Paarung oder Eiablage…

…. vor der Paarung, nach der Paarung, Paarungsrad, Eiablage oder Tandem

 

Libellenpaare beobachten, analysieren, verstehen und erkennen lernen

Hallo Libellenfreunde,

sicherlich haben Sie schon einmal ein Paarungsrad, eine Eiablage oder einfach nur ein Tandem gesehen und sogar fotografieren können.

 Für einen Einsteiger in die Libellenkunde sind die vorgefundenen Situationen nicht immer so einfach und eindeutig zu interpretieren.

Im Internet, egal ob in Fotografie-Foren, Foto-Blogs oder ähnlichen Plattformen, lassen sich zahlreiche Makro-Aufnahmen von Libellen finden, bei denen weder der Fotograf noch die Betrachter eine festgehaltene Szenerie korrekt als Eiablage, Paarungsrad oder Tandem einordnen können.

Für Fotografen, welche ausschließlich am frühen Morgen fotografieren gehen, wo das Licht noch schön weich ist und die Libellen sich noch in der Kältestarre befinden somit nicht flugfähig sind, besteht kaum die Möglichkeit einmal ein Paarungsrad zu beobachten, geschweige noch zu fotografieren. Die paarungsbereiten Weibchen der meisten Arten treffen erst gegen Mittag am Gewässer ein. Lediglich nach warmen Sommernächten lassen sich Paarungsaktivitäten bereits am frühen Vormittag beobachten, schließlich sind Libellen „wechselwarm“, dementsprechend sind Libellen bei sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein aktiver, als an kühleren Tagen.

Für den Naturschutz ist es von Bedeutung, ob ein Tandem, eine Paarung oder Eiablage am Gewässer beobachtet werden konnte. Eine Eiablage ist ein Hinweis auf eine Reproduktion der jeweiligen Art. Ein Paarungsrad kann vom Prinzip her noch im Tandemflug das Gewässer zur Eiablage wechseln. Den sicheren Nachweis einer Reproduktion hat man aber erst bei der Beobachtung einer schlüpfenden Libelle, dem Fund einer Exuvie oder Larve.

Hier nun einige Fotos, mit denen ich hoffe Ihnen die unterschiedlichen Situationen verdeutlichen zu können. Bilder sagen ja oftmals mehr als Worte.

Das Paarungsrad: 

Die eigentliche Paarung der Libellen erfolgt stets im Paarungsrad. Die Bildung des Paarungsrads ist in der Natur einmalig und braucht in diesem Artikel nicht weiter erklärt werden, da dieses Schauspiel im Grunde immer schnell und korrekt erkannt wird.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, welche Faszination meine erste Beobachtung eines Paarungsrads auf mich hatte und mir bis heute nichts davon verloren ging. Ein gutes Foto von einem Paarungsrad zu bekommen gleicht in etwa dem Schwierigkeitsgrad eine fliegenden Libelle von vorn bis hinten scharf abzubilden.

Das Tandem: Das Weibchen wird vom Männchen an der Hinterbrust festgehalten. (Tandem = wenn 2 Libellen aneinander hängen)


vor der Paarung/nach der Paarung:

Ob ein Pärchen vor oder nach der Paarung gesichtet wird, lässt sich nur selten sicher sagen. 

 

Hier allerdings scheint es sich eindeutig um ein Tandem nach der Paarung zu handeln. Dafür spricht der ausgefahrene Kopulationsapparat des Männchens, unterhalb des 2. Abdominalsegments.

 

Die Eiablage: das Weibchen krümmt den Hinterleib und sticht mit dem Legebohrer Eier in verschiedene Substrate.

Weibchen ohne Begleitung des Männchens

Weibchen in Begleitung des Männchens 

Weibchen in Begleitung des Männchens, an Pflanzen (hier Binsen)

Bei einigen Arten werfen die Weibchen ihre Eier im Flug, entweder ins Wasser oder in ausgetrocknete Bereiche in Ufernähe.

Weibchen ohne Begleitung des Männchens im Flug 

Eiablage in Begleitung des Männchens im Tandemflug.

 

Es gibt allerdings auch Situationen zu beobachten, welche auf den ersten Blick ganz eindeutig zu sein scheinen, sich dann aber bei genauerer Betrachtung völlig anders darstellen.

Das Foto unten entstand an einem Nachmittag im September 2011. Eine Eiablage ? Nein, der Schein trügt. Es handelt sich um ein ins Wasser gefallenes Männchen, welches Mühe hatte sich aus dem Wasser zu erheben.

Diese Aufnahme habe ich als Winterrätsel in der fc in meinem LibellenWissen Account hochgeladen und stellte dazu folgende Frage:

Was habe ich hier dokumentiert? Welche Libelle macht hier was?   

Es stimmte mich sehr fröhlich, dass in unglaublich kurzer Zeit mehrere Fotografen erkannten, dass es sich um ein Libellen-Männchen handelt und nicht wie man auf den ersten Blick denken könnte, um die Eiablage einer weiblichen Libelle.

Am schnellsten wurde die Situation von Alexander Römisch korrekt erkannt, was mich ganz besonders freut. Alexander ist einer meiner Fotofreunde der ersten Stunde und ein regelmäßiger LibellenWissen Besucher, noch dazu ein äußerst guter, vielseitiger, kreativer und interessanter Hobby-Fotograf. Eine kleine Auswahl seiner Aufnahmen können Sie in seinem Album betrachten.Viel Vergnügen

Ich freue mich stets über Kritik, Verbesserungsvorschläge oder weitere Anregungen. Senden Sie mir eine kurze Mail und ich versuche mich zeitnah um Ihr Anliegen zu kümmern.

Vielen Dank für Ihren Besuch auf LibellenWissen.de,

Ihr/euer Andreas Thomas Hein