Archive for the ‘Dokumentation’ Category

April 2013, die Rückkehr der Winterlibellen

Donnerstag, April 18th, 2013

Das Warten auf den Beginn der Libellensaison 2013 ist beendet

 

Winter ade oder alle Jahre wieder

 

Libellen im April 2013, Winterlibellen und Frühe Adonislibellen ……

 

Hallo meine lieben Libellenfreundinnen und Libellenfreunde,

Pyrrhosoma nymphula - young male wie in den vergangenen Jahren werde ich euch auch im Frühjahr 2013 über die in den Monaten April und Mai, dann bereits schlüpfenden Libellen-Arten informieren. Dazu hoffe ich natürlich wieder auf eure rege Beteiligung. Bitte meldet mir per Mail die Libellenarten, welche ihr in diesem Jahr erstmalig beobachten konntet und hier weiter unten in diesem Artikels noch nicht aufgelistet sind. Schaut bitte immer wieder mal vorbei, der Beitrag wird von April bis Mai 2013 ständig aktualisiert.

Rana arvalis  male _img_3100 Den frisch hinzu gewonnenen Libellenfreund(inn)en möchte ich nicht vorenthalten, dass es tatsächlich Libellen gibt, die nicht, wie bei allen anderen Libellen-Gattungen sonst üblich, als Ei oder Larve überwintern. Die Winterlibellen schlüpfen bereits im Juli/August des Vorjahres und beziehen als flügfähiges Insekt während des Winters, oftmals mehrere Kilometer vom Schlupfgewässer entfernt, vom Wind geschützte Quartiere. In Mitteleuropa haben wir es mit 2 Winterlibellen-Arten der Gattung Sympecma (Winterlibelle), aus der Familie der Teichjungfern (Lestidae) zu tun, die da wären die Gemeine Winterlibelle und die sehr seltene Sibirische Winterlibelle.

In diesem Jahr sind die Libellen aufgrund des langen Winters etwas später dran, als das seit Libellenwissen.de online gegangen ist, der Fall war (2011 und 2012). Nein, das stimmt so nicht ganz. Sympecma fusca - male - April 2013 Die ersten Winterlibellen wurden an einigen Gewässern beispielsweise in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bereits in der ersten Märzwoche beobachtet. Könnt ihr euch daran erinnern, dass es Anfang März schon langsam nach Frühling aussah? Neben den Winterlibellen waren auch die ersten Bienen und Schmetterlinge wieder unterwegs, bevor der Winter sage und schreibe 6 Wochen lang seine Fortsetzung fand.

Seit dem 13. April 2013 erreichen mich nun Nachrichten aus fast allen Teilen Deutschlands, dass die Winterlibellen sich an den Teichen, Weihern, Mooren und sonstige für die Art typischen Fortpflanzungsgewässer eingefunden haben. So wurde auch ich am Sonntag im Brandenburgischen Teltow-Fläming fündig.  Nach einem überstandenen, recht hartnäckigen grippalem Infekt und trotz akuter Rückenbeschwerden ließ ich mich nicht davon abbringen, gemeinsam mit meinem Exkursionskumpamen Bernd Cegielka, raus aus Berlin in die Natur Brandenburgs zu fahren.

Rana arvalis 4 male waiting Neben dem Auffinden von ca. 30, hauptsächlich männlichen Winterlibellen, galt unser Interesse auch den Amphibien. Insbesondere wollten wir schauen ob die Moorfrösche bereits blau angelaufen sind. Wir trauten unseren Augen kaum, dass wir mehr Moorfrösche als Erdkröten und Grasfrösche zusammen gerechnet, erst hören und letztendlich auch sehen konnten.

 

 

Bufo bufo Pärchen auf dem Weg zum Laichgewässerrana arvalis - male - 3090

 

Bei fast jedem Schritt durch das knietiefe Wasser flogen ein paar frisch geschlüpfte Schlammfliegen auf, die für mich stets als Vorboten der Emergenz verschiedener Arten an Frühjahrs-Libellen sind.

Nymphalis antiopa - 3204 Ganz offensichtlich nutzen aber auch mindestens 2 Kranich-Pärchen und ein Rohrweihen-Pärchen das Gebiet als Brutrevier, so zogen wir uns ganz schnell aber vorsichtig,still und leise wieder zurück, ohne uns ernsthaft um besonders schöne Fotos zu bemühen. Nun gut, einige dokumentarische Aufnahmen haben wir dabei schon schießen können wie ihr hier seht. Zu meiner großen Überraschung auch diese Draufsicht von einen ganz besonders schönen, leider auch selten gewordenen Falter, dem Trauermantel. Es flogen neben her auch reichlich Zitronenfalter, C-Falter und sogar einige Tagpfauenaugen.

Bereits geschlüpfte Libellenarten 2013, zuletzt aktualisiert am 21.05.2013 um 03:49 Uhr.

 

Brachytron pratense - male Aus Baden-Württemberg (ohne Beleg aber glaubwürdig) und NRW (mit Fotobeleg) wurden mir am 18.4.2013 die ersten frisch geschlüpften Adonislibellen (Pyrrhosoma nymphula) gemeldet. Genau wie im Jahr 2012 war es mein Foto-Kumpel, Dr. Thomas Frankenhauser aus Düsseldorf, dem in der Nähe seines kleinen Gartenteichs die Beobachtung der ersten frisch geschlüpften Libelle der neuen Saisons gelang. Somit genau 1 Woche später (11.04.2012) als im Vorjahr und knapp 2 Wochen später (06.04.2011) als vor 2 Jahren.

