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Libellen im November

Freitag, November 4th, 2011

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten (5)

 

 

Frage Nr.5) Fliegen Libellen auch noch im November, wenn ja, dann welche Arten?

 

Hallo liebe Libellenfreunde,

nun wird es langsam aber sicher etwas ruhiger an den Gewässern. In einigen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gab es die ersten frostigen Nächte und so manch ein Naturfreund fragt sich nun, ob die Libellen-Saison 2011 nun endgültig vorbei ist. Sympetrum striolatum - male Die Antwort lautet: Nein!  An sonnigen Tagen, jeweils um die Mittagszeit, kann man noch die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) bei der Paarung und Eiablage beobachten. Das gleiche gilt an geeigneten Biotopen (Teiche mit Weiden oder ähnlichen Gehölzen drum herum) für die Gemeine Weidenjungfer (Lestes viridis). Mit etwas Glück patrouillieren auch noch die Männchen der Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) oder Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) am oder fernab vom Gewässer auf der Suche nach einem Weibchen oder gar ein Weibchen bei der Eiablage.

Sehr viel Spaß kann man aber auch dabei haben, eine Winterlibelle aufzuspüren, die sich jetzt langsam aber sicher in ihre Winterquartiere begeben. Noch immer ist nicht ausreichend darüber bekannt, wo die Tiere sich genau verstecken. Ich versuche schon seit Jahren eine gefrostete Winterlibelle zu finden, bisher vergeblich. Für dieses Weibchen auf dem Foto war es noch nicht kalt genug.

Sympecma fusca - female - ice_img_46

Eine ganz besondere Beobachtung machte ein Libellenfreund in Niederösterreich, mit dem Fund eines relativ frisch geschlüpften Männchens Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum). Also, immer schön die Augen offen halten, bisher war doch fast jede Saison am Ende noch für eine Überraschung gut.

Nachtrag: am 6. November wurde mir der Fund einer weiblichen Lestes virens (Kleine Binsenjungfer) aus Bayern gemeldet.

Nachtrag: am 20 November fand mein Fotofreund Claus in NRW noch ein schönes rot gefärbtes Männchen Sympetrum meridionale – Südliche Heidelibelle

Viel Glück , viel Spaß und liebe Grüße

Andreas Thomas Hein

p.s. ein kleines Dankeschön möchte ich noch los werden.

LibellenWissen.de steht Ihnen Dank der Firma Schottenland.de ein weiteres Jahr kostenlos, ohne lästige Werbung durch nervige Popup Fenster zur Verfügung. Vielen, vielen Dank !

 

 

 

Libellen im Oktober

Samstag, Oktober 1st, 2011

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten (3)

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Frage Nr.3) Welche Libellenarten fliegen noch im Oktober?

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Hallo liebe Libellenfreunde,

solch eine verrückte Libellen-Saison 2011 aber auch, die sich so langsam verabschiedet. Nach starkem Beginn im April/Mai kam der verregnete Sommer und nun der sogenannte Altweibersommer, mit fantastischen Temperaturen und reichlich Sonnenschein, aber die Individienzahl schrumpft kontinuierlich , die Artenvielfalt nimmt immer mehr ab.

Brandenburger Natur landscape 1_3917_1

Nun erreichte mich bereits im September schon einige Male die Frage, was fliegen denn nun im Oktober noch für Libellenarten? Sterben die Libellen jetzt nicht langsam? Sie haben an Ihrem Stammgewässer kaum noch Libellen?

So pauschal lassen sich die Fragen nicht immer beantworten. Schauen Sie zu verschiedenen Tageszeiten an Ihrem Gewässer vorbei und beobachten die Ufer und Flachwasser-Bereiche. Bei Sonnenschein sollten dann Heidelibellen, Herbst-Mosaikjungfern und Blaugrüne Mosaikjungfern erscheinen um sich zu paaren. In Ufernähe lassen sich dann wunderbar die Große Heidelibelle, Schwarze Heidelibelle, Gemeine Heidelibelle, Blutrote Heidelibelle, Gebänderte Heidelibelle und Sumpf-Heidelibelle bei der Eiablage beobachten. Zumeist werden die Weibchen von den Männchen begleitet, im Tandem wippend werden dann die Eier ins flache Wasser geworfen. Die Blutrote Heidelibelle meist eher in trocken gefallene Uferregionen.

