzlich noch ein ausfaltbares DIN A 4 Poster beigelegt, auf dem 12 Fotos der häufigsten Arten das Erkennen der Libellenfamilien ein wenig vereinfachen.

Mein Urteil: Das kleine Meisterwerk ist eine großartige Ergänzung zu den Klassikern wie beispielsweise der Geländeschlüssel Rheinland-Pfalz/ Saarland, der Geländeschlüssel für Norddeutschland, dem Field Guide von Dijkstra oder dem guten alten Bellmann jedoch kein Ersatz. Das Büchlein ist aus meiner Sicht ein kleines Meisterwerk, ja nahezu ein “Muss” für all jene, die sich schon etwas mit dieser faszinierenden Tiergruppe befasst haben. Mit dem Kauf des handlich, leichten, in jede Tasche oder jeden Rucksack zu verstauenden Bestimmungswerkes “Libellen in Mitteleuropa” , kann man im Grunde gar keinen Fehler machen; ob als Nachschlagewerk für die Exkursion, auf der Fototour, als Begleiter auf Reisen oder gar bei der Arbeit im Gelände. Das kleine Buch ist jeden Cent wert. Ein paar Zeilen zu den jeweiligen Lebensräumen hätten wohl nicht geschadet, aber nun gut, wer mehr über Libellen erfahren möchte wird eh nicht um ein umfassenderes Werk herum kommen oder Webseiten wie LibellenWissen.de zu schätzen wissen.

In der Beschreibung der Merkmale von Lestes parvidens steht übrigens die Seite 14 als eine kleine Leseprobe per pdf bereit. 

 

Libellen in Mitteleuropa (Gelände-Bestimmung in Stichworten), DIN A 6 Format, 64 Seiten, 96 Gramm mit eingelegtem Poster mit 12 Farbfotos der wichtigsten Libellenarten / Autor: Dietmar Glitz 2012, Herausgeber und Vertrieb: NABU Rheinland-Pfalz

Bestellung gegen Rechnung bei:

NABU Rheinland-Pfalz

 

Postfach 1647

55006 Mainz

Kontakt@NABU-RLP.de

Tel: 06131 / 140 39-0

 

 

Viele Grüße euer Andreas Thomas Hein

Libellen in Norddeutschland – Geländeschlüssel

Dienstag, Juli 10th, 2012

Der LibellenWissen Buchtipp

 

Ein neues Libellen-Bestimmungsbuch ist nun erhältlich

 

Kurz vorgestellt und bewertet von Andreas Th. Hein

 

Hallo liebe LibellenWissen.de Besucher,

 

heute möchte ich euch ein brandneues Bestimmungsbuch näher bringen und meine ganz persönliche Meinung zum Besten geben.

Geländeschlüssel

Autor: Dietmar Glitz
Herausgegeber: NABU Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern

Dem Autor der “Libellen in Norddeutschland”, Dietmar Glitz, möchte ich an dieser Stelle vorab einmal meinen großen Respekt zollen. Dietmar Glitz hat an diesem Bestimmungswerk vollkommen uneigennützig, ehrenamtlich sehr viel seiner freien Zeit investiert. Herausgeber dieses Werks sind gemeinsam die vier norddeutschen NABU-Landesverbände Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.

In Anlehnung an die wohl beste Bestimmungsliteratur für Libellen, dem ” Field Guide to the Dragonflies of Britain and Europe, von K.-D. B. Dijkstra und Illustrationen von Lewington” hat Dietmar Glitz in dem 374 Seiten umfassenden Werk, seine beneidenswerten Fertigkeiten genutzt und hunderte von selbst gezeichneten schwarzweiß Abbildungen der wichtigsten Bestimmungsmerkmale aller 81 in Deutschland vorkommenden Libellen dargestellt sowie kurz und präzise beschrieben, wobei auf die Verwendung von Fachbegriffen und wissenschaftlichen Bezeichnungen weitestgehend verzichtet wurde. Somit wurde ein Bestimmungsbuch geschaffen, wie es das so in der Form bisher noch nicht gab, für nahezu jedermann sehr verständlich.

In der Mitte des Buches befinden sich zusätzlich rund 150 Farbfotos, welche von Dietmar Glitz gemeinsam mit seiner ihn großartig unterstützenden Ehefrau, in mühevoller Kleinarbeit,vorwiegend aus dem Internet, sondiert wurden und diverse Fotografen auf Anfrage ihre Fotos kostenlos zur Verfügung stellten.

Zusätzlich zum Buch steht euch eine DVD mit einer gelungenen Kombination aus Fotos, Informationen zum Schutz der Libellen, zum Schutz der Lebensräume, Beschreibungen der Lebensräume einschließlich der darin lebenden Arten, einem Lern-Quiz sowie kurzen Filmsepuenzen zur Verfügung, die das Gesamtwerk zu einem so noch nicht dagewesenen Bestimmungswerk machen.

Ein Bestimmungsbuch mit dem der Einsteiger, aber auch der Fortgeschrittene seine wahre Freude haben wird und das nicht nur in Norddeutschland, sondern im gesamten mitteleuropäischen Raum.

Als Beispiel sehr ihr eine der vielen hervorragenden Zeichnungen des Autoren:

Libellen in Norddeutschland - Geländeschlüssel

 

Ich hoffe mir genügend Objektivität erhalten zu haben, auch wenn ich ein paar Fotografien beisteuern durfte. Ihr könnt mir glauben, dass ich sehr gespannt auf mein Belegexemplar gewartet habe. Schließlich befinden sich der “ Libellen Geländeschlüssel für Rheinland-Pfalz und das Saarland (Glitz 2009)” sowie der “Amphibien- und Reptilien-Geländeschlüssel Rheinland-Pfalz (Glitz 2011)” in meinem Besitz, wodurch ich ganz nüchtern betrachtet behaupten würde, dass Herr Glitz an diesen zwei, im Grunde schon bemerkenswert guten Büchern ordentlich geübt hat.

Urteil: Ein sehr schön aufgemachtes und hilfreiches, für die gesamte mitteleuropäische Libellenfauna anwendbare, Libellen-Bestimmungsbuch bekommt von mir gern eine uneingeschränkte Kaufempfehlung, auch für Libellenfreunde welche bereits über  TOP Bestimmungsliteratur wie z.B. ” K.-D. B. Dijkstra (2006): Field Guide to the Dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing, ISBN 0-953139948″ und oder  ”A. Lehmann, J.H. Nüß (1998): Libellen – Bestimmungsschlüssel für Nordeuropa, Mitteleuropa und Frankreich, Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung, ISBN 3-923376-15-4″ verfügen.