1) Pyrrhosoma nymphula – Frühe Adonislibelle - 18.4.2013 in Nordrhein-Westfalen (06.04.2011/11.04.2012)

2) Ischnura elegans – Große Pechlibelle   - 21.4.2013  in Brandenburg (02.04.2011 /11. 04. 2012)

3 ) Cordulia aenea – Falkenlibelle - 26.4.2013 in Nordrhein-Westfalen + Bayern (11.04.2011 /24. 04. 2012)

4) Leucorrhinia rubicunda – Nordische Moosjungfer - 26.4.2013 in Bayern (11.04.2011 /20. 04. 2012)

5) Libellula quadrimaculata – Vierfleck - 26.4.2013 in Bayern (17.04.2011 /28. 04. 2012)

6) Coenagrion puella – Hufeisen-Azurjungfer - 01.05.2013 in Brandenburg (10.04.2011 /27.04.2012)

7) Enallagma cyathigerum – Gemeine Becherjungfer - 01.05.2013 in Hessen und in Niedersachsen (19.04.2011 / 27.04.2012)

8) Libellula depressa – Plattbauch - 01.05.2013, Ilse Rehn (Burgenland/Austria)  konnte ein bereits voll ausgefärbtes Männchen fotografieren. (18.04.2011 / 30.04.2012)

9) Coenagrion hastulatum – Speer-Azurjungfer - 01.05.2013 in NRW (24.04.2011 / 27.04.2012

10) Coenagrion lunulatum – Mond-Azurjungfer - 01.05.2013 in NRW (25.04.2011 / 28.04.2012)

11) Ischnura pumlio – Kleine Pechlibelle - 01.05.2013 im Kanton Aargau / Suisse (16.04.2011 /02.05.2012)

12) Gomphus vulgatissimus – Gemeine Keiljungfer - 02.05.2013 in NRW (18.04.2011 /26.04.2012)

13) Brachytron pratense – Früher Schilfjäger - 04.05.2013 in Brandenburg (10.04.2011 / 20.04.2012)

14) Coenagrion pulchellum – Fledermaus-Azurjungfer - 04.05.2013 in Brandenburg (21.04.2011 / 27.04.2012)

15) Libellula fulva – Spitzenfleck - 04.05.2013 in Brandenburg (06.04.2011 / 27.04.2012)

16) Erythromma najas – Großes Granatauge  – 05.05.2013 in Baden Württemberg (25.04.2011 /30.4.2012)

17) Leucorrhinia dubia – Kleine Moosjungfer - 05.05.2013 in Bayern (30.04.2011 / 30.04.2012)

18) Platycnemis pennipes – Blaue Federlibelle - 07.05.2013 in Brandenburg (11.04.2011 / 28.04.2012)

19) Leucorrhinia pectoralis – Große Moosjungfer - 08.05.2013 in Brandenburg (29.4.2011 / 30.04.2012)

20) Gomphus pulchellus – Westliche Keiljungfer - 08.05.2013 in Bayern (28.04.2011 / 03.05.2012)

21) Calopteryx splendens – Gebänderte Prachtlibelle - 09.05.2013 in Bayern (11.04.2011 / 29.04.2012)

22) Orthetrum cancellatum – Großer Blaupfeil - 09.05.2013 in Hessen (28.04.2011 / 04.05.2012)

23) Coenagrion armatum – Hauben-Azurjungfer - 10.05.2013 in Schleswig-Holstein ( ? ? 2011/ 03.05.2012)

24) Epitheca bimaculata – Zweifleck - 08.05.2013 in Brandenburg (25.04.2011 / 03.05.2012)

Epitheca bimaculata - female_img_3550

25) Leucorrhinia caudalis – Zierliche Moosjungfer - 11.05.2013 in Brandenburg  und erfreulicherweise am 14.05.2013 in Niedersachsen (08.05.2011 / 09.05.2012)

26)  Aeshna isoceles – Keilfleck-Mosaikjungfer - 14.05.2013 in Brandenburg (06.05.2011 / 30.04.2012)

27) Anax imperator – Große Königslibelle - 14.05.2013 in Hessen (30.04.2011 / 07.05.2012)

28) Anax parthenope – Kleine Königslibelle - 15.05.2013 in Brandenburg (13.05.2011 / 20.05.2012)

29)  Crocothemis erythraea – Feuerlibelle - 19.05.2013 in Brandenburg (07.05.2011 / 09.04.2012)

30) Aeshna grandis – Braune Mosaikjungfer – 19.052013 in Brandenburg (keine Meldung aus den Vorjahren)

31) Calopteryx virgo – Blauflügel-Prachtlibelle 19.05.2013 in Schleswig-Holstein (19.04.2011 / 29.04.2012)

 

Cordulia aenea - female - emergenz

Mittlerweile erreichen mich Mails aus fast allen Teilen Deutschlands, in denen mir von den ersten Beobachtungen schlüpfender Libellen berichtet wird.

Auf geht es Leute, die Makro-Saison 2013 ist endlich eröffnet.

Rana arvalis - Copula - 3124Rana arvalis_img_3113

Ich wünsche allen eine erfolgreiche Makro-, Libellen-Saison 2013

Herzlichst euer Andreas

 

 

Speer-Azurjungfer, die Libelle des Jahres 2013

Freitag, Januar 4th, 2013

Die Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum), ein Verlierer wurde Sieger.

 

Die stark bedrohte Schlanklibelle, Speer-Azurjungfer, machte im Jahr 2013 das Rennen

Sicherlich haben einige von euch, genau wie ich selbst schon mit Spannung darauf gewartet, welche Libelle wohl die Libelle des Jahres 2013 werden wird. Seit 2011, also erst zum 3. Mal wurde gemeinsam von Vertretern des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und Vertretern der GdO (Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen) eine Libellenart zur Libelle des Jahres gewählt. Coenagrion hastulatum - kopula Die Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum) wurde aus völlig anderen, leider traurigeren Gründen ernannt, als dass bei der Libelle des Vorjahres, der Blaugrünen Mosaikjungfer (Aeshna cyanea), der Fall war.

Ich möchte gern unsere, im Jahr 2012 mit dem Ehren-Naturschutzpreis ausgezeichnete, ehemalige Umweltministerin und Libellenexpertin Heidrun Heidecke vom BUND aus der Pressemitteilung vom 3.1.2012 zitieren, da man es besser kaum auf den Punkt bringen kann:  ”Mit der Wahl der Speer-Azurjungfer zur Libelle des Jahres wollen wir auf die schwieriger werdenden Lebensbedingungen für diese Insekten aufmerksam machen. Jahr für Jahr gibt es immer weniger dieser wunderschön schillernden Libellen in Deutschland. Mancherorts ist die Speer-Azurjungfer bereits ganz verschwunden”.

