Libellen im November

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten (5)

Frage Nr.5) Fliegen Libellen auch noch im November, wenn ja, dann welche Arten?

Hallo liebe Libellenfreunde,

nun wird es langsam aber sicher etwas ruhiger an den Gewässern. In einigen Regionen Deutschlands, Österreichs sowie der Schweiz gab es die ersten frostigen Nächte und so manch ein Naturfreund fragt sich nun, ob die Libellen-Saison 2011 nun endgültig vorbei ist?

Die Antwort lautet: Nein!  An sonnigen Tagen, jeweils um die Mittagszeit, kann man noch die Große Heidelibelle (Sympetrum striolatum) bei der Paarung und Eiablage beobachten. Das Gleiche gilt an geeigneten Biotopen (Teiche mit Weiden oder ähnlichen Gehölzen drum herum) für die Gemeine Weidenjungfer (Lestes viridis). Mit etwas Glück patrouillieren auch noch die Männchen der Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta) oder Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) am oder fernab der Gewässer auf der Suche nach einem Weibchen oder ihr findet gar ein Weibchen bei der Eiablage.

Sehr viel Spaß kann man aber auch dabei haben Winterlibellen aufzuspüren, die sich jetzt langsam aber sicher in ihre Winterquartiere begeben. Noch immer ist nicht ausreichend darüber bekannt, wo die Tiere sich genau verstecken. Ich versuche schon seit Jahren eine gefrostete Winterlibelle zu finden, bisher vergeblich. Für dieses Weibchen auf dem Foto war es noch nicht kalt genug.

Eine ganz besondere Beobachtung machte ein Libellenfreund in Niederösterreich, mit dem Fund eines relativ frisch geschlüpften Männchens Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum). Also, immer schön die Augen offen halten, bisher war doch fast jede Saison am Ende noch für eine Überraschung gut.

Nachtrag: am 6. November wurde mir der Fund einer weiblichen Lestes virens (Kleine Binsenjungfer) aus Bayern gemeldet.

Nachtrag: am 20 November fand mein Fotofreund Claus in NRW noch ein schönes, rot gefärbtes Männchen Sympetrum meridionale – Südliche Heidelibelle

Viel Glück, viel Spaß und liebe Grüße,

euer Andreas Thomas Hein

p.s. ein kleines Dankeschön muss ich noch los werden.

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Libellen im Oktober

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten (3)

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Frage Nr.3) Welche Libellenarten fliegen noch im Oktober?

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Hallo liebe Libellenfreunde,

solch eine verrückte Libellen-Saison 2011 aber auch, die sich so langsam verabschiedet. Nach starkem Beginn im April/Mai kam der verregnete Sommer und nun der sogenannte Altweibersommer, mit fantastischen Temperaturen und reichlich Sonnenschein, aber die Individienzahl schrumpft kontinuierlich , die Artenvielfalt nimmt immer mehr ab.

Nun erreichte mich bereits im September schon einige Male die Frage, was fliegen denn nun im Oktober noch für Libellenarten? Sterben die Libellen jetzt nicht langsam? Sie haben an Ihrem Stammgewässer kaum noch Libellen?

So pauschal lassen sich die Fragen nicht immer beantworten. Schauen Sie zu verschiedenen Tageszeiten an Ihrem Gewässer vorbei und beobachten die Ufer und Flachwasser-Bereiche. Bei Sonnenschein sollten dann Heidelibellen, Herbst-Mosaikjungfern und Blaugrüne Mosaikjungfern erscheinen um sich zu paaren. In Ufernähe lassen sich dann wunderbar die Große Heidelibelle, Schwarze Heidelibelle, Gemeine Heidelibelle, Blutrote Heidelibelle, Gebänderte Heidelibelle und Sumpf-Heidelibelle bei der Eiablage beobachten. Zumeist werden die Weibchen von den Männchen begleitet, im Tandem wippend werden dann die Eier ins flache Wasser geworfen. Die Blutrote Heidelibelle meist eher in trocken gefallene Uferregionen.

Oftmals gut versteckt im Alleingang, hat man auch schon mal die Gelegenheit verschiedene Weibchen der Mosaikjungfern bei der Eiablage zu erspähen. Die Eier werden einzeln in zumeist abgestorbene Pflanzenteile in Ufernähe gestochen. Daher ist es wichtig zu wissen, dass die Paarungsaktivitäten fast ausschließlich bei gutem Wetter, also bei Sonnenschein stattfinden. Eine Begehung der Gewässer ist daher in den Morgen- und späteren Abendstunden im Oktober nicht mehr so effektiv. Libellen sind schließlich wechselwarm und benötigen die wärmenden Sonnenstrahlen um aktiv zu sein.  Im Übrigen setzen sich nun auch die ansonsten stetig umherfliegenden Männchen der Mosaikjungfern auch häufiger mal ab. Die Sonne steht nicht so hoch wie im Juli, weshalb mich meine eigene Fotoausbeute im Herbst glücklicher macht, als jene vom Hochsommer (wenn wir denn so etwas noch einmal haben). Das Licht ist nicht so hart und die Reflexionen des Sonnenlichts halten sich in Grenzen.