Sympetrum striolatum, Eiablage im Tandemflugg_11

Oftmals gut versteckt im Alleingang, hat man auch schon mal die Gelegenheit verschiedene Weibchen der Mosaikjungfern bei der Eiablage zu erspähen. Die Eier werden einzeln in zumeist abgestorbene Pflanzenteile in Ufernähe gestochen. Daher ist es wichtig zu wissen, dass die Paarungsaktivitäten fast ausschließlich bei gutem Wetter, also bei Sonnenschein stattfinden. Eine Begehung der Gewässer ist daher in den Morgen- und späteren Abendstunden im Oktober nicht mehr so effektiv. Libellen sind schließlich wechselwarm und benötigen die wärmenden Sonnenstrahlen um aktiv zu sein.  Im Übrigen setzen sich nun auch die ansonsten stetig umherfliegenden Männchen der Mosaikjungfern auch häufiger mal ab. Die Sonne steht nicht so hoch wie im Juli, weshalb mich meine eigene Fotoausbeute im Herbst glücklicher macht, als jene vom Hochsommer (wenn wir denn so etwas noch einmal haben). Das Licht ist nicht so hart und die Reflexionen des Sonnenlichts halten sich in Grenzen.

Aeshna viridis - male_lw_3502

Die Blaugrüne Mosaikjungfer schwirrt nun überall umher, auf der Suche nach einem Weibchen. Sie fliegt durch Wälder, durch Gärten und Parke, gelegentlich auch schon einmal ins Wohn- oder Schlafzimmer. Kaum eine andere Libelle ist so neugierig wie die Blaugrüne Mosaikjungfer. Gelegentlich kostet ihre Neugier ihr auch schon mal das Leben. Falls Sie einen Garten haben und im Besitz einer Katze sein sollten, wissen Sie von was ich hier schreibe. Brav kommt der eine oder andere Stubentiger stolz mit seiner Beute im Maul zum Frauchen oder Herrchen. Nach meinen Beobachtungen im Internet reagieren die Tierbesitzer blitzschnell, versuchen die meist etwas angeschlagenen Moaikjungfer zu retten, holen schnurstracks ihre Kamera und Klick, Klick, Klick, endlich einmal eine Mosaikjungfer in Makrostellung der Kamera auf den Chip gebrannt. Selbst weniger an der Natur interessierte Fotografen können sich dann beim Anblick der Libelle mal so ganz aus der Nähe begeistern. Die sind aber auch hübsch.

Hier nun eine Aufstellung der noch recht aktiven Libellenarten im Oktober. Ausnahmen wird es immer mal geben, so wurde im Oktober 2010 in NRW noch ein frisch geschlüpfter Vierfleck gesichtet, der normal im Mai/Juni hätte schlüpfen müssen. Was sagt uns das? Libellen lesen keine Fachbücher, aber auch meinen Blog nicht. :-)

Sympetrum depressiusculum-male

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Libellen im Oktober:

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Kleinlibellen:

1. Gemeine Weidenjungfer – Lestes viridis (Gebietsweise noch zahlreich)

2. Kleine Binsenjungfer – Lestes virens (Gebietsweise noch zahlreich)

3. Gemeine Binsenjungfer – Lestes sponsa (vereinzelt noch vorhanden)

4. Gemeine Winterlibelle – Sympecma fusca (zahlreich jedoch bereits abseits der Gewässer)

5. Sibirische Winterlibelle – Sympecma paedisca ( bereits abseits der Gewässer)

6. Große Pechlibelle – Ischnura elegans (2. Generation) (vereinzelt noch vorhanden)

7. Kleine Pechlibelle – Ischnura pumilio (2. Generation) (vereinzelt noch vorhanden)

8. Gemeine Becherjungfer – Enallagma cyathigerum (2. Generation) (vereinzelt noch vorhanden)

9. Kleines Granatauge – Erythrmma viridulum (vereinzelt noch vorhanden)

10. Gebänderte Prachtlibelle  – Calopteryx splendens (vereinzelt noch vorhanden)

Großlibellen:

11. Frühe Heidelibelle – Sympetrum fonscolombii (2. Generation schlüpft gerade noch)

12. Große Heidelibelle – Sympetrum striolatum (Gebietsweise noch zahlreich)

13. Gemeine Heidelibelle – Sympetrum vulgatum (Gebietsweise noch zahlreich)

14. Blutrote Heidelibelle – Sympetrum sanguineum (Gebietsweise noch zahlreich)

15. Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae (Gebietsweise noch zahlreich)