Aus meiner persönlichen Sichtweise bin ich mit der Entscheidung voll und ganz zufrieden und hätte ihr wohl auch meine Stimme gegeben, obwohl ich ganz ehrlich gesagt  fest mit der Wahl einer unserer 5 Arten der Moosjungfern gerechnet habe. Coenagrion hastulatum Tandem Mit dem Hintergrund, dass die Speer-Azurjungfer, in der im Jahr 2013 neu erscheinenden Roten Liste von RL3 = gefährdet, auf RL2= stark gefährdet herabgestuft wurde, steht die Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum) stellvertretend für die Bedrohung der gesamten Insektenordnung Odonata (Libellen), bzw. dem Verlust ihrer Lebensräume, an welche die unterschiedlichen Libellenarten stark gebunden sind.

So ist die Speer-Azurjungfer in erster Linie ein Bewohner nährstoffarmer Gewässer wie Hochmoore, Übergangsmoore, seltener auch Flachmoore und extensiv genutzte Teiche. Wichtig dabei ist vor allem eine üppig vorhandene Vegetation in den Uferbereichen und eine gute Wasserqualität. Coenagrion hastulatum benötigt unbedingt sauberes Wasser, reagiert sehr empfindlich auf Verunreinigungen jeder Art. Eben genau darin sind die hauptsächlichen Ursachen der zunehmenden Gefährdung der Speer-Azurjungfer, aber auch vieler anderen Arten zu finden. Durch intensive Nutzung der umliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen, insbesondere der Düngung (Überdündung, Spritzen von Pestiziden und Anbau von Gen-manipulierten Mais etc. ganz zu schweigen) kommt es zur Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) in den Gewässern, die den vermehrten Wachstum schädlicher Pfllanzen wie z.B. Algen zur Folge haben. Ein weiterer Grund ist die intensive Nutzung der Gewässer. Coenagrion hastulatum Tandem 2 Dabei wirkt sich nicht nur das Einsetzen von Fischen von Fischerei-Betrieben und der Anglerverbände negativ aus, nein, auch  ist es die aus der Nutzung resultierende Veränderung (Zerstörung) der Ufer, teilweise sogar vollständige Entfernung der Ufervegetation, die den wenig wehrhaften Libellenlarven Schutz vor ihren Fressfeinden bietet. Hinzu kommen noch ein paar wesentliche Gründe, die für die Gefährdung fast aller Libellenarten eine große Rolle spielen, nämlich der Verlust ganzer Lebensräume durch Austrocknung oder Trockenlegung der Gewässer sowie klimatischer Veränderungen (Klimawandel).

Die Speer-Azurjungfer ist mit einer Körperlänge von max. 33 mm und einer Flügelspannweite von max. 45 mm eine der kleinsten Azurjungfern unserer Heimat. Coenagrion hastulatum Für ihrem deutschen Namen ist die Zeichnung auf dem 2. Hinterleibssegment der Männchen verantwortlich. Mit etwas Phantasie erkennt man eine schwarze Speerspitze/Lanze auf der grünlich-hellblauen Grundfarbe.  Bei einem Blick auf das 3 Hinterleibssegment braucht man weitaus weniger Phantasie, um die dort befindliche schwarze, spitz zulaufende Zeichnung, als Speer zu erkennen. Die Weibchen ähneln den anderen Azurjungfern sehr und sind fast nur durch einen Blick auf den Hinterrand der Vorderbrust bestimmbar. Nähere Informationen findet ihr im Artprofil von Coenagrion hastulatum. Über die Paarung und der etwas außergewöhnlichen Eiablage habe ich bereits in meinem Blog berichtet und verzichte daher in diesem Artikel darauf nochmals näher auf dieses, für mich faszinierende Schauspiel einzugehen. Schließlich möchte ich euch auch nicht langweilen, verweise aber gern auf die entsprechenden Beiträge zum Thema “Fortpflanzung”

Die Speer-Azurjungfer zählt sicherlich zu den weniger bekannten Libellen unserer Heimat und eignet sich auch gerade deshalb bestens darauf aufmerksam zu machen, wie es um die Vielfalt der Arten und ihre Bedrohung bestellt ist.

Seit 2011 wird die „Libelle des Jahres“ von der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO – Verein für Libellenkundler) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) ausgewählt, um auf die Vielfalt und Schönheit der heimischen Libellenfauna und ihre Bedrohung aufmerksam zu machen. Von den 81 heimischen Libellenarten finden sich 48 Arten auf der aktuell noch gültigen Roten Liste gefährdeter Libellen.

 

Die Libelle des Jahres 2011 war die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea)

Die Libelle des Jahres 2012 war die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)

 

Du hast eine Frage oder einen Verbesserungsvorschlag? Dann schreibe mir bitte eine kurze Nachricht.

Andreas Thomas Hein  / LibellenWissen.de

 

Libellen am Morgen mit Tautropfen

Sonntag, September 9th, 2012

Libellen am Schlafplatz finden

(Teil 1/2)

Wo schlafen Libellen bzw. wo findet man eine mit Tau besetzte Libelle?

 

Was Sie schon immer über Libellen wissen wollten. (Frage Nr. 6)

 

Hallo Libellenfreund(in), hallo Makro-Fotograf(in)

gehörst du auch zu einem der nicht gerade wenigen, oftmals verdutzten, von Libellen faszinierten Makro-Fotografen, der sich die Frage stellt, wo man eine vor Kälte noch starre, bestenfalls mit Morgentau besetzte Libelle findet?

Lestes sponsa - male - img_0793

Im Grunde genommen ist das meist eine Glücksache eine Libelle am Rand eines Gewässers zu finden. Bekanntlich kann man Glück nicht erzwingen, es sich aber erarbeiten. Wie ich bereits in meinem LibellenWissen.de Blog-Beitrag “Libellen im Flug” erwähnte braucht man für die Fotografie von Libellen bzw. für die Makro-Fotografie im Allgemeinen viel Geduld. Ferner ist es enorm hilfreich sich im Vorfeld ein wenig mit seinen Wunschmotiven zu beschäftigen und etwas über ihr Verhalten zu erfahren.