Titel: Libellen in Norddeutschland – Geländeschlüssel
Autor: Dietmar Glitz
Erscheinungsjahr: 2012
Sprache: Deutsch
Seitenzahl: 374 S.
ISBN-NR.: 978-3-9810793-6-4

Herausgeber und VertriebNABU NiedersachsenNABU HamburgNABU Mecklenburg-Vorpommern und NABU Schleswig-Holstein

Der Preis für Buch und DVD liegt nach meinen Informationen bei recht günstigen 19,80 € plus Versandkosten, für NABU-Mitglieder gar nur 14,80 € plus Versandkosten. Die Angaben sind ohne Gewähr!

Wichtiger Hinweis! Bitte nicht bei mir bestellen! Das Buch ist nicht bei mir erhältlich! 

Vertrieb über:

NABU-Mecklenburg-Vorpommern
Arsenalstr. 2
19053 Schwerin
Telefon: 0385.758 94 81
Email: LGS@NABU-MV.de

 

Ich wünsche euch viele spannende Naturbeobachtungen! Habt ihr auf LibellenWissen.de einen Fehler entdeckt oder habt etwas zu kritisieren? Dann freue ich mich auf eure e-mail.

Besten Dank und viele Grüße euer Andreas Th. Hein

 

p.s. das Buch wäre übrigens auch ohne meine Fotos mindestens genauso gut geworden. Wie mir von einem Libellen-Freund zugetragen wurde, soll es wohl einen oder mehrere Bildautoren geben, die sich damit schmücken maßgeblich durch die Bereitstellung ihrer Fotos an dem Werk mitgewirkt zu haben. Von derartigen Aussagen distanziere ich mich hiermit energisch.

 

 

Die Eiablage einer Libelle

Montag, Januar 16th, 2012

Strategien zum Erhalt der eigenen Art

Libellen gehören zu den Insekten und legen Eier und das recht unterschiedlich.

Hallo Freunde von LibellenWissen.de,

sicherlich sahen Sie auch schon einmal eine weibliche Libelle ganz allein auf dem Teich sitzend, Ischnura elegans-f. infuscans obsoleta das Abdomen gekrümmt und dabei das hintere Ende mittels des Legedorns in ein auf dem Wasser schwimmendes Stück Totholz gebohrt oder die etwas merkwürdig ausschauende “Tandemstellung”, bei der das Männchen sein auserwähltes Weibchen zur Eiablage begleitet, wobei beide wippende Bewegungen machten und die Eier im Flug abgeworfen wurden. Mal über Land, mal über dem Wasser oder auch gemeinsam auf einem Schwimmblatt oder ähnlichem Pflanzenmaterial sitzend. Genau diese unterschiedlichen Verhaltensweisen möchte ich Ihnen mit diesem Artikel etwas näher bringen.

Im Grunde genommen ist das Wissen über die Eiablage zur Artenbestimmung recht hilfreich, da man je nach beobachteter Situation die in Frage kommenden Arten bereits etwas eingrenzen kann. Eine sichere Bestimmung ist allein durch die Eiablage jedoch nicht möglich, kann aber eine Orientierungshilfe sein. Zu berücksichtigen ist dabei die Tatsache, dass Tandems aus vielerlei Gründen aufgelöst werden können.  Als Beispiele sind Angriffe von Frassfeinden oder zu großer Konkurrenzdruck wohl die häufigsten Ursachen.

Stammleser von meinem LibellenWissen-Blog haben aus vorherigen Artikeln bereits gelernt, dass z.B. die Weibchen der Edellibellen einen anderen Legeapparat als die Segellibellen besitzen. Zur Auffrischung oder für meine neuen Besucher empfehle ich folgende Artikel zu lesen, um einen leichteren Einstieg in das Thema zu ermöglichen: Eiablage, Tandem oder PaarungPaarungsverhalten und Geschlechtsbestimmung.

Wir können anhand des weiblichen Legeapparats 2 verschiedene Versionen von Eiablagen ableiten.

I. Die weiblichen Libellen, welche mit einem Legebohrer (Legedorn, Legestachel) ausgestattet sind, stechen jedes Ei einzeln in ein Substrat.  Legebohrer (Ovipositor) einer Kleinlibelle

II. Die Weibchen bei denen der Legeapparat eher verkümmert ist, haben anstelle eines Legebohrers eine Legescheide (Vulvar scale). Diese Weibchen werfen ihre Eier im Flug, entweder ins Wasser oder in ausgetrocknete Bereiche in der unmittelbaren Umgebung des Gewässers.  Weibchen der Segellibellen, Falkenlibellen, und Flussjungfern besitzen eine Legescheide (Vulvar scale)

 

Ferner haben Libellen unterschiedliche Strategien entwickelt, die sich wie folgt voneinander unterscheiden:

1. die Eiablage erfolgt in Begleitung des Männchens in sogenannter Tandemstellung im Flug. (Heidelibellen)

Sympetrum striolatum, Eiablage im Tandemflugg_11

2. die Eiablage erfolgt  in Begleitung des Männchens in Tandemstellung in verschiedene Substrate wie Pflanzen und /oder Totholz. (Teichjungfern bis auf die Südliche Binsenjungfer, Schlanklibellen, Federlibellen, Kleine Königslibelle und Südliche Mosaikjungfer).

Sympecma fusca

3. die Eiablage wird vom Männchen bewacht, hält sich aber nur in der Nähe des Weibchens auf, um eine erneute Begattung durch ein anderes Männchen zu vermeiden. (Prachtlibellen, einige Arten der Segellibellen)

Calopteryx splendens

4. die Eiablage des Weibchens erfolgt gänzlich im Alleingang im Flug.(Flussjungfern, Falkenlibellen mit Ausnahme von Epitheca bimaculata – Zweifleck und Segellibellen mit Ausnahme der Heidelibellen)

Libellula depressa female

5. Eiablage durch Einstich in pflanzliches Material erfolgt im Alleingang. (Pechlibellen, Südliche Binsenjungfer, Zweifleck und Edellibellen mit Ausnahme von Aeshna affinis – Südliche Mosaikjungfer und Anax parthenope  - Kleine Königslibelle)

Aeshna isoceles Eiablage

6. Eiablage erfolgt im Alleingang wobei das Weibchen ihre Eier in den Grund eines Fließgewässers einbringt. (Quelljungfern)

Cordulegaster boltonii

 

Besonderheiten! 