16. Gebänderte Heidelibelle – Sympetrum pedemontanum (vereinzelt noch vorhanden)

17. Sumpf-Heidelibelle – Sympetrum depressiusculum (Gebietsweise noch zahlreich)

18. Glänzende Smaragdlibelle – Somatochlora metallica (vereinzelt noch vorhanden)

19. Herbst-Mosaikjungfer – Aeshna mixta (Gebietsweise noch zahlreich)

20. Blaugrüne Mosaikjungfer – Aeshna cyanea (noch vorhanden)

21. Grüne Mosaikjungfer – Aeshna viridis (vereinzelt noch vorhanden)

22. Torf-Mosaikjungfer – Aeshna juncea (vereinzelt noch vorhanden)

23.  Hochmoor-Mosaikjungfer – Aeshna subarctica (vereinzelt noch vorhanden)

24. Braune Mosaikjungfer – Aeshna grandis (vereinzelt noch vorhanden)

25. Grüne Flussjungfer – Ophiogomphus cecilia (vereinzelt noch vorhanden)

26. Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus (vereinzelt noch vorhanden)

27. Zweigestreifte Quelljungfer – Cordulegaster boltonii (vereinzelt noch an Quellbächen vorhanden)

Ophiogomphus cecilia - male

Da staunen Sie sicherlich was doch noch für eine Menge verschiedener Arten auf den Flügeln sind? Erst wenn die Nächte frostig werden, haben Libellen kaum eine Überlebenschance, bis auf die Winterlibellen, die sich in ihre Winterquartiere zurückziehen, sich gut vor Wind und Feind schützen.

Haben Sie noch eine hier nicht aufgeführte Libelle gesichtet? Ich freue mich auf Ihre Nachricht!

Viel Spaß bei Ihren Herbst-Ausflügen und weiterhin spannende Beobachtungen wünscht Ihnen

Andreas Thomas Hein

die häufigsten Libellenarten Mitteleuropas

Dienstag, August 2nd, 2011

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten (2).

Hallo Libellenfreunde,

in diesem Artikel möchte ich mich Ihren Fragen widmen, welche mich recht zahlreich erreichen. Im Laufe der Zeit wird so im LibellenWissen.de Blog ein “Frage und Antwort” Katalog entstehen, in dem Sie die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen nachlesen können. Für diesen Zweck ist die Installation einer Suchfunktion geplant, deren Umsetzung wahrscheinlich erst in den Wintermonaten realisierbar ist.

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich Ihnen Ihre Fragen während der Libellen-Saison jeweils nur  in einer Kurzfassung, auf einer vereinfachten Art und Weise beantworte. Auch gibt es noch nicht immer eine Antwort auf viele Fragen. Ein Grund mehr für mich, sich intensiv mit den Libellen zu befassen.

Frage Nr.2) Welche Libellenarten sind die häufigsten Arten in unserer Region?

Diese oder eine sehr ähnliche Frage wurde mir in den Monaten von Mai bis Juli 2011 bereits 19 mal gestellt, hauptsächlich von Besitzern eines eigenen Gartenteichs. Tatsächlich sind es in erster Linie die noch ungefährdeten Arten, welche sich am Gartenteich ansiedeln.  Libellula quadrimaculata

Fast 2 Drittel aller Libellenarten Mitteleuropas stehen auf der Roten Liste und sind mehr oder weniger stark vom Aussterben bedroht.  Der Grund dafür, dass einige Libellenarten als ungefährdet gelten, liegt an ihrer Flexibilität und den relativ geringen Ansprüchen an ihre Entwicklungsgewässer. Oftmals verraten uns die deutschen Namen schon ein wenig über die Häufigkeit bzw. erklären fast von selbst ihre Gefährdung.

Ob Hochmoor-Mosaikjungfer, Quelljungfer oder Sumpf-Heidelibelle, diese Arten tragen in ihren deutschen Trivialnamen bereits Hinweise auf ihre Lebensräume wie Hochmoor, Quelle und Sumpf.  Da diese Lebensräume selten sind, ist die Seltenheit dieser Arten ein logische Folge. Das bedeutet für den Schutz von Libellen, aber natürlich auch für alle anderen Lebewesen unserer Erde, dass nur durch den Schutz der verschiedenen Lebensräume unsere Artenvielfalt erhalten bleiben kann.