Unerfahrene Makro-Fotografen und Libellenfreunde suchen nur all zu oft direkt am Gewässer nach schlafenden Libellen und beklagen sich darüber, dass Ihre Suche  wieder einmal mehr erfolglos blieb. Gehörst du auch genau zu jener Gruppe von Fotografen, welche sich beim Anschauen der Libellenfotos anderer Fotografen stets fragen, wie die Anderen denn das machen?

Hier in meinem LibellenWissen-Blog möchte ich euch gerne einige Tipps mit auf den Weg geben, so dass sich eure Chancen, eine schlafende Libelle zu finden, erhöhen sollten.

Die meisten Arten der Großlibellen entfernen sich meist ein paar 100 Meter weit vom Gewässer und wählen Schlafplätze hoch oben im Schutz der Bäume. Eine Ausnahme machen dabei einige Arten der Segellibellen. welche man auch auf Feldern und Wiesen, bevorzugt in der Nähe von Waldrändern finden kann.

Libelle Kleinlibelle Pechlibelle Schlafplatz Odonata damselflies Kleinlibellen bleiben meist in der Nähe der Gewässer, verstecken sich tief unten zwischen Gräsern und Binsen. Kleinlibelle am Schlafplatz  Sie zu entdecken braucht ein wenig Übung, da sich Kleinlibellen größtenteils um ihren Ansitz herum drehen, sich so meist versuchen sich hinter einem Halm vor uns zu verstecken. Für uns bleiben dadurch lediglich die weit auseinander stehenden Augen, manchmal auch die den Halm umklammernden Beine sichtbar.

Kleinlibellen lassen sich auch gelegentlich einfach fallen, so wie man das in erster Linie von Käfern kennt.

Nach meinen eigenen Beobachtungen hängt sehr viel vom Wetter ab. Nach verregneten Tagen oder abendlichen Gewitter entfernen sich Libellen in der Regel weiter vom Gewässer weg, als das nach einem warmen und trockenen Sommerabend der Fall ist. Daher lohnt es sich eher weniger, unmittelbar nach einer Schlechtwetterperiode, früh am Morgen nach Libellen zu suchen. Ist das Wetter allerdings durchgehend schön und die Temperaturen sinken nachts nicht unter 16°C, bleiben Libellen die ganze Nacht über flugfähig, des weiteren hält sich Taubildung in Grenzen, weht dazu noch ein laues Lüftchen bleibt selbst die Wiese direkt am Gewässer fast vollständig trocken. Ergo beachtet vor geplanten Exkursionen unter anderem auch Wettervorhersage bezüglich der nächtlichen Temperaturen. Optimale Bedingungen findet man meist im Mai bis in den Juni vor sowie gegen Ende August bis in den Oktober hinein.

Wie weiter oben schon erwähnt ist das Auffinden einer schlafenden, mit Tau besetzten Libelle auch immer eine Glückssache, selbst wenn ihr all meine Ratschläge befolgt ist das noch lange keine Garantie auch wirklich erfolgreich zu sein, aber die Chancen werden sich erhöhen.

Sympetrum flaveolum - male, early in the morning Mit einem zeitlich erheblichen Mehraufwand kann man seinem Glück aber auch gewaltig auf die Sprünge helfen. Wie das geht erfahrt ihr rechtzeitig zum Beginn der Saison 2013 in einem 2. Teil hier im LibellenWissen-Blog. Vielleicht werde ich dann gleichzeitig einige Tricks verraten, die vermutlich eure Bewunderung für so manch einen eurer virtuellen fotografischen Vorbilder relativieren wird und euch die Augen öffnen dürfte, was so alles für ein tolles Foto getan wird, nur um erhöhte Aufmerksamkeit durch ein spektakuläres Foto zu bekommen. Denkt bitte stets daran, dass der Artenschutz immer an erster Stelle stehen sollte. Alle Libellen gehören laut Artenschutzgesetz zu den besonders geschützten Tierarten!

 

Viele Grüße euer Andreas Th. Hein

 

Ein riskanter Schlupf

Dienstag, Juli 3rd, 2012

Eine Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus) schlüpft

 

In Brandenburg ist vieles anders!

 

Hallo liebe Naturfreunde,


heute möchte ich im LibellenWissen-Blog einmal von einem etwas kuriosen Libellenschlupf berichten, den wir am Sonntag den 1. Juli 2012, gemeinsam mit meinem regelmässigen Exkursionspartner Bernd Cegielka, beobachten und dokumentieren konnten.

 

Ein Weibchen Onychogomphus forcipatus (Kleine Zangenlibelle) schlüpft an einem brandenburgischen See und das in waagerechter Position auf einem Schilfhalm, der auf dem Wasser umhertreibt.

Das die Libellen aus der Familie Gomphidae (Flussjungfern) auch waagerecht schlüpfen ist bekannt. Das verschiedene Gomphiden nicht nur auf Fließgewässer angewiesen sind ist auch hinlänglich bekannt.

Bei meiner kleinen Foto-Dokumentation traf Beides zu, allerdings auf einem sehr gewagtem Ansitz. Seht selbst. Der gesamte Vorgang dauerte, bei 25° C und bedecktem Himmel, nicht einmal 30 Minuten bis die Kleine Zangenlibelle sich in die Lüfte erhob.

Bitte einfach auf ein Foto klicken um die Fotos etwas größer betrachten zu können, bei einem Klick auf ein geöffnetes Foto schließt es sich dann wieder.

Onychogomphus forcipatus - female- immature 1Onychogomphus forcipatus - female- immature 2Onychogomphus forcipatus - female- immature 3Onychogomphus forcipatus - female- immature 4Onychogomphus forcipatus - female- immature  5Onychogomphus forcipatus - female- immature

 

Letztendlich zeigt diese kleine Doku auch, dass man sich stets wachsam und sehr vorsichtig in der Natur bewegen muss, um Kollateralschäden zu vermeiden. Dieses Weibchen hatte das Glück, dass wir es nicht übersehen haben und an dem Tag nicht gerade Badewetter war. Die Situation spielte sich etwa einen Meter neben einem Steg ab, von dem aus Badegäste häufig Kopf über ins Wasser springen.