Sämtliche Schlanklibellen fliegen im Tandem, also in Begleitung der Männchen zur Eiablage. Eine Ausnahme machen die Weibchen der Pechlibellen, die stets allein die Eiablage vornehmen.

Eine ganz außergewöhnliche Eiablage lässt sich gelegentlich bei den beiden Arten der Granataugen, den Mond-Azurjungfern sowie den Speer-Azurjungfern beobachten, wobei ich letztgenannte fotografisch dokumentieren konnte.

Anfangs sieht alles nach einer, für Azurjungfern typischen Eiablage im Tandem aus.

Coenagrion hastulatum - eiablage_1_img_5515

Dann taucht das Weibchen langsam unter die Wasseroberfläche, was jedoch auch bei anderen Arten der Kleinibellen häufiger beobachtet werden kann.

Coenagrion hastulatum - eiablage_2_img_5520

Langsam bewegt sich das Männchen mit dem angekoppelten Weibchen rückwärts. Das Weibchen taucht dabei immer tiefer und erreicht so die Bereiche der Pflanzen, welche voraussichtlich auch bei anhaltender Trockenheit noch unter Wasser stehen, da ihre Eier nicht wie die Eier der meisten anderen Arten, bei denen die Eier auch eine längere Zeit der Trockenheit problemlos überstehen, überleben können. Die Wissenschaft vermutet allerdings auch, dass das Abtauchen eine gute Verteidigungsstrategie gegenüber konkurierender Männchen darstellt.

Coenagrion hastulatum - eiablage_3_img_5528

Schließlich taucht auch das Männchen vollständig unter die Wasseroberfläche. Das Tandem kann so bis zu 1 Meter tief tauchen und bis zu 70 Minuten unter Wasser bleiben. Die von mir dokumentierte Eiablage dauerte gut 20 Minuten. Um den Körper von Weibchen und Männchen bildet sich beim Tauchgang eine Luftblase, womit sie sich eine so lange Zeit mit Sauerstoff versorgen.

Coenagrion hastulatum - eiablage_4_img_5534

 

Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Strategien der Eiablage können Sie auch den Beschreibungen zu den einzelnen Libellenarten entnehmen. Mit diesem Artikel wollte ich Ihnen nur einen kleinen Eindruck vermitteln, wie komplex die Verhaltensweisen der Libellen sich darstellen.

Zu guter Letzt möchte ich Ihnen die Eier einer Libelle nicht vorenthalten. Teilweise sind die Eier recht widerstandsfähig gegen Kälte und Trockenheit. Die meisten Eier überwintern und erst zum Frühjahr schlüpft daraus die Prolarve, Sekunden später dann die Larve.

Leucorrhinia caudalis - homöochromes Weibchen_noteiablage_mg_

Sie haben einen Fehler gefunden oder ich habe mich zu unverständlich ausgedrückt? Sie haben eine weitere Frage? Nur Mut, schreiben Sie mir eine Nachricht mit Ihrer Frage oder einem Verbesserungsvorschlag per e-mail. Ich bedanke mich recht herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.

Ihr/ euer Andreas Thomas Hein

 

Beachten Sie bitte meine Informationsquellen.

Paarung oder Eiablage…

Dienstag, Januar 10th, 2012

…. vor der Paarung, nach der Paarung, Paarungsrad, Eiablage oder Tandem

 

Libellenpaare beobachten, analysieren, verstehen und erkennen lernen

Hallo Libellenfreunde,

sicherlich haben Sie schon einmal ein Paarungsrad, eine Eiablage oder einfach nur ein Tandem gesehen und sogar fotografieren können. Sympetrum sanguineum  Für einen Einsteiger in die Libellenkunde sind die vorgefundenen Situationen nicht immer so einfach und eindeutig zu interpretieren.

Im Internet, egal ob in Fotografie-Foren, Foto-Blogs oder ähnlichen Plattformen, lassen sich zahlreiche Makro-Aufnahmen von Libellen finden, bei denen weder der Fotograf noch die Betrachter eine festgehaltene Szenerie korrekt als Eiablage, Paarungsrad oder Tandem einordnen können.

Für Fotografen, welche ausschließlich am frühen Morgen fotografieren gehen, wo das Licht noch schön weich ist und die Libellen sich noch in der Kältestarre befinden somit nicht flugfähig sind, besteht kaum die Möglichkeit einmal ein Paarungsrad zu beobachten, geschweige noch zu fotografieren. Die paarungsbereiten Weibchen der meisten Arten treffen erst gegen Mittag am Gewässer ein. Lediglich nach warmen Sommernächten lassen sich Paarungsaktivitäten bereits am frühen Vormittag beobachten, schließlich sind Libellen “wechselwarm”, dementsprechend sind Libellen bei sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein aktiver, als an kühleren Tagen.

Für den Naturschutz ist es von Bedeutung, ob ein Tandem, eine Paarung oder Eiablage am Gewässer beobachtet werden konnte. Eine Eiablage ist ein Hinweis auf eine Reproduktion der jeweiligen Art. Ein Paarungsrad kann vom Prinzip her noch im Tandemflug das Gewässer zur Eiablage wechseln. Den sicheren Nachweis einer Reproduktion hat man aber erst bei der Beobachtung einer schlüpfenden Libelle, dem Fund einer Exuvie oder Larve.

Hier nun einige Fotos, mit denen ich hoffe Ihnen die unterschiedlichen Situationen verdeutlichen zu können. Bilder sagen ja oftmals mehr als Worte.

Das Paarungsrad: 

Die eigentliche Paarung der Libellen erfolgt stets im Paarungsrad. Die Bildung des Paarungsrads ist in der Natur einmalig und braucht in diesem Artikel nicht weiter erklärt werden, da dieses Schauspiel im Grunde immer schnell und korrekt erkannt wird.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, welche Faszination meine erste Beobachtung eines Paarungsrads auf mich hatte und mir bis heute nichts davon verloren ging. Ein gutes Foto von einem Paarungsrad zu bekommen gleicht in etwa dem Schwierigkeitsgrad eine fliegenden Libelle von vorn bis hinten scharf abzubilden.