Wir sprechen von Biodiversität, welche letztendlich auch für das Leben von uns Menschen von immenser Bedeutung ist.  Es gibt naturwissenschaftliche Aufzeichnungen, wonach die Ausrottung aller Vögel unserer Erde katastrophale Auswirkungen auf unser aller Leben hätte, dass nach ca. 3 Jahren der Erdball bereits ca. 50 cm hoch mit Insekten bedeckt wäre. Sehr viele Pflanzen würden dadurch kein Licht mehr bekommen oder nicht mehr bestäubt werden. Letztendlich würden wir qualvoll ersticken, da die Photosynthese ausbliebe und somit nicht mehr ausreichend Sauerstoff produziert werden würde. Bleiben wir bei den Libellen. Für viele Vögel sind Libellen ein bevorzugtes Futter für die Aufzucht ihrer Jungen. Libellen sind reich an Vitaminen und lassen sich während des Schlupfvorgangs leicht erbeuten. Nehmen wir z.B. ein Rotkehlchen, welches ca. 60 kg  Insekten während einer Brut verfüttert. Das Rotkehlchen würde vermutlich völlig erschöpft verenden, noch bevor ihre Jungen flügge wären, wenn es denn nur Kleinstinsekten fangen müsste.

Sie bemerken sicherlich schon wie komplex unsere Natur zu betrachten ist und wie schwer es mir fällt, kurz und prägnant beim ursprünglichen Thema zu bleiben. Zu viele Dinge erscheinen mir zu wichtig, um nicht ein wenig darüber zu informieren.

Nachdem Sie hoffentlich nicht schon gelangweilt LibellenWissen.de verlassen haben, kommt nun eine Liste der Libellenarten, welche in der Roten Liste als “ungefährdet” = RL 0  eingestuft wurden, wobei ich mich an der Roten Liste der Libellen Deutschlands (J. Ott & W. Piper) von 1998 orientiere und der Gefährdungsstatus regional abweichend sein kann, genau wie die in Klammern stehenden Flugzeiten sehr variieren können.

Kleinlibellen:

Große Pechlibelle (von April bis September an fast jedem Gewässertyp)

Hufeisen-Azurjungfer (April bis September an fast jedem Gewässertyp)

Gemeine Becherjungfer (Mai bis Oktober an fast jedem Gewässertyp)

Frühe Adonislibelle (April bis Juni an fast jedem Gewässertyp)

Blaue Federlibelle (Mai bis Oktober an fast jedem Gewässertyp)

Gemeine Binsenjungfer (Juni bis Oktober an fast jedem Gewässertyp mit Beständen von Binsen oder Seggen)

Gemeine Weidenjungfer (Juli bis Oktober an fast jedem Gewässertyp mit Weiden oder Ähnlichem in Ufernähe)

Kleines Granatauge (Juni bis September an fast jedem Gewässertyp mit Schwimmblattvegetation)

Pokaljungfer (Juni bis September an fast jedem Gewässertyp mit Schwimmblattvegetation)

Gebänderte Prachtlibelle (Vorwarnliste!) (Mai bis September vorwiegend an fließenden Gewässern)

Großes Granatauge ( Mai bis August an fast jedem Gewässertyp mit Schwimmblattvegetation)

Ischnura elegans - male

Großlibellen:

Vierfleck (April bis August an fast jedem vegetationsreichen Gewässertyp)

Plattbauch (April bis Juli an fast jedem Gewässertyp, bevorzugt vegetationsarme, neuere Gewässer)

Großer Blaupfeil (Mai bis September an fast jedem stehenden Gewässertyp)

Blutrote Heidelibelle (Juli bis Oktober an fast jedem Gewässertyp)

Große Heidelibelle (Juli bis Oktober an fast jedem stehenden Gewässer)

Gemeine Heidelibelle (Juni bis November an fast jedem stehenden, vegetationsreichen Gewässer)

Schwarze Heidelibelle (Juli bis November bevorzugt an kleineren, stehenden Gewässer)

Große Königslibelle (Mai bis August an fast jedem stehenden Gewässer)

Blaugrüne Mosaikjungfer (Juni bis Oktober an fast jedem Gewässertyp, sogar in Regentonnen)

Herbst-Mosaikjungfer (Juli bis November an fast jedem Gewässertyp)

Glänzende Smaragdlibelle ( Mai bis September an fast jedem Gewässertyp mit ausreichendem Platz für ihren Jagdflug)

Falkenlibelle (Vorwarnliste!) (April bis Juli an fast jedem stehenden Gewässer)

Westliche Keiljungfer (Vorwarnliste) (Mai bis August an fast jedem vegetationsarmen Gewässer)

Feuerlibelle (noch nicht lange heimisch, vermutlich aber ungefährdet) (Juni bis August an stehenden, sonnigen, flachen Gewässern)

Sympetrum sanguineum-m-obelisk

Eine sehr schöne übersichtliche Tabelle, auf der Sie die jeweilige Rote Liste für Ihr Bundesland finden können, hat mein  Kollege Martin Lemke auf seiner Homepage libelleninfo.de erstellt und dabei natürlich auch an unsere Libellenfreunde aus Österreich und der Schweiz nicht vergessen.