Ich wünsche euch viele spannende Naturbeobachtungen! Habt ihr auf LibellenWissen.de einen groben Fehler entdeckt oder habe ich mich an einer Stelle nicht unverständlich ausgedrückt? Dann schreibt mir bitte eine kurze Nachricht.

Besten Dank, euer Andreas Th. Hein

 

 

 

 

Libellen im Mai 2012

Freitag, Mai 4th, 2012

Die neue Libellensaison ist seit letztem Monat nun voll im Gange

 

 

Folgende Libellenarten schlüpften im Mai 2012

 

Hallo meine lieben Libellenfreunde,

im April schlüpften nach schleppendem Beginn, auf Grund der am Ende des Monats hochsommerlichen Temperaturen doch noch 22 Libellenarten, so dass nunmehr 24 verschiedene Arten von Libellen auf den Flügeln waren. Eigentlich wollte ich für den Monat Mai keinen ähnlichen Blogbeitrag schreiben, in dem ich die schlüpfenden Libellenarten aufliste. Da sich erfreulich viele LibellenWissen.de Besucher bei mir gemeldet haben und der Meinung sind, es sei eine große Hilfe bei der Artenbestimmung, zu wissen welche Arten denn überhaupt momentan schon unterwegs sind, mache ich sehr gern weiter.

Leucorrhinia caudalis

Aufgelistet stehen hier die Arten und die jeweiligen Regionen, in der eine Libellenart mir diesjährig als Erstmeldung bekannt geworden ist. Die Arten aus dem April fliegen und schlüpfen natürlich auch noch im Mai und sind dem April Artikel zu entnehmen.

Epitheca bimaculata mit Exuvie

 

Im Monat Mai 2012 schlüpften bisher:

Ischnura pumlio – Kleine Pechlibelle (Brandenburg /02.05.2012)

Epitheca bimaculata – Zweifleck (Rheinland-Pfalz / 03.05.2012)

Gomphus pulchellus – Westliche Keiljungfer (Baden-Württemberg / 03.05.2012)

Coenagrion armatum – Hauben-Azurjungfer (SH / 03.05.2012)

Orthetrum cancellatum – Großer Blaupfeil (Brandenburg / 04.05.2012)

Anax imperator – Große Königslibelle (A-Vorarlberg / 07.05.2012 /11.5. in NRW)

Sympetrum fonscolombii – Frühe Heidelibelle (Österreich /09.05.2012 / 15.5. in Hessen)

Leucorrhinia caudalis – Zierliche Moosjungfer (Brandenburg / 09.05.2012)

Orthetrum coerulescens – Kleiner Blaupfeil (Brandenburg / 09.05.2012)

Crocothemis erythraea – Feuerlibelle ( Österreich / 09.05.2012/4 Tage später in B.-W.)

Cordulegaster boltonii – Zweigestreifte Quelljungfer (Niedersachsen / 11.05.2012)

Leucorrhinia albifrons – Östliche Moosjungfer (Brandenburg / 19.05.2012)

Coenagrion mercuriale – Helm-Azurjungfer (Hessen / 19.05.2012)

Anax parthenope – Kleine Königslibelle (Brandenburg / 20.05.2012)

Somatochlora flavomaculata – Gefleckte Smaragdlibelle (Brandenburg / 20.05.2012)

Somatochlora metallica – Glänzende Smaragdlibelle (Niedersachsen / 21.05.2012)

Lestes dryas – Glänzende Binsenjungfer (NRW / 21.05.2012)

Cordulegaster bidentata – Gestreifte Quelljungfer (Baden-Württemberg /22.05.2012)

Sympetrum striolatum – Große Heidelibelle (Baden-Württemberg / 24.05.2012)

Ophiogomphus cecilia – Grüne Flussjungfer (Sachsen / 25.05.2012)

Lestes barbarus – Südliche Binsenjungfer (NRW / 27.05.2012)

Somatochlora flavomaculata - male - juvenil _img_7396

 

Mit den beiden Winterlibellen-Arten sind somit aktuell 45 verschiedene Libellenarten auf den Flügeln. Vermutlich gibt es bereits einige weitere Arten, welche mir allerdings nicht gemeldet wurden. 

Für das Jahr 2012 beende ich hiermit die Auflistung der Arten, welche nun noch folgen werden. Interessant ist immer der jeweilige Saisonbeginn. Nun wo an nahezu allen Gewässern Libellen zu finden sind, ist meine Liste auch keine echt Hilfe mehr, um die Suche nach eurem gesuchten Artnamen einzugrenzen und so zu erleichtern.

Weitere Angaben zur Phänologie, könnt ihr den auf LibellenWissen.de zur Verfügung gestellten Artenprofilen entnehmen.


Stand vom 27. Mai 2012

 

Habt ihr eine ganz besondere Beobachtung einer Libellenart gemacht und möchtet diese melden? Dann schreibt mir oder noch besser ihr meldet eure Funde bei Libellenfunde.de. Besten Dank für euer Interesse!

 

Viele Grüße euer Andreas Th. Hein

 

 

 

 

Meine Gedanken zur Makro-, Naturfotografie

Mittwoch, April 11th, 2012

Die Zahl der in der Natur fotografierenden Fotografen steigt stetig,

damit verbunden nimmt leider auch Gefährdung von Flora und Fauna zu

 

Um ein guter Naturfotograf zu werden, braucht es mehr als eine Fotoausrüstung

 

Ist denn gleich jeder der mit einer Kamera ausgestattet, in der Natur unterwegs ist, ein Naturfotograf?

Diese Frage wird in Fotografie-Foren oftmals heiß diskutiert!

Wer meine Meinung lesen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass ich mich ganz bewusst kritisch und etwas provokant mit dem Thema Naturfotografie auseinandersetze, um so manch einem meiner Leser einen Spiegel vor zu halten. Ich möchte den Einen oder Anderen eventuell auf sein grundlegendes, oftmals unbewusstes Fehlverhalten aufmerksam machen und so zum Umdenken anregen.