Die Blaugrüne Mosaikjungfer schwirrt nun überall umher, auf der Suche nach einem Weibchen. Sie fliegt durch Wälder, durch Gärten und Parke, gelegentlich auch schon einmal ins Wohn- oder Schlafzimmer. Kaum eine andere Libelle ist so neugierig wie die Blaugrüne Mosaikjungfer. Gelegentlich kostet ihre Neugier ihr auch schon mal das Leben. Falls Sie einen Garten haben und im Besitz einer Katze sein sollten, wissen Sie von was ich hier schreibe. Brav kommt der eine oder andere Stubentiger stolz mit seiner Beute im Maul zum Frauchen oder Herrchen. Nach meinen Beobachtungen im Internet reagieren die Tierbesitzer blitzschnell, versuchen die meist etwas angeschlagenen Moaikjungfer zu retten, holen schnurstracks ihre Kamera und Klick, Klick, Klick, endlich einmal eine Mosaikjungfer in Makrostellung der Kamera auf den Chip gebrannt. Selbst weniger an der Natur interessierte Fotografen können sich dann beim Anblick der Libelle mal so ganz aus der Nähe begeistern. Die sind aber auch hübsch.

Hier nun eine Aufstellung der noch recht aktiven Libellenarten im Oktober. Ausnahmen wird es immer mal geben, so wurde im Oktober 2010 in NRW noch ein frisch geschlüpfter Vierfleck gesichtet, der normal im Mai/Juni hätte schlüpfen müssen. Was sagt uns das? Libellen lesen keine Fachbücher, aber auch meinen Blog nicht. 🙂

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Libellen im Oktober:

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Kleinlibellen:

1. Gemeine Weidenjungfer – Lestes viridis (Gebietsweise noch zahlreich)

2. Kleine Binsenjungfer – Lestes virens (Gebietsweise noch zahlreich)

3. Gemeine Binsenjungfer – Lestes sponsa (vereinzelt noch vorhanden)

4. Gemeine Winterlibelle – Sympecma fusca (zahlreich jedoch bereits abseits der Gewässer)

5. Sibirische Winterlibelle – Sympecma paedisca ( bereits abseits der Gewässer)

6. Große Pechlibelle – Ischnura elegans (2. Generation) (vereinzelt noch vorhanden)

7. Kleine Pechlibelle – Ischnura pumilio (2. Generation) (vereinzelt noch vorhanden)

8. Gemeine Becherjungfer – Enallagma cyathigerum (2. Generation) (vereinzelt noch vorhanden)

9. Kleines Granatauge – Erythrmma viridulum (vereinzelt noch vorhanden)

10. Gebänderte Prachtlibelle  – Calopteryx splendens (vereinzelt noch vorhanden)

Großlibellen:

11. Frühe Heidelibelle – Sympetrum fonscolombii (2. Generation schlüpft gerade noch)

12. Große Heidelibelle – Sympetrum striolatum (Gebietsweise noch zahlreich)

13. Gemeine Heidelibelle – Sympetrum vulgatum (Gebietsweise noch zahlreich)

14. Blutrote Heidelibelle – Sympetrum sanguineum (Gebietsweise noch zahlreich)

15. Schwarze Heidelibelle – Sympetrum danae (Gebietsweise noch zahlreich)

16. Gebänderte Heidelibelle – Sympetrum pedemontanum (vereinzelt noch vorhanden)

17. Sumpf-Heidelibelle – Sympetrum depressiusculum (Gebietsweise noch zahlreich)

18. Glänzende Smaragdlibelle – Somatochlora metallica (vereinzelt noch vorhanden)

19. Herbst-Mosaikjungfer – Aeshna mixta (Gebietsweise noch zahlreich)

20. Blaugrüne Mosaikjungfer – Aeshna cyanea (noch vorhanden)

21. Grüne Mosaikjungfer – Aeshna viridis (vereinzelt noch vorhanden)

22. Torf-Mosaikjungfer – Aeshna juncea (vereinzelt noch vorhanden)

23.  Hochmoor-Mosaikjungfer – Aeshna subarctica (vereinzelt noch vorhanden)

24. Braune Mosaikjungfer – Aeshna grandis (vereinzelt noch vorhanden)

25. Grüne Flussjungfer – Ophiogomphus cecilia (vereinzelt noch vorhanden)

26. Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus (vereinzelt noch vorhanden)

27. Zweigestreifte Quelljungfer – Cordulegaster boltonii (vereinzelt noch an Quellbächen vorhanden)

Da staunen Sie sicherlich was doch noch für eine Menge verschiedener Arten auf den Flügeln sind? Erst wenn die Nächte frostig werden, haben Libellen kaum eine Überlebenschance, bis auf die Winterlibellen, die sich in ihre Winterquartiere zurückziehen, sich gut vor Wind und Feind schützen.

Haben Sie noch eine hier nicht aufgeführte Libelle gesichtet? Ich freue mich auf Ihre Nachricht!

Viel Spaß bei Ihren Herbst-Ausflügen und weiterhin spannende Beobachtungen wünscht Ihnen

Andreas Thomas Hein