Sie haben auch eine Frage? Dann senden Sie mir ihre Frage ganz einfach per Mail. Vielleicht finden Sie ja  hier bei LibellenWissen.de schon in der darauffolgenden Woche eine Antwort auf Ihre Frage.

Viele Grüße Andreas

Ca. 4800-5600 Libellenarten weltweit !

Freitag, Januar 28th, 2011

Bisher sind uns ca. 4800-5600 Arten der Libellen weltweit bekannt.

Sie fragen sich auch, warum eine solch ungenaue Aussage ? Eine Frage die mich in den vergangenen Wochen bereits mehrfach erreichte.

Hier der Versuch einer Antwort:

Ich habe mich einmal im Netz umgeschaut und eine Suchmaschine bemüht,  Artikel zu der Phrase  “Libellenarten weltweit” zu finden. Ich staunte nicht schlecht, da gibt es Angaben von 3000 bis zu 5829 Arten. Am häufigsten ist die Rede von “über 5000 Libellenarten”. Nach der aktuellsten Liste “World Odonata List” von Martin Schorr, Dennis Paulsen und Martin Lindeboom sind sogar 5837 verschiedene Libellen gelistet, zusätzlich noch fast 4000 Unterarten. Stand per 25.1.2011.

Wie kann das also sein, dass so viele unterschiedliche Mengenangaben zu lesen sind ? Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Da wäre z.B. das Erscheinungsdatum der verwendeten Literatur. Vor rund 60 Jahren waren uns etwas über 3000 Arten von Libellen bekannt.  Wir können also davon ausgehen, dass verschiedene Autoren auch in jüngerer Zeit die schon längst überholten und somit veralteten Angaben übernommen haben.

Auch modernste molekularbiologische Verfahren bringen uns ständig neue Erkenntnisse, inwieweit Arten als eigenständige Art oder als Unterart einzuordnen sind. In vielen Fällen gibt es kontroverse Meinungen und Diskussionen um die Eigenständigkeit einer Art. Oftmals sind kleine  Unterschiede in der Größe oder Farbe einiger Arten oder auch nur deren eigentlichen Unterscheidungsmerkmale auf verschiedene Umgebungstemperaturen oder Lebensräume zurückzuführen. Oftmals aber eben festgestellt, dass bereits beschriebene Unterarten eine eigenständige Art darstellen.

Ferner gibt es mit Sicherheit noch immer völlig unentdeckte Arten, in schwer zugänglichen Gebieten, wie z.B. in verschiedenen Teilen des Regenwaldes.Wir müssen allerdings gar nicht so weit in die Ferne schweifen. Erst vor 10 Jahren hat M.Marinov in Bulgarien eine Smaragdlibellenart entdeckt. Eigentlich waren die meisten Libellenkundler der Meinung im recht überschaubaren Europa bereits alle Arten erfasst zu haben. M.Marinov widmete diese Libelle seinem Sohn Boris. So bezeichnet man diese Art, die sich von den Imagines und den Larven der Balkan-Smaragdlibelle – Somatochlora meridionalis ( Nielson,1935) und der Glänzenden Smaragdlibelle – Somatochlora metallica (vander Linden, 1825) kaum unterscheiden lässt, Somatochlora borisi Marinov, 2001 – Bulgarische Smaragdlibelle.

Ein letzter Grund liegt darin, dass durch das Medium Internet eine wesentlich bessere und einfachere Kommunikation zwischen Wissenschaftlern aus aller Welt möglich wurde. Eine große Hilfe bei der Erfassung der gesamten Artenvielfalt, die z.B. durch Aktionen wie im vergangenen Jahr 2010 ” das Jahr der Biodiversität” stetig vorangetrieben wird

Ich hoffe Ihnen die Frage halbwegs zufriedenstellend beantwortet zu haben.

Andreas Thomas Hein

Quelle: Literatur und Internet

Bestimmungshilfe

Freitag, Oktober 22nd, 2010

Betreff:   die ersten Seiten stehen…

Hallo liebe Libellen- , Natur- und Fotofreunde !