Hey Naturfreunde, ich mag hier niemanden nieder machen, mich selbst auch nicht als den absoluten Gutmenschen darstellen. Nein, nein, nein, irgendwann einmal war ich selbst ein absoluter Neuling und habe unbewusst gegen bestehendes Recht verstoßen, die Gefährdung von Tieren und Pflanzen in Kauf genommen. Ophiogomphus cecilia - Grüne Flussjungfer Ein gutes Foto stand an erster Stelle, wie ihr hier an dem Foto unschwer erkennen könnt. Auch ich ließ mich Anfangs zu solch unnatürlich gestellter Aufnahme verleiten und setzte eine besonders geschützte Libelle auf einen fotogenen Ansitz. Heute ist mir dieses Foto peinlich. Genau aus meinen Erfahrungschatz heraus, den ich aus fast einem Jahrzehnt aktiver Naturfotografie, insbesondere der Makro-Fotografie sammeln konnte, erlaube ich mir einen Artikel wie diesen zu veröffentlichen. Fasst meinen Beitrag als kleinen Denkanstoß auf, nicht als Kritik (nun ja, für so manch einen eventuell schon), damit vermeidet ihr mir böse zu sein. Schaut in euch hinein, ob ihr euch die Jacke anzieht oder nicht, ob sie passt oder nicht, das müsst ihr mit euch allein austragen.

Betrachtet euch das Wort “Naturfotografie einmal genauer. Vorn steht die Natur, dahinter die Fotografie bzw. der Fotograf. Genau dieses so zu verinnerlichen und entsprechend zu berücksichtigen, wünsche ich mir von allen Menschen, welche sich in die Natur begeben, ganz besonders um dort auch Fotos zu machen.

Grundsätzlich ist für die Naturfotografie, die Kenntnis rund um die begehrten Fotomotive von immensen Vorteil. Zum Einen kann man sich besser positionieren, wenn man über das Verhalten der Arten bescheid weiß und zum Anderen minimiert man das Risiko eine Art zu stören oder gar durch die Störung zu gefährden.

Da es mir in erster Linie um den Schutz von Libellen geht, möchte ich folgendes, besonders krasses Beispiel anführen. Durch die zahlreichen Internetplattformen, auf denen stolz die Fotoergebnisse präsentiert werden, lässt sich so manch einer dazu hinreißen, sich als Libellenflüsterer aus der Masse hervorzuheben.

Damit meine ich vor allem Fotos, die nach meiner Auffassung weder ästhetisch sind, noch eine große Meisterleistung sind. Leucorrhinia caudalis - homöochromes Weibchen_noteiablage_mg_ Da werden dann Libellen in die Hand (mit dem Dreck unter den Nägeln höchst unansehnlich) genommen, teilweise an den Flügeln gepackt, ohne zu wissen, dass es sich um ein gerade frisch geschlüpftes Tier handelt. Die Flügel sind noch feucht und verkleben oder werden sonst irgendwie beschädigt. Im letzten Jahr hatte ich eine Auseinandersetzung mit einem Naturfreund, der es gut mit einer schlüpfenden Libelle meinte und glaubte das Tier vor dem Ertrinken retten zu müssen, da es so knapp über der Wasseroberfläche schlüpfte, so dass der Kopf drohte unter Wasser zu sein.

Libellen atmen nicht durch den Mund! Das besagte Tier wurde dann waagerecht auf einem Blatt einer Weide platziert, mit noch zur Hälfte zu einem Paket zusammengefalteten Flügeln und obendrein noch mit der Aussage, die Libelle vor einem “Käfer” gerettet, aus dem “Maul” des Käfers (meist Vegetarier) gezogen zu haben. Gomphus flavipes- Unfall - Tatsächlich aber wurde die gerade schlüpfende Libelle, gewaltsam von ihrer Larvenhaut befreit.  Da saß nun ein völlig deformiertes Tier, die Flügel zerknittert, das Abdomen verbogen, der Thorax vom Zupacken zerdrückt. So um die 20 Kommentare waren unter das Foto gepostet. Inhaltlich kaum voneinander zu unterscheiden wurde der “Naturfotograf” als eine Art Held umjubelt und mit Lob über seinen Einsatz überschüttet. Wenn es sich denn wenigstens um eine eine häufige, wenig spezialisierte Art gehandelt hätte, aber nein, es handelte sich um eine recht seltene, hochspezialisierte Aeshna subarctica (Hochmoor-Mosaikjungfer). Einem Kenner wird schon allein dadurch klar, in welch empfindlichen Habitat der Fotograf sich tummelte, ohne nur eine Spur zu erahnen, dass er sich im Grunde genommen in vielerlei Hinsicht nach BArtSchV und BNatSchG strafbar gemacht hat. Übrigens zählen sämtliche Libellen in all ihren Lebensstadien zu den unter Schutz gestellten Arten!

Mir als Libellenliebhaber, dreht sich der Magen um, bei dem Gedanken was der Fotograf für sein Foto für Schäden in Kauf genommen hat, ohne die leiseste Ahnung davon zu haben. Eine seltene besonders geschützte Libelle gestört, geschädigt in einem vermutlich geschützten Biotop, in dem das Verlassen der Wege verboten ist. Wehe aber ich mache einen Fotografen darauf aufmerksam, etwas Unrechtes getan zu haben. Sofort stürzt sich ein Haufen von “Naturfotografen” auf mich, ich werde beschimpft, beleidigt, erhalte Rachekommentare.

Vielen Menschen ist es offenbar nicht bewusst oder aber schlichtweg egal was erlaubt ist oder eben nicht. Ich hoffe dieser Artikel hält nun einige von euch davon ab, für ein Foto einer Libelle die geschlossene Ufervegetation zu betreten, da dort unter Umständen während der Monate April bis Juni selten gewordene Vögel brüten könnten. Die Natur muss unbedingt immer als Ganzes betrachtet werden und sich gut überlegen, was man wann und wo machen kann, ohne eine Art zu stören oder zu gefährden, ganz besonders wenn man sich in einem Naturschutzgebiet befindet.