Das Tandem: Das Weibchen wird vom Männchen an der Hinterbrust festgehalten. Lestes dryas Tandem


vor der Paarung/nach der Paarung:

Ob ein Pärchen vor oder nach der Paarung gesichtet wird, lässt sich nur selten sicher sagen.  Enallagma cyathigerum, Tandemstellung

 

Hier allerdings scheint es sich eindeutig um ein Tandem nach der Paarung zu handeln. Dafür spricht der ausgefahrene Kopulationsapparat des Männchens, unterhalb des 2. Abdominalsegments. Lestes virens-nach-kopula_im

 

Die Eiablage: das Weibchen krümmt den Hinterleib und sticht mit dem Legebohrer Eier in verschiedene Substrate.

Weibchen ohne Begleitung des Männchens Anax imperator-Eiablage

Weibchen in Begleitung des Männchens  Coenagrion puella - Eiablage

Weibchen in Begleitung des Männchens, an Pflanzen (hier Binsen) Lestes virens - Eiablage

Bei einigen Arten werfen die Weibchen ihre Eier im Flug, entweder ins Wasser oder in ausgetrocknete Bereiche in Ufernähe.

Weibchen ohne Begleitung des Männchens im Flug  Libellula depressa Eiablage

Eiablage in Begleitung des Männchens im Tandemflug.  Sympetrum striolatum, Eiablage im Tandemflugg_11

 

Es gibt allerdings auch Situationen zu beobachten, welche auf den ersten Blick ganz eindeutig zu sein scheinen, sich dann aber bei genauerer Betrachtung völlig anders darstellen.

Das Foto unten entstand an einem Nachmittag im September 2011. Eine Eiablage ? Nein, der Schein trügt. Es handelt sich um ein ins Wasser gefallenes Männchen, welches Mühe hatte sich aus dem Wasser zu erheben.

Diese Aufnahme habe ich als Winterrätsel in der fc in meinem LibellenWissen Account hochgeladen und stellte dazu folgende Frage:

Was habe ich hier dokumentiert? Welche Libelle macht hier was?    Aeshna grandis - rätselhaft Es stimmte mich sehr fröhlich, dass in unglaublich kurzer Zeit mehrere Fotografen erkannten, dass es sich um ein Libellen-Männchen handelt und nicht wie man auf den ersten Blick denken könnte, um die Eiablage einer weiblichen Libelle.

Am schnellsten wurde die Situation von Alexander Römisch korrekt erkannt, was mich ganz besonders freut. Alexander ist einer meiner Fotofreunde der ersten Stunde und ein regelmäßiger LibellenWissen Besucher, noch dazu ein äußerst guter, vielseitiger, kreativer und interessanter Hobby-Fotograf. Eine kleine Auswahl seiner Aufnahmen können Sie in seinem Album betrachten.Viel Vergnügen

Ich freue mich stets über Kritik, Verbesserungsvorschläge oder weitere Anregungen. Senden Sie mir eine kurze Mail und ich versuche mich zeitnah um Ihr Anliegen zu kümmern.

Vielen Dank für Ihren Besuch auf LibellenWissen.de,

Ihr/euer Andreas Thomas Hein

 

Tracheen

Sonntag, Dezember 4th, 2011

Die Atemorgane einer Libelle und deren Larve

 

Libellen gehören zum Unterstamm Tracheata = Tracheentiere

 

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten (6)

Frage Nr.6) Was sind Tracheen? Wie atmet eine Libelle?

 

Hallo liebe Freunde der Libellen,

mit diesem Artikel versuche ich Ihnen die Fragen zur Atmung der Libelle und deren Larve mittels Tracheen, so einfach wie möglich zu beantworten.

Die Libelle gehört in der Systematik des Tierreichs dem Unterstamm der Tracheentiere an. Aus den Tracheentieren gehen 2 Überklassen hervor, die Sechsfüßer und die Tausendfüßer, aus den Sechsfüßern schließlich die Ordnung der Insekten, zu denen ja bekanntlich die Libellen gehören, mit denen wir uns in erster Linie befassen wollen. Dennoch halte ich es für wichtig zu wissen, dass Libellen nicht die einzigen Tiere sind, die mittels Tracheen atmen.

Libellen atmen nicht wie z.B. Wirbeltiere durch den Mund, sondern durch kleine Öffnungen an der Brust, welche sich Stigmen oder auch Stigmata (Einzahl= Stigma) nennen. Auch können Libellen aufgrund der Chitinschicht, die ihren Körper umgibt, nicht durch die Oberfläche ihres Körpers atmen.

Gomphus vulgatissimus

Die Stigmen sind ebenso aus Chitin gebildet und werden durch Druckveränderungen der Körperflüssigkeit (Hämolymphe, mundartlich auch Insektenblut), je nach Bedarf an Frischluft, mehr oder weniger weit geöffnet. Zum Schutz vor Schmutz können die Stigmen auch vollständig verschlossen werden. Von den Atemöffnungen (Stigmen) beginnend befindet sich ein sich durch den gesamter Körper erstreckendes, sich immer feiner verzweigendes, röhrenartiges System aus Schläuchen und Kanälen, den Tracheen. Das Tracheensystem dient nicht nur dem Gasaustausch, auch gibt es dem Gewebe, den Organen und besonders stark beanspruchten Muskeln jene Stabilität, die bei den Wirbeltieren das Skelett übernimmt. Je höher der Sauerstoffverbauch eines Muskels oder Organs ist, desto stärker verästelt werden sie von Tracheen umgeben.  Grosslibelle - Koerperbau ,Kopf  und Thorax

Am Abdomen von ruhenden Libellen kann man häfig auch sehr gut die Atembewegungungen beobachten. Dabei wird das Abdomen durch Muskelbewegung mal flacher und dann wieder etwas rundlich zusammengezogen Durch diese Bewegungen wird der Druck der Körperflüssigkeit (Hämolymphe) reguliert, die für den Gasaustausch benötigt wird.

Das Tracheensystem kann dem Organismus der Libelle bis ca. einhundert mal schneller Sauerstoff zuführen, als unsere Blutgefäße das können. Der Gasaustausch findet durch Diffusion statt, die insgesamt aber weniger effizient ist, da sie von einer Fließgeschwindigkeit der Hämolymphe abhängig ist und so nur kleinere Lebewesen ausreichend mit Sauerstoff versorgen kann. Diffusion ist auch das Prinzip, worauf der Gasaustausch bei den Fischen basiert. Durch die Kiemen wird Wasser in entgegengesetzter Richtung des Blutkreislaufs gepumpt, wodurch der Austausch von Gasen, durch eine nur für bestimmte Stoffe durchlässige Membrane, ermöglicht wird.