Die Artbeschreibungen der Libellen Deutschlands sind unter dem Menüpunkt  “Libellenarten” erstellt und online. Haben Sie sich schon ein wenig umgeschaut? Es ist nicht so einfach die ganze Sache so übersichtlich wie möglich zu gestalten, doch gerade das liegt mir ganz besonders am Herzen.

Wer sich die Mühe machen möchte eine Libelle selbst zu bestimmen, dem möchte ich gerne die nun folgenden Hinweise mit auf den manchmal holprigen Bestimmungsweg geben :

1. eine zuverlässige Bestimmung anhand von Fotos ist nicht immer möglich.

2. reine Bildvergleiche führen selten zum richtigen Ergebnis.

3. die Farben der Libellen variieren je nach Alter, Geschlecht und Temperatur zu stark, um allein über die Farbe eine Bestimmung vornehmen zu können.  Zum Beispiel: Farbvarianten der Blutroten Heidelibelle oder der Großen Pechlibelle

4. am sichersten bestimmt man die Tiere über das Ausschlussverfahren.

5. klicken Sie sich am besten nicht durch die Artprofile aller Libellen, sondern versuchen Sie je nach Wissenstand wie folgt vor zu gehen:

5.1. als erstes müssen wir herausfinden, ob wir es mit einer Kleinlibelle oder Großlibelle zu tun haben, falls Sie das nicht bereits wissen. Lesen Sie dazu sorgfältig die Unterscheidungsmerkmale.

5.2. nun wissen wir in den meisten Fällen schon einmal, dass es keinen Sinn macht die rund 50 Arten der Großlibellen, bzw. 30 Arten der Kleinlibellen anzuschauen, wenn wir festgestellt haben, dass wir es mit einer Kleinlibelle zu tun haben. Jetzt genau wie unter 5.1. lesen Sie die Beschreibungen zu den Familien, die bei den Kleinlibellen ja nur 4 an der Zahl, bei den Großlibellen 5 an der Zahl sind.

5.3. Familie gefunden ? Na bitte, jetzt haben Sie doch nur noch eine weitaus geringere Anzahl von Arten die in Frage kommen können, vorausgesetzt Sie haben bisher keinen Fehler gemacht. Allerdings wird die Unterscheidung von nun an auch etwas schwieriger, da die Merkmale immer kleiner werden und leider oftmals auf einem Foto nicht so sichtbar sind, wie es von Nöten wäre. Nun können auch die Informationen zu den in Frage kommenden Arten, bezüglich Funddatum und Lebensraum, hilfreich sein. Nicht jede Art findet man an einem Fließgewässer genau wie nicht jede Art an einem stehenden Gewässer zu finden ist. Achten Sie also auch auf Kleinigkeiten!

Bestimmungsbeispiel :

Bestimmungsbeispiel

Kleinlibelle oder Großlibelle?

Lesen Sie die Merkmale, die uns helfen diese beiden Unterordnungen voneinander zu trennen.

Bei den Kleinlibellen (Zygoptera=Gleichflügler) sind die Augenpaare deutlich voneinander getrennt, Vorderflügel und Hinterflügel sind nahezu gleich. In Ruhestellung können die Flügel , im Gegensatz zu denen der Großlibellen, zusammen geklappt werden, was sehr häufig der Fall ist……


Die Großlibellen (Anisoptera=Ungleichflügler) ……
Das Augenpaar berührt sich mindestens an einem Punkt (Ausnahme Flussjungfern=Augenabstand geringer als Abstand der Fühler). Die Hinterflügel sind am Ansatz (Basis) breiter als die Vorderflügel. Die Flügel sind nach abgeschlossener Metamorphose stets  geöffnet.

Augenabstand als Bestimmungsmerkmal: Grosslibellen-Kleinlibellen-Flussjungfer

 

Na? Richtig! Es handelt sich um eine Großlibelle! Nun versuchen wir unsere Libelle einer der 5 bei uns existierenden Familien zu zuordnen. So kommen Sie Stück für Stück dann zur Gattung, bis zur Art. Aber Vorsicht, erwarten Sie keine Wunder. Einen echten Bestimmungsschlüssel kann LibellenWissen.de nicht ersetzen.

Sie sind sich nun aber bereits sicher, dass wir einen Heidelibelle suchen? Dann geht es weiter mit: die Bestimmung der Heidelibellen.