Generell gilt in Naturschutzgebieten ein Verbot die Wege zu verlassen. die Eule, das Zeichen für ein NaturschutzgebietAus meiner langjährigen Naturschutzarbeit habe ich die traurige Erfahrung sammeln müssen, dass noch immer sehr vielen Menschen die gelben Schilder mit der schwarzen Eule, bzw. den dreieckigen Schildern mit der grünen Umrandung und einem fliegendem Greifvogel darauf, entweder egal sind oder aber sie gar nicht wissen wozu Naturschutzgebiete eingerichtet worden sind und was eben genau in solchen Gebieten zu beachten ist.

Macht euch entsprechend schlau, was in euren Gebieten zu beachten ist, welche Arten dort zu erwarten sind, Auskunft bekommt man häufig beim zuständigen NABU oder der Unteren Naturschutzbehörde (Naturwacht). Schild Naturschutzgebiet Sind nun bestimmte Tiere und Pflanzen dabei, die ihr gern fotografieren würdet, nehmt euch ein wenig Zeit und nutzt die Suchmaschine eurer Wahl. Es macht wenig Sinn im Mai die Schwarze Heidelibelle zu suchen, denn sie schlüpft in der Regel erst im Juli. Achtet also auf die Angaben zur Phänologie einer jeden Art. Achtet auf den Schutzstatus der verschiedenen Arten. Viele von euch wissen ja, dass ich auch einige Zeit in verschiedenen Fotoforen (makro-forum, fc, Flickr ….) zubringe, wo ich die Diskussionen rund um die Natur, den Naturschutz, Artenschutz und Ähnliches häufig sehr  interessiert, aber auch verwundert verfolge. Ganz besonders heikel wird es beim Thema Insekten und deren Schutz. Da kommen dann häufig Argumente wie: Wenn du mit dem Auto fährst, machst du doch auch die Viecher platt. Für mich sind das keine Viecher, auch ist es für mich ein Unterschied, ob ich ein Insekt versehentlich töte oder eben in seinem Lebensraum aufsuche und zum Zwecke eines spektakulären Fotos deren Gefährdung in Kauf nehme.

Insekten sind ein ganz wesentlicher Faktor, für eine gut funktionierende Natur. Leider werden Insekten oftmals nur als Plagegeister und Viechzeug gesehen, auf das man sofort drauf haut. Nein, ob Insekten, Spinnen, Reptilien, Vögel, Säugetiere oder auch Pflanzen, jedes Lebewesen steht in irgendeiner Form in Abhängigkeit zu einem oder gar mehreren Arten.

Ein ganz schreckliches Phänomen der Menschheit ist die Gier nach Anerkennung. Dabei scheint leider so einigen jedes Mittel recht zu sein. Da setzt einer eine Libelle auf eine Blume, der andere meint das toppen zu müssen und setzt zwei Libellen auf eine Blume. Ob ihr mir glaubt oder nicht, aber es gibt Leute die mit einer Sprühflasche unterwegs sind, um Tiere mit Tautropfen bedeckt zu imitieren. Bloß keine Mühen scheuen und früh aufstehen? Insekten mit Tautropfen bedeckt findet man ganz früh am Morgen auf der Wiese und das auch außerhalb von Schutzgebieten. Wer einmal schon am frühen Morgen einen Sonnenaufgang unter dem Zwitschern der Vögel genossen hat, weiß wovon ich rede. Es entspannt den Geist und die Seele, die frische Luft am meist noch etwas kühleren Morgen einzuatmen, dabei den Duft von Wildblumen, Gräsern oder den des  Waldes in der Nase zu haben, hach wie herrlich. Nein, ich schildere euch hier von ein paar tatsächlichen Erlebnissen, über die sich dann ja sein eigenes Urteil bilden kann. Begegnungen mit Menschen, denen aus meiner Sicht nicht viel an der Natur liegt, viel eher nur darauf aus sind ein paar Fotos, nach Möglichkeit noch so sensationell wie möglich zu fertigen, um sich dann anschließend auf verschiedenen Internetplattformen feiern zu lassen. Ihr denkt sicher ich spinne, aber nein, eine der mir häufig gestellten Fragen wäre dann wohl kaum, auf welchen Blumen Libellen besonders gern sitzen? Zeigt doch die Natur so wie sie ist. Ihr bemerkt es sicher schon, über das Thema gibt es von meiner Seite aus noch viel mehr zu sagen. Nun dazu werde ich dann ein Buch schreiben, welches vermutlich kaum einer lesen wird. Selbst dieser Artikel ist schon derart lang geworden, dass ich mich über jeden Leser freue, der es geschafft hat, den gesamten Artikel zu lesen ;-)

Die neue Makro-Saison beginnt, die ersten Frühblüher blühen, an den Blüten von Weiden tummeln sich bereits zahlreich verschiedene Falter und Bienenarten. Amphibien und Reptilien laufen durch das dichte Laub am Boden der Wälder, über Wiesen und Felder. Macht die Augen auf, die Natur hat uns so viel zu bieten.

Mein Tipp: sucht euch ein Gewässer außerhalb eines Schutzgebietes. Steckt am Ufer ein Stöckchen in den Boden, bevorzugt an einer Stelle wo die Sonnenstrahlen morgens zuerst hinfallen. Großer Blaupfeil Schaut am nächsten Morgen nach, ob sich daran eine Larve verankert hat. Das ist dem Angeln sehr ähnlich. Irgendwann werdet ihr das Glück haben, an dem so schön freigestelltem Ansitz eine schlüpfende Libelle beobachten und in aller Ruhe fotografieren können. Bleibt aber bitte solange dabei, bis das hübsche Tier sich eigenständig in die Lüfte erhebt, damit es nicht wie auf einem Präsentierteller seinen Fraßfeinden ausgesetzt ist.

Ich wünsche euch allen viel Spaß in der Natur und würde mich freuen, wenn ihr diesen Artikel gelegentlich verlinken würdet, sofern ihr ein Foto seht, bei dem ein Fotograf eine Libelle in der Hand hält oder eine Libelle euch sonst irgendwie unnatürlich auf einer Blüte sitzend erscheint und ihr den Eindruck habt, dass der Fotograf offensichtlich nicht weiß, was er da eigentlich tat.

