Libellentour im Norden Brandenburgs

Exkursionsbericht, Libellentour vom 14. Mai 2011

Hallo Natur- und Libellenfreunde,

heute möchte ich ein wenig von dem berichten, was wir am Wochenende, trotz des trüben, windigen Wetters für Libellenarten im Norden Brandenburgs finden konnte.  Am Samstag brachen mein regelmäßiger Exkursionsbegleiter und mittlerweile lieb gewonnenen Freund Bernd Cegielka und ich auf, um in der Uckermark Libellen zu kartieren. Unser Hauptinteresse galt den Moosjungfern, von denen wir in diesem Jahr bereits 4 von 5 in Deutschland vorkommenden Arten nachweisen konnten. Die 5. noch fehlende Östliche Moosjungfer dürfte jedoch in den nächsten Tagen als Larve das Wasser verlassen, sich zum letzten Mal häuten und somit das Brandenburger Moosjungfern Ensemble komplettieren.

Am Zielgewässer (See mit Schwimmblattvegetation) gegen 8:00 Uhr angekommen, konnten wir erfreulicher Weise direkt eine frisch geschlüpfte Dame namens Zierliche Moosjungfer am Uferrand, in der noch recht kargen Vegetation finden. An nahezu jedem Halm hing mindestens eine Exuvie, meist von Falkenlibellen, den Vierflecken, der Frühen Schilfjäger und allerhand Kleinlibellen, wie die der Großen Pechlibellen, Hufeisen-Azurjungfern, Fledermaus-Azurjungfern und der Großen Granataugen. Leucorrhinia caudalis Weibchen

Dann fielen uns einige Keilfleck-Mosaikjungfer auf, deren Flügel und Abdomen teilweise stark beschädigt waren. Die Tiere waren offensichtlich am Vortag geschlüpft und bei dem kühlen Wetter nicht rechtzeitig fertig geworden, bevor in der Nacht ein heftiges Unwetter über das Gebiet zog. Wir zählten insgesamt 7 völlig deformierte Individuen dieser in vielen Bundesländern doch eher seltenen Art. Mittlerweile war eine Stunde vergangen und wir hatten nunmehr 6 frische Imagines der Zierlichen Moosjungfer finden können. Wir mussten jeden Schritt mit äußerster Vorsicht tätigen, da nun langsam überall um uns herum verschiedene Larven einen Halm hinauf aus dem Wasser kletterten. Sowohl Kleinlibellen als auch Großlibellen Epitheca bimaculata mit Exuvie in einer so großen Zahl, wie wir es selbst bisher noch nicht erlebt haben. Links neben mir eine Larve vom Zweifleck, rechts neben mir eine Larve von der Zierlichen Moosjungfer, vor mir einen Larve der Kleinen Königslibelle Anax parthenope Schlupf , von den immer noch massig schlüpfenden Vierflecken, Falkenlibellen und oben genannten Kleinlibellenarten ganz zu schweigen. Leider ließ die Sonne sich kaum blicken, so dauerten die Schlupfvorgänge sehr lange an und das Licht war auch leider zu miserabel um meinem Anspruch entsprechend, gute Aufnahmen machen zu können. So blieb es dann bis 12:00 Uhr mittags nur bei zahlreichen Belegfotos. Schließlich packten wir unsere Sachen zusammen und besuchten einen Feldsoll in nur wenigen Kilometern Entfernung.

Dort angekommen trauten wir unseren Augen kaum. Für uns ist es nicht mehr ungewöhnlich tausende von Kleinlibellen an einem Biotop vorzufinden. Hier jedoch standen wir vor einem relativ kleinen Loch, welches uns die Eiszeit hinterlassen hat. Bei jedem Schritt flogen mindestens 30 Kleinlibellen aus dem Gras oder dem Schilf auf. Ohne zu übertreiben konnten wir mehrere tausend Hufeisen-Azurjungfern, ca. 1000 Fledermaus-Azurjungfern, mindestens 500 Große Pechlibellen, ebenso viele Große Granataugen und ein paar frisch geschlüpfte Federlibellen beobachten.

Das Highlight allerdings war der Fund von 16 Männchen und einem Weibchen der Mond-Azurjungfer Coenagrion lunulatum_male Für uns die erste Begegnung mit dieser stark gefährdeten Kleinlibellenart, von der es in Deutschland nur wenige Fundorte gibt.

Insgesamt ein Tag, an dem wir uns wenig Hoffnung machten, besondere Beobachtungen machen zu können. Ganz nebenbei sprang direkt vor uns ein kapitaler Rothirsch aus dem Schilf, der uns zutiefst beeindruckte und eine kurze Begegnung mit einem Laubfrosch möchte ich nicht unerwähnt lassen.

Ich hoffe ihr habt nun ein wenig Lust darauf bekommen, eventuell einmal Natur pur zu genießen und Urlaub in Brandenburg zu machen.

 

Mit den besten Grüßen Andreas Th. Hein

edit: bereits 2 Tage später konnten wir die ersten Östliche Moosjungfern finden, womit nun alle 5 in Mitteleuropa vorkommenden Arten der Moosjungfern geschlüpft sind. Leucorrhinia albifrons Weibchen