Libelle im Flug

Tipps zur Libellen-Fotografie für Einsteiger

Flugaufnahmen von Libellen, eine der größeren fotografischen Herausforderungen

Ein herzliches Hallo an alle fotografierenden Libellenfreunde,

zu den mir am häufigsten gestellten Fragen in Bezug auf meine bei LibellenWissen.de gezeigten Fotos, zählt die Frage nach meinem workflow zu meinen Fotos fliegender Libellen. Es ehrt mich sehr, dass dabei oftmals um Profi-Tipps gebeten wird. Ich halte mich selbst allerdings noch lange nicht für einen Profi, auch ich produziere mehr Fotos für den kleinen Eimer mit dem Deckel drauf, als es mir lieb ist. Fotos von fliegenden Libellen zählen nicht zu meinen Stärken, das liegt oftmals daran, dass mir die nötige Ausdauer fehlt und ich stets befürchte beim Blick durch den Sucher meiner Kamera viele sich um mich herum abspielende Situationen zu verpassen.

Dennoch gelingt es mir hin und wieder bei einer mir sich bietenden Gelegenheit, ein scharfes Foto einer fliegende Libelle auf den Chip zu bekommen, ohne dafür stundenlang 100te von Versuchen zu unternehmen.

Dabei hilft mir in erster Linie meine Artenkenntnis. Wer bereits länger Libellen beobachtet, dem wird schon aufgefallen sein, dass die unterschiedlichen Libellenarten teilweise ihren eigenen Flugstil haben. Es gibt Arten die viel hektischer als andere Arten umherfliegen und dann eben die etwas ruhigeren, oftmals in der Luft stehend verweilenden Arten. Wer genauer hinschaut wird schnell erkennen, dass nur Männchen am Gewässer patrouillieren und die Weibchen, wenn schon fliegend dann nur immer ganz kurz in der Luft beobachtet werden können.

Widmen wir uns also den im Flugverhalten etwas gemäßigter fliegenden Libellenarten zu, nämlich den Edellibellen (Mosaikjungfern und Königslibellen), sowie den Falkenlibellen. Die Arten der Familie Aeshnidae besetzen gern Reviere, die sie gegen Eindringlinge verteidigen. Dabei geht es dann oft sehr hektisch zu, aber sie kehren sehr häufig zur Ausgangsposition zurück.

Also suche ich mir am Gewässer einen Platz aus, an dem eine Libelle immer wieder vorbei kommt, bestenfalls gar etwas länger in der Luft stehend verweilt. Dabei ist unbedingt auch auf den Sonnenstand zu achten, denn im Gegenlicht

wird die Libelle ansonsten nur schwarz als eine Art Scherenschnitt erkennbar sein. Meine für einen Geschmack gelungensten Flugaufnahmen entstanden meist am frühen Vormittag, wobei ich stets darauf geachtet habe, dass das Licht von der Seite kommt. Also auch nicht von hinten. Viele werden sich nun fragen warum. Die Antwort ist recht einfach, steht die Sonne hinter mir, riskiere ich dabei meinen eigenen Schatten mit im Foto zu haben, außerdem bekomme ich heftige Reflexionen des Sonnenlichts auf der Libelle, insbesondere auf den Augen und den Flügeln. Diese Reflexionen werden bei seitlichen Sonnenlicht in den meisten Fällen geringer ausfallen.

Bin ich dann der Meinung die richtige Position gefunden zu haben, fokussiere ich auf ein sich meinen Vorausrechnungen nach bestimmten Bereich, bestenfalls stehen dort Pflanzen wie Röhricht oder Seggen etc. und löse einmal aus um die Belichtung zu überprüfen.

Erscheint mir die Pflanze zu hell, dann etwas unterbelichten, was in der Regel erforderlich ist. Je nach Rauschverhalten der Kamera sollte die Iso so erhöht werden, jedoch nicht die höchste Stufe, da die meisten Kameras dann ein hässliches Rauschverhalten an den Tag legen, das heißt das Foto wird später etwas kontrastarm und verrauscht sein. Wir wollen schließlich ein optimales Bildergebnis. Ich arbeite meist mit einer alten Canon 20 D und gehe mit der ISO niemals höher als auf 800. Die Lichtmessung stelle ich auf Spotmessung, die Blende auf f 4 bis f 5,6, bei besonders gutem Licht schon mal höher bis auf f 7,1, bei weniger gutem Licht auch schon mal mit offener Blende, was bei mir mit meinem Sigma-Macrobjektiv dann f 2,8 bedeutet. Ich achte dabei darauf eine Verschlusszeit von über 1/500 sec., jedoch unter 1/2000 sec. zu bekommen. Meine besten Ergebnisse entstanden mit Verschlusszeiten von 1/800 sec. bis 1/1200 sec. Am besten eignet sich für Flugaufnahmen die Spotmessung. Ich fotografiere fast immer vom Stativ aus und versuche stets mit den Tieren auf Augenhöhe zu sein. Für den Anfang empfehle ich die Serienbildfunktion einzuschalten. Den Autofokus schalte ich aus, das kann aber jeder für sich anders handhaben. Die Geschwindigkeit vom Autofokus spielt dabei eine große Rolle. Mein Autofokus erscheint mir zu langsam, daher Autofokus auf „off“. Ich fokussiere in etwa auf den Bereich vor, wo die Libelle meiner Ansicht nach immer wieder erscheint, fokussiere dann entsprechend nach und drücke ab. Vermeidet hektische Bewegungen, lasst also die Hand am Fokussierring und reisst sie nicht ständig bei Bedarf hoch, das könnte die Libelle verschrecken und sie sucht sich einen anderen Platz.

Versucht zum Anfang am besten Herbst-Mosaikjungfern aufzuspüren, diese fliegen zwar erst recht spät im Jahr (etwa Juli bis Oktober), eignen sich aber hervorragend als Motive für den Einsteiger. Das liegt ganz einfach amVerhalten der Männchen, die sich mit ihren Konkurrenten weniger heftig gegenseitig attackieren, wie das bei so vielen anderen Arten, wie z.B. den Königslibellen der Fall ist. Der Flug der Herbst-Mosaikjungfer ist recht ruhig, oftmals auf der Stelle verharrend, so bleibt genug Zeit um exakt scharf zu stellen und abzudrücken.

Natürlich lassen sich auch andere Arten sehr gut im Flug fotografieren, dabei sollte dann jeder für sich selbst abwägen können, wie weit die eigenen fotografischen Fähigkeiten mittlerweile vorhanden sind. Für den absoluten Neueinsteiger empfehle ich vorerst auf Flugaufnahmen zu verzichten und sich vorerst allgemein mit den vielen Einstellungsmöglichkeiten der Kamera vertraut zu machen.

Gleich zum Anfang ein Foto, so wie meines hier links zu sehen ist, von Aeshna affinis im Flug zu machen, könnte ansonsten schnell zu Frust führen und dir den Spaß an der Naturfotografie nehmen.

Zusammenfassung:

Standort mit seitlichem Licht wählen.

Stativ benutzen um Verwacklungen zu minimieren

Meine Tipps zur Kameraeinstellung:

Iso und Blende so wählen, dass eine Verschlußzeit von ca. 1/800 sec. erreicht wird. Beste Erfahrungen habe ich mit Blende f 4  und f 5,6 gemacht.

Beispiel: leicht bedeckter Himmel am Vormittag, Location Waldsee. Kamera Modus auf AV (automatische Verschlusszeit), Iso 800, Blende f 4, Spotmessung, manueller Fokus, Verschlusszeit 1/800 sec. Gleiche Situation bei Sonnenschein, etwas Iso 200  bei Blende 5,6 = 1/800 sec.

Das sind nur Beispiele, die je nach Licht, Kameramodell und Brennweite völlig unterschiedlich ausfallen!

Übrigens habe ich kürzlich schon ein paar weitere Zeilen über meine Art der Makro-Fotografie geschrieben.

So, nun wünsche ich euch viel Spaß. Habt ihr einen groben Fehler entdeckt oder habe ich mich an einer Stelle nicht verständlich genug ausgedrückt, dann würde ich mich über deine e-Mail sehr freuen.

Euer Andreas Thomas Hein (LibellenWissen.de)