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Die Larve der Libelle und ihre Atmung

 

Das Prinzip der Diffusion gibt auch gleich die Einleitung zur Atmung der Libellenlarven. Am hinteren Ende der sich im Wasser entwickelnden Libellenlarven befinden sich den Kiemen der Fische ähnelnden Konstruktionen, welche die Funktion der bei den Libellen vorhanden Stigmen übernehmen. Anders aber als bei den Fischen atmen auch die Larven mittels Tracheen. Die Larven der Kleinlibellen und der Großlibellen unterscheiden sich dabei in der Technik, was man einem bei der genaueren Betrachtung der beiden Ordnungen schon deutlich wird. Die Larven der Kleinlibellen besitzen am Ende 3 blattförmige Kiemenblättchen. Auf der Oberfläche der Kiemenblättchen befinden sich viele kleine Adern, über die der Sauerstoff aus dem Wasser aufgenommen wird.

Die Larven der Großlibellen und Urlibellen verfügen über eine Analpyramide, in der sich Darmkiemen/Rektalkiemen am Außengewebe des Enddarms befinden, durch die ständig Wasser gepumpt wird. Über ein spezielles Gewebe am Enddarm wird dabei dem Wasser der Sauerstoff entnommen (Darmatmung). Die verbrauchte Atemluft wird hinten wieder ausgestoßen und dient den meisten Larven der Großlibellen gleichzeitig zur Fortbewegung im Wasser.
Die Tracheen sind die weißen Schläuche, welche auf dem folgendem Foto gut zu erkennen sind. Hinten (rechts im Bild) sehen Sie die Kiemenblättchen, mit der die Larve Sauerstoff aus dem Wasser aufnahm. Die weißen Schläuche sind von den Kiemenblättchen kommend, mit den Stigmen der später dann geschlüpften Libelle verbunden gewesen.

Lestes dryas-exuvie_2895

 

 

Sie haben einen Fehler entdeckt oder sind der Meinung ich habe mich nicht verständlich genug ausgedrückt? Dann schreiben Sie mir bitte eine kurze Nachricht.Vielen Dank!

Mit den besten Wünschen für die Saison 2012,

viele Grüße Andreas Th. Hein

 


 

Tödliche Libellen

Donnerstag, Oktober 6th, 2011

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten (4)

 

 

Frage Nr.4) Ist der Stich einer Libelle gefährlich, gar tödlich?

 

Hallo liebe Libellenfreunde,

ein Thema, dass ganz viele Besucher von LibellenWissen.de beschäftigt. Offensichtlich interessiert das ganz besonders jene Naturfreunde, die einen eigenem Garten, sogar einen sich darin befindlichen Teich und kleine Kinder haben, um die sie sich sorgen.

Logisch, wenn ein Mythos sich hält, dass 7 bis 10 Stiche einer Libelle ein Pferd erlegen können, muss doch eine Libelle, welche über hunderte von Jahren allein im deutschsprachigen Raum bis heute, rund 2000 volkstümliche Namen von “Ackerbold” über “Augenbohrer”, “Schlangenstecher”, “Teufelsnadel” bis “Zwicken” verpasst bekommen hat, irgendwie gefährlich sein.

*Vor knapp mehr als 20 Jahren (11. Juli 1991) trug eine mir unbekannte, blutrünstige Tageszeitung  (Bild) mit Schlagzeilen wie  ”… am Müritzsee vertrieben riesige Libellen die Badegäste…….. zehntausende 18 Zentimeter große Libellen stürzten sich mit Tempo 100 auf die Badegäste……… und lösten Panik aus” , schließlich zur “Aufklärung” bei.* (*Ironiemodus) .

Ja, Libellen sind höchst gefährliche Raubinsekten. Die meisten Libellenkundler und Makro-Fotografen sind ständig auf der Suche nach dem ultimativen Kick!  Ja genau, wir sind wahrscheinlich lebensmüde, werden Sie denken.

libellula-fulva-Weibchen verspeist Zygoptera  ”…”Geschwollene Arme und Beine”, ..Schweißausbrüche”,….. unter Umständen mit “Todesfolge” bei Mensch und Tier…” Originalzitat aus “Die Libellen Baden-Württembergs (Sternberg und Buchwald) Bd1, S. 175″. Das alles sind Zitate, die den Herausgebern dieses Werkes von interessierten Menschen zugetragen wurden.

Auch mir wird relativ häufig die Frage gestellt, ob es denn tödliche Libellen gäbe. Wenn ja, wo und welche Arten? Einigen Besuchern von LibellenWissen.de ist es sicherlich nicht entgangen, dass ich dieser Frage bereits unter der Rubrik “Wissen” einige Sätze widmete.

Libellen sind in der Tat wahnsinnig gefährlich. Libellen können mit einem einzigen Biss eine Mücke, Fliege, Falter oder gar einen Artgenossen töten. Ein Stich mit dem riesigen Stachel z.B. der weiblichen Gestreiften Quelljungfer hat ihre Folgen. Ja mit jedem Stich legen sie ein Ei in den sandigen Boden eines Quellbachs, das Weibchen der Großen Königslibelle sticht mit ihrem, sich am Ende ihres Hinterleibs befindlichen Legebohrer, in auf dem Wasser schwimmende Pflanzenteile.

Erythromma viridulum, male img_1053 Libellen haben in der Tierwelt einzigartige Beißwerkzeuge mit kräftigen, gezahnten Mandibeln, durch die sich der wissenschaftliche Name “Odonata” ergab. Fast die gesamte, sich am Kopf befindliche Muskulatur einer Libelle, dient ihren Beißwerkzeugen. So ist es kein Problem für eine Großlibelle, den Chitinpanzer eines Käfers mit nur einem einzigen Biss zu knacken.

Libellen sind absolut gefährlich für jedes andere Insekt, welches ihnen in die Quere kommt! Libellen haben eine unheimliche Kraft in ihrem Kieferwerkzeug, um ihre Beute zu erlegen zu können.

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Libellen sind für uns Menschen völlig ungefährlich!

Libellen sind dennoch total harmlos, haben weder Gift, noch einen Stachel der Mensch oder Säugetieren gefährlich werden kann. Sicherlich können Libellen schon einmal einen Menschen beißen, das aber nur wenn man eine Libelle fängt, wofür allerdings eine Ausnahmegenehmigung erforderlich ist, da sämtliche Libellen unter Schutz gestellt sind. Eine Ausnahmegenehmigung kann beantragt werden, setzt allerdings einiges an Wissen über Libellen voraus. Solch eine Ausnahmegenehmigung kann von Landesumweltbehörden unter bestimmten Voraussetzungen erteilt werden, wenn z.B. der Fang von Libellen zur Artbestimmung erforderlich ist und die sich daraus ergebenen Erkenntnisse der Wissenschaft und Forschung dienlich sind.