Wem ich nun durch diesen Artikel unsympathisch erscheine, darf sich gern für eine gemeinsame Exkursion anmelden, auf der ich euch mit ziemlicher Sicherheit vom Gegenteil überzeuge.

Zum Schluss zitiere ich noch einen Absatz aus “Wasserjungfern oder Libellen” ,Neue Brehm-Bücherei, erschienen 1952,  geschrieben von Hans Naumann : ” Da sammeln sich gewisse größere Arten, am häufigsten die als “Wanderlibelle” bezeichnete Vierfleckige Wasserjungfer (Lib. quadrimaculata L), bisweilen aber auch Libellula depressa L, Sympetrum fonscolombei Selys, Somatochlora flavomaculata Vand, mitunter auch die sonst wenig fluggewandten und ausdauernden Seejungfern (Calopteryx virgo L und C. splendens Harr.)und diese und jene andere noch in oft gewaltigen Schwärmen und begeben sich auf Wanderschaft. In stundenlangen, ununterbrochenen Zügen ziehen die Tiere, eng zusammengeschlossen, hinter- und übereinander oder auch aufgelockert, ruhig und stetig, nicht reißend wie sonst, in einer bestimmten Richtung dahin…..bis die sinkende Sonne ihnen Halt gebietet…

Leider dürfen wir solch ein Naturschauspiel heute wohl nicht mehr erleben, aber ich träume davon arbeite daran!

 

Nachtrag vom 12. April 2012: Am Tage der Veröffentlichung dieses Artikels erreichten mich zahlreiche Mails, wofür ich mich recht herzlich bedanke. Oftmals wurde ich bestätigt und mir wurden diverse weitere Beispiele geschildert, in denen Fotografen aufgefallen sind, welche sich keinerlei Gedanken um ihr eigenes Verhalten machen, wo eben nur das Ziel, ein spektakuläres Foto zu machen verfolgt wird. Orchideen werden heraus gerissen um sie schön freigestellt fotografieren zu können, an den Sammelplätzen der Kraniche schleichen sich Leute immer näher an die Tiere heran und vieles mehr. Ja, ich weiß, befürchte aber ein noch ausführlicherer Artikel würden nur Menschen lesen, denen bewusst ist, dass am Anfang der Bezeichnung “Naturfotograf” die Natur steht.

Vielen Dank für euren Besuch auf LibellenWissen.de, euer Andreas Thomas Hein

 

 

 


Full Banner

 

Libellen-Saison 2012

Mittwoch, März 7th, 2012

Wann ist die libellenlose Zeit endlich beendet?

 

Die Winterlibellen haben ihre Überwinterungsquartiere bereits verlassen!

 

Hallo liebe Naturfreunde,

kaum eine andere Frage wird mir so häufig gestellt, wie die Frage nach dem Beginn der Libellen-Saison, bzw. wann die Libellen endlich wieder schlüpfen.

Eines möchte ich gern vorweg erwähnen; Absichtlich möchte ich darauf verzichten, die Antwort zu sehr wissenschaftlich zu halten, da ich mit meinen LibellenWissen-Blog möglichst viele Menschen auf leicht verständliche Weise erreichen möchte.

Es gibt im Grunde genommen keine libellenlose Zeit!

Sympecma fusca - female - ice_img_46 Aus Baden-Württemberg und der Schweiz wurden mir bereits in der letzten Februarwoche die ersten Winterlibellen gemeldet, die aus ihren vor Wind und Wetter geschützten Winter-Verstecken hervor kamen. Viele Natur-, Makro-, Libellenfreunde sind oftmals erstaunt, überrascht und letztendlich begeistert, wenn Sie zum ersten mal davon hören, dass es im Winter Libellen gibt. Auf die Lebensweise der Winterlibellen möchte ich in diesem Beitrag allerdings nicht weiter eingehen. Interessierte entnehmen bitte weitere Informationen den Artprofilen unserer beiden Winterlibellen-Arten, Sympecma fusca (Gemeine Winterlibelle) und Sympecma paedisca (Sibirische Winterlibelle).

Nachtrag:

Sympecma fusca Eiablage im März In der Zeit vom 17. März 2012 und dem 24. März wurden mittlerweile aus fast allen Teilen Mitteleuropas Winterlibellen gemeldet, die sich bereits in größeren Stückzahlen gegen Mittag zur Paarung an den Gewässern aufhalten.

 

 

 

 

Nun zur Eingangsfrage, wann die ersten Libellen der neuen Saison schlüpfen oder anders gefragt:

Wann beginnt endlich die Libellen-Saison 2012?

Das hängt von mehreren Faktoren ab, ganz besonders aber von den Temperaturen der Gewässer. Die Gewässertemperatur wiederum ist im Allgemeinen abhängig vom Wetter. Nehmen wir ein Beispiel aus unserem alltäglichen Leben, um die Zusammenhänge zwischen Temperaturen und dem Beginn der Emergenz (Schlupf) von Libellen logisch erscheinen zu lassen. Ich denke fast jeder von uns hat daheim einen Kühlschrank, idealerweise ist der umweltfreundlich der Energieeffizienzklasse A++.  In ihm kühlen wir nicht nur Getränke wie z.B. Bier und Weißwein wegen des oftmals viel besseren Geschmacks, nein in erster Linie um unsere Lebensmittel länger frisch zu halten, bzw. um deren Verderb zu verlangsamen oder gar gänzlich aufzuhalten, da Bakterien und Keime sich nicht so rasch vermehren können, als das bei höheren Temperaturen der Fall ist.  Genau so verhält es sich mit den Libellenlarven. Je kühler ihr Entwicklungsgewässer, desto langsamer die Entwicklung, was auch mit ein Grund für die oftmals variierende Entwicklungsdauer darstellt. Cordulegaster boltonii von oben Bestes Beispiel sind unsere Quelljungfern, deren Larven sich in kühlen Quell- und Gebirgsbächen entwickeln und so von 4 bis zu 7 Jahre benötigen. Ein weiterer Grund ist dabei aber auch das Nahrungsangebot der räuberisch lebenden Libellenlarven. Je wärmