Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus

Die Kleine Zangenlibelle im Profil

engl: Small Pincertail or Green-eyed Hooktail

Wissenschaftlicher Name: Onychogomphus forcipatus (Linnaeus, 1758)

Gattung: Onychogomphus Selys, 1854 – Zangenlibellen
Familie: Gomphidae – Flussjungfern

Überfamilie: Aeshnoidea – Edellibellenartige
Unterordnung: Anisoptera – Großlibellen
Ordnung: Odonata – Libellen

Onychogomphus forcipatusOnychogomphus forcipatus - femle / by Dieter Goebel-Berggold
Onychogomphus forcipatus Männchen          Onychogomphus forcipatus Weibchen*

*In Gedenken an Dieter Goebel-Berggold (RIP 2013), einem lieben Fotofreund, dessen beiden Aufnahmen vom Onychogomphus forcipatus Weibchen auf LibellenWissen.de in Ehren gehalten werden. Mein Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

Wissenswertes:
Die Kleine Zangenlibelle ist die am weitesten verbreitete Art ihrer Gattung, Onychogomphus Selys, 1854 (Zangenlibellen). Onychogomphus forcipatus variiert von den Farben und der Hinterleibsanhänge stark. So wurde die Kleine Zangenlibelle aus verschiedenen Regionen Nordafrikas, Kleinasien und Europa zunächst in 7 verschiedene Unterarten (Subspecies) unterteilt, bzw. beschrieben, von denen nach zahlreichen Untersuchungen seit 1990 (Boudot et al.) noch 3 Unterarten übrig blieben:

Onychogomphus forcipatus forcipatus (Linnaeus, 1758) als Nominatform (nominotypisches Taxon), die in diesem Artprofil umschrieben wird: Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von der Atlantikküste Frankreichs bis nach West-Sibirien. Die nördliche Grenze bilden Finnland und Nordschweden.

Onychogomphus forcipatus albotibialis Schmidt, 1954: Kleinasien, Türkische Ägäis, Griechische Inseln, Zypern bis nach Georgien.

Onychogomphus forcipatus unguiculatus (Van Der Linden, 1825): West-mediterran verbreitet, gesamtes Mahgreb, Iberische Halbinsel, Italien von wo aus sie die Schweiz bisher nur im Tessin erreicht, Vorkommen in Frankreich beschränken sich auf die Mittelmeerküste, jedoch dringt die Art entlang des Tals der Rhône und in den Cèvennes weiter nach Norden vor. 

Die Männchen aller 3 Unterarten lassen sich fast ausschließlich nur an der Form der unteren Hinterleibsanhänge voneinander unterscheiden. Eindeutige Unterscheidungsmerkmale der Weibchen gibt es im Grunde genommen nicht. Am einfachsten sollte die Bestimmung  über die geografischen Verbreitungsgrenzen gelingen, ob diese sich jedoch im Zuge der Erderwärmung verschieben? Eine interessante Diskussion dazu, können Sie bei Libellenfunde.de nachlesen.

Merkmale:
Die Gattung Zangenlibellen (Onychogomphus) unterscheidet sich von den Flussjungfern und Keiljungfern durch ihre nicht parallelrandigen, dickeren schwarzen Bruststreifen. Außerdem sind bei Zangenlibellen-Männchen die oberen Hinterleibsanhänge meist doppelt so lang als das 10. Segment.

Die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus forcipatus erreicht eine Körperlänge von 46 mm bis zu 50 mm und eine Flügelspannweite von 50 mm bis 70 mm. Es handelt sich um eine mittelgroße, meist schwarz-gelbe Libelle, mit grünen Augen. Im Norden sind die gelben Farbanteile der Kleinen Zangenlibelle dunkler, eher grünlich-grau als das im Süden der Fall ist, auch die Augen können ins Graue oder Blaue übergehen.
Unterscheidung O. uncatus (Große Zangenlibelle) und O. forcipatus (Kleine Zangenlibelle): Die Hinterleibsanhänge von O. uncatus sind zitronengelb, während die von O. forcipatus zunächst gelbbraun und später noch dunkler sind.
Die Kleine Zangenlibelle trägt zwischen den Augen einen Fleck und einen Streifen, während die Große Zangenlibelle dort nur einen Fleck besitzt.

Bevorzugter Lebensraum:
Fließgewässer mit guter Wasserqualität und unterschiedlich starker Strömung: naturnahe Flüsse, optimaler weise mit Inseln aus Kies, Bäche mit flachen Ufern.

In Brandenburg besiedelt die Kleine Zangenlibelle auch saubere Seen mit sandigem Grund. Am 1. Juli 2012 konnte ich ein Weibchen bei der Metamorphose beobachten, das mitten auf dem Wasser, in waagerechter Position schlüpfte. Mehr Infos mit einigen weiteren Fotos vom Schlupf auf dem Wasser, können Sie dem LibellenWissen-Blog entnehmen.

Fotos eines schlüpfenden Männchens in senkrechter Position können Sie hier in diesem Steckbrief weiter unten betrachten.

Flugzeit:
Mai bis August.

Rote Liste Deutschland: RL V = Art der Vorwarnliste
Rote Liste Österreich: VU = verletzlich
Rote Liste Schweiz: NT = potenziell gefährdet

Besonderheiten:
Kleine Zangenlibelle-Männchen sitzen meist mit erhobenem Abdomen auf Steinen, wo sie auf paarungswillige Weibchen warten. Andere Männchen werden im Revier nicht geduldet und werden vertrieben. Der Hinterleib der Männchen ist deutlich erweitert und bildet deutliche Zangen aus, welche namensgebend waren.

Weitere Fotos von Onychogomphus forcipatus: 

Onychogomphus forcipatus maleOnychogomphus forcipatus - female-juvenil / by Dieter Goebel-Berggold

Onychogomphus forcipatus - maleOnychogomphus forcipatus - female- immature 3

Fotos vom Schlupf eines O. forcipatus Männchens, senkrecht an Grashalmen

Onychogomphus forcipatus - larva 2 _img_54Onychogomphus forcipatus - larva 3 _img_554

Onychogomphus forcipatus - male, metamorphose 1Onychogomphus forcipatus - male, metamorphose 2

Onychogomphus forcipatus - male, metamorphose 3Onychogomphus forcipatus - male, metamorphose 4

Weitere Arten unserer heimischen Flussjungfern:

Gattung = Keiljungfern – Gomphus:

Gattung = Zangenlibellen – Onychogomphus:

Gattung = Flussjungfern – Ophiogomphus:

oder

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Suhling, F. & O. Müller (1996): Die Flussjungfern Europas – Gomphidae. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 628, Westarp-Wissenschaften, ISBN 3-89432-459-7

K. Sternberg, R. Buchwald (2000): Die Libellen Baden-Württembergs Bd. 2, Eugen Ulmer, ISBN 3-8001-3514-0

H. Bellmann (2007): Der Kosmos Libellenführer (Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen). Franckh-Kosmos, ISBN 978-3440106167