Cordulegaster boltonii  Der Biss einer Libelle ist nicht stark genug um die menschliche Haut zu durchdringen. Der Stich des Legebohrers einer weiblichen Libelle kann eventuell spürbar sein, uns jedoch keinesfalls schmerzen zufügen. Sollte ein Weibchen einmal versuchen ein Ei im menschlichen Körper zu platzieren, könnte sich daraus keine Larve parasitär in Mensch oder Tier entwickeln. Also keine Sorge wenn Ihnen eine Libelle zu nahe kommt, sie tut Ihnen rein gar nichts, ist lediglich neugierig und hat eventuell sogar einen Plagegeist in Form einer Mücke auf Ihnen erspäht, von der Sie unter Umständen befreit werden. Solche Beobachtungen sind höchst selten, wurden aber schon gemacht und letztendlich völlig falsch, als Angriff auf den Menschen interpretiert. So in der Art entstanden wahrscheinlich all die Märchen um die bösen Flugkünstler. Tödlich stechende Libellen gibt es nicht und hat es wohl nie gegeben.

Ich hoffe mit diesem Artikel auf unterhaltsame Weise vermitteln zu können, dass Libellen interessante, wundervolle, völlig harmlose, schützenswerte Geschöpfe sind.

Am Ende noch ein Zitat aus der “Libellenbibel” Die Libellen Baden-Württemsbergs, (Sternberg und Buchwald), Bd. 1, S. 172 :  ”…..Fast schon liebevoll und jedem Libellenfreund aus dem Herzen sprechend ist die französische Bezeichnung “Papillion d´amour” (Schmetterling der Liebe).”

Mit diesen Schlußworten bedanke ich mich recht herzlich für den großen Zuspruch, den Libellenwissen.de seit nun genau einem Jahr von Ihnen erhält. Danke, vielen Dank für ein Jahr Treue!

Ihr Jubilar Andreas Thomas Hein

unterwegs im Schlauchboot."Libellenkartierung 2011/ Stechliner Land"

die häufigsten Libellenarten Mitteleuropas

Dienstag, August 2nd, 2011

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten (2).

Hallo Libellenfreunde,

in diesem Artikel möchte ich mich Ihren Fragen widmen, welche mich recht zahlreich erreichen. Im Laufe der Zeit wird so im LibellenWissen.de Blog ein “Frage und Antwort” Katalog entstehen, in dem Sie die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen nachlesen können. Für diesen Zweck ist die Installation einer Suchfunktion geplant, deren Umsetzung wahrscheinlich erst in den Wintermonaten realisierbar ist.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich Ihnen Ihre Fragen während der Libellen-Saison jeweils nur  in einer Kurzfassung, auf einer vereinfachten Art und Weise beantworte. Auch gibt es noch nicht immer eine Antwort auf viele Fragen. Ein Grund mehr für mich, sich intensiv mit den Libellen zu befassen.

Frage Nr.2) Welche Libellenarten sind die häufigsten Arten in unserer Region?

Diese oder eine sehr ähnliche Frage wurde mir in den Monaten von Mai bis Juli 2011 bereits 19 mal gestellt, hauptsächlich von Besitzern eines eigenen Gartenteichs. Tatsächlich sind es in erster Linie die noch ungefährdeten Arten, welche sich am Gartenteich ansiedeln.  Libellula quadrimaculata

Fast 2 Drittel aller Libellenarten Mitteleuropas stehen auf der Roten Liste und sind mehr oder weniger stark vom Aussterben bedroht.  Der Grund dafür, dass einige Libellenarten als ungefährdet gelten, liegt an ihrer Flexibilität und den relativ geringen Ansprüchen an ihre Entwicklungsgewässer. Oftmals verraten uns die deutschen Namen schon ein wenig über die Häufigkeit bzw. erklären fast von selbst ihre Gefährdung.

Ob Hochmoor-Mosaikjungfer, Quelljungfer oder Sumpf-Heidelibelle, diese Arten tragen in ihren deutschen Trivialnamen bereits Hinweise auf ihre Lebensräume wie Hochmoor, Quelle und Sumpf.  Da diese Lebensräume selten sind, ist die Seltenheit dieser Arten ein logische Folge. Das bedeutet für den Schutz von Libellen, aber natürlich auch für alle anderen Lebewesen unserer Erde, dass nur durch den Schutz der verschiedenen Lebensräume unsere Artenvielfalt erhalten bleiben kann.

Wir sprechen von Biodiversität, welche letztendlich auch für das Leben von uns Menschen von immenser Bedeutung ist.  Es gibt naturwissenschaftliche Aufzeichnungen, wonach die Ausrottung aller Vögel unserer Erde katastrophale Auswirkungen auf unser aller Leben hätte, dass nach ca. 3 Jahren der Erdball bereits ca. 50 cm hoch mit Insekten bedeckt wäre. Sehr viele Pflanzen würden dadurch kein Licht mehr bekommen oder nicht mehr bestäubt werden. Letztendlich würden wir qualvoll ersticken, da die Photosynthese ausbliebe und somit nicht mehr ausreichend Sauerstoff produziert werden würde. Bleiben wir bei den Libellen. Für viele Vögel sind Libellen ein bevorzugtes Futter für die Aufzucht ihrer Jungen. Libellen sind reich an Vitaminen und lassen sich während des Schlupfvorgangs leicht erbeuten. Nehmen wir z.B. ein Rotkehlchen, welches ca. 60 kg  Insekten während einer Brut verfüttert. Das Rotkehlchen würde vermutlich völlig erschöpft verenden, noch bevor ihre Jungen flügge wären, wenn es denn nur Kleinstinsekten fangen müsste.

Sie bemerken sicherlich schon wie komplex unsere Natur zu betrachten ist und wie schwer es mir fällt, kurz und prägnant beim ursprünglichen Thema zu bleiben. Zu viele Dinge erscheinen mir zu wichtig, um nicht ein wenig darüber zu informieren.

Nachdem Sie hoffentlich nicht schon gelangweilt LibellenWissen.de verlassen haben, kommt nun eine Liste der Libellenarten, welche in der Roten Liste als “ungefährdet” = RL 0  eingestuft wurden, wobei ich mich an der Roten Liste der Libellen Deutschlands (J. Ott & W. Piper) von 1998 orientiere und der Gefährdungsstatus regional abweichend sein kann, genau wie die in Klammern stehenden Flugzeiten sehr variieren können.

Kleinlibellen:

Große Pechlibelle (von April bis September an fast jedem Gewässertyp)

Hufeisen-Azurjungfer (April bis September an fast jedem Gewässertyp)

Gemeine Becherjungfer (Mai bis Oktober an fast jedem Gewässertyp)

Frühe Adonislibelle (April bis Juni an fast jedem Gewässertyp)

Blaue Federlibelle (Mai bis Oktober an fast jedem Gewässertyp)

Gemeine Binsenjungfer (Juni bis Oktober an fast jedem Gewässertyp mit Beständen von Binsen oder Seggen)

Gemeine Weidenjungfer (Juli bis Oktober an fast jedem Gewässertyp mit Weiden oder Ähnlichem in Ufernähe)

Kleines Granatauge (Juni bis September an fast jedem Gewässertyp mit Schwimmblattvegetation)

Pokaljungfer (Juni bis September an fast jedem Gewässertyp mit Schwimmblattvegetation)

Gebänderte Prachtlibelle (Vorwarnliste!) (Mai bis September vorwiegend an fließenden Gewässern)

Großes Granatauge ( Mai bis August an fast jedem Gewässertyp mit Schwimmblattvegetation)

Ischnura elegans - male

Großlibellen:

Vierfleck (April bis August an fast jedem vegetationsreichen Gewässertyp)

Plattbauch (April bis Juli an fast jedem Gewässertyp, bevorzugt vegetationsarme, neuere Gewässer)

Großer Blaupfeil (Mai bis September an fast jedem stehenden Gewässertyp)

Blutrote Heidelibelle (Juli bis Oktober an fast jedem Gewässertyp)

Große Heidelibelle (Juli bis Oktober an fast jedem stehenden Gewässer)

Gemeine Heidelibelle (Juni bis November an fast jedem stehenden, vegetationsreichen Gewässer)

Schwarze Heidelibelle (Juli bis November bevorzugt an kleineren, stehenden Gewässer)

Große Königslibelle (Mai bis August an fast jedem stehenden Gewässer)

Blaugrüne Mosaikjungfer (Juni bis Oktober an fast jedem Gewässertyp, sogar in Regentonnen)

Herbst-Mosaikjungfer (Juli bis November an fast jedem Gewässertyp)

Glänzende Smaragdlibelle ( Mai bis September an fast jedem Gewässertyp mit ausreichendem Platz für ihren Jagdflug)

Falkenlibelle (Vorwarnliste!) (April bis Juli an fast jedem stehenden Gewässer)

Westliche Keiljungfer (Vorwarnliste) (Mai bis August an fast jedem vegetationsarmen Gewässer)

Feuerlibelle (noch nicht lange heimisch, vermutlich aber ungefährdet) (Juni bis August an stehenden, sonnigen, flachen Gewässern)

Sympetrum sanguineum-m-obelisk

Eine sehr schöne übersichtliche Tabelle, auf der Sie die jeweilige Rote Liste für Ihr Bundesland finden können, hat mein  Kollege Martin Lemke auf seiner Homepage libelleninfo.de erstellt und dabei natürlich auch an unsere Libellenfreunde aus Österreich und der Schweiz nicht vergessen.

Sie haben auch eine Frage? Dann senden Sie mir ihre Frage ganz einfach per Mail. Vielleicht finden Sie ja  hier bei LibellenWissen.de schon in der darauffolgenden Woche eine Antwort auf Ihre Frage.

Viele Grüße Andreas

weibliche und männliche Libellen im Gleichgewicht

Mittwoch, Juni 15th, 2011

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten.

 

Hallo Libellenfreunde,

 

in diesem Artikel möchte ich mich Ihren Fragen widmen, welche mich recht zahlreich erreichen. Im Laufe der Zeit wird so im LibellenWissen.de Blog ein “Frage und Antwort” Katalog entstehen, in dem Sie die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen nachlesen können. Für diesen Zweck ist die Installation einer Suchfunktion geplant, deren Umsetzung wahrscheinlich erst in den Wintermonaten realisierbar ist.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich Ihnen Ihre Fragen während der Libellen-Saison jeweils nur in einer Kurzfassung, auf einer vereinfachten Art und Weise beantworte. Auch gibt es noch nicht immer eine Antwort auf viele Fragen. Ein Grund mehr für mich, sich intensiv mit den Libellen zu befassen.

Frage Nr.1) Warum finde ich auf meinen Touren am Morgen keine bis ganz wenige Weibchen?

Diese oder eine sehr ähnliche Frage wurde mir im Monat Juni 2011 bereits 8 mal gestellt.

Oftmals wird geglaubt es gäbe weniger weibliche als männliche Libellen. Dem ist nicht so. Tatsache ist die, dass die Weibchen fast aller Libellenarten nur zur Paarung und anschließender Eiablage zum Gewässer kommen und in der Zeit bis Eier in ihnen heranreifen, sehr häufig fernab vom Gewässer, auf Waldlichtungen oder Feldern zu finden sind, wo es sich gut nach Nahrung in Form von anderen Insekten jagen lässt.

Sehr häufig ist aber auch so, dass die weniger farbenprächtigen Weibchen ganz einfach schneller von uns übersehen werden.

Sympetrum striolatum - female

Sehr häufig bekunden Naturfreunde sich darüber zu wundern, auch Männchen fernab der Gewässer zu finden.  Die meisten Libellenarten halten sich nach dem Schlupf generell in etwas vom Gewässer entfernten “Reifehabitaten” auf und kehren dann erst zur Paarung zum Gewässer zurück. Insofern nicht ungewöhnlich ein Fund einer Libelle abseits vom Gewässer. Wenn die Männchen dann geschlechtsreif sind, verlassen sie die nähere Umgebung ihres Stammgewässers kaum noch, denn sie könnten ein zur Paarung bereites Weibchen verpassen. Natürlich gibt es Ausnahmen, bei denen es sich dann meist um ein sogenanntes Wanderverhalten handelt, um neue Biotope für ihre Art zu erschließen. Das ist von Art zu Art sehr unterschiedlich. Einige Arten wandern tausende von Kilometern (z.B. Feuerlibelle), andere sind sehr standorttreu (z.B. Zwerglibelle).

Sie haben auch eine Frage? Dann senden Sie mir ihre Frage per Mail. Vielleicht finden Sie dann hier im LibellenWissen-Blog, bereits in der nächsten Woche eine Antwort auf Ihre Frage.

Viele Grüße Ihr/euer Andreas Thomas Hein

 

 

Raubinsekten

Sonntag, Februar 13th, 2011

Libellen sind Fleischfresser

 

Libellen ernähren sich bereits schon als Larve räuberisch

somit Ischnura elegans vs. Coenagrion pulchellum sind Libellen reine Fleischfresser und keine Vegetarier. Auf dem Speiseplan der Larven stehen Larven von Artgenossen, aquatische Larven anderer Insekten, Wasserflöhe, Kaulquappen, ja sogar Fische, ins Wasser gefallene Insekten und was sich ihnen sonst so im Wasser bietet und überwältigt werden kann. So sind z.B. die Larven der Köcherfliegen mittels ihrer kräftigen Beißwerkzeuge (Mandibeln) in der Lage, einer Libellenlarve den Gar aus zu machen, obwohl sie rein von der Größe her den Großlibellenlarven meist unterlegen sind.

Die Libellenlarven sind Lauerjäger, ganz im Gegensatz zu den flugfähigen Libellen, die ihrer Beute hinterher jagen. Wie Sie hier auf den Fotos sehen können, wurde eine Fledermaus-Azurjungfer zur fetten Mahlzeit einer Großen Pechlibelle. Große Pechlibelle,Weibchen Farbform f. infuscans-obsoleta frisst Fledermaus-Azurjungfer  Häufiger kann man dieses Verhalten jedoch bei den Großlibellen (Foto unten: Spitzenfleck verspeist Blaue Federlibelle) beobachten, wie z.B. der Großen Königslibelle, die schon mal eine Heidelibelle oder einen Blaupfeil verspeisen. Dennoch kann nicht unbedingt von Kannibalismus die Rede sein, da es sich meist um Libellen unterschiedlicher Arten handelt. Auch wird nach vollzogener Paarung die männliche Libelle nicht vom Weibchen gefressen, wie es z.B. bei Fangschrecken oder Spinnen häufig der Fall ist. Anax imperator vs Sympetrum

Für uns Menschen sind Libellen völlig ungefährlich. Libellen besitzen weder Stachel, noch Gift. Selbst die kräftigen Beißwerkzeuge sind nicht stark genug, um die menschliche Haut durchdringen zu können. Libellen können uns höchstens zwicken,  jedoch tun sie das nur wenn wir sie einfangen, was allerdings ohne eine entsprechende Ausnahmegenehmigung  untersagt ist. Libellen stehen allesamt unter Artenschutz, unabhängig vom jeweiligen Gefährdungsstatus gemäß der Roten Listen.

libellula-fulva-Weibchen verspeist Zygoptera

Ca. 4800-5600 Libellenarten weltweit !

Freitag, Januar 28th, 2011

Bisher sind uns ca. 4800-5600 Arten der Libellen weltweit bekannt.

Sie fragen sich auch, warum eine solch ungenaue Aussage ? Eine Frage die mich in den vergangenen Wochen bereits mehrfach erreichte.

Hier der Versuch einer Antwort:

Ich habe mich einmal im Netz umgeschaut und eine Suchmaschine bemüht,  Artikel zu der Phrase  “Libellenarten weltweit” zu finden. Ich staunte nicht schlecht, da gibt es Angaben von 3000 bis zu 5829 Arten. Am häufigsten ist die Rede von “über 5000 Libellenarten”. Nach der aktuellsten Liste “World Odonata List” von Martin Schorr, Dennis Paulsen und Martin Lindeboom sind sogar 5837 verschiedene Libellen gelistet, zusätzlich noch fast 4000 Unterarten. Stand per 25.1.2011.

Wie kann das also sein, dass so viele unterschiedliche Mengenangaben zu lesen sind ? Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Da wäre z.B. das Erscheinungsdatum der verwendeten Literatur. Vor rund 60 Jahren waren uns etwas über 3000 Arten von Libellen bekannt.  Wir können also davon ausgehen, dass verschiedene Autoren auch in jüngerer Zeit die schon längst überholten und somit veralteten Angaben übernommen haben.

Auch modernste molekularbiologische Verfahren bringen uns ständig neue Erkenntnisse, inwieweit Arten als eigenständige Art oder als Unterart einzuordnen sind. In vielen Fällen gibt es kontroverse Meinungen und Diskussionen um die Eigenständigkeit einer Art. Oftmals sind kleine  Unterschiede in der Größe oder Farbe einiger Arten oder auch nur deren eigentlichen Unterscheidungsmerkmale auf verschiedene Umgebungstemperaturen oder Lebensräume zurückzuführen. Oftmals aber eben festgestellt, dass bereits beschriebene Unterarten eine eigenständige Art darstellen.

Ferner gibt es mit Sicherheit noch immer völlig unentdeckte Arten, in schwer zugänglichen Gebieten, wie z.B. in verschiedenen Teilen des Regenwaldes.Wir müssen allerdings gar nicht so weit in die Ferne schweifen. Erst vor 10 Jahren hat M.Marinov in Bulgarien eine Smaragdlibellenart entdeckt. Eigentlich waren die meisten Libellenkundler der Meinung im recht überschaubaren Europa bereits alle Arten erfasst zu haben. M.Marinov widmete diese Libelle seinem Sohn Boris. So bezeichnet man diese Art, die sich von den Imagines und den Larven der Balkan-Smaragdlibelle – Somatochlora meridionalis ( Nielson,1935) und der Glänzenden Smaragdlibelle – Somatochlora metallica (vander Linden, 1825) kaum unterscheiden lässt, Somatochlora borisi Marinov, 2001 – Bulgarische Smaragdlibelle.

Ein letzter Grund liegt darin, dass durch das Medium Internet eine wesentlich bessere und einfachere Kommunikation zwischen Wissenschaftlern aus aller Welt möglich wurde. Eine große Hilfe bei der Erfassung der gesamten Artenvielfalt, die z.B. durch Aktionen wie im vergangenen Jahr 2010 ” das Jahr der Biodiversität” stetig vorangetrieben wird

Ich hoffe Ihnen die Frage halbwegs zufriedenstellend beantwortet zu haben.

Andreas Thomas Hein

Quelle: Literatur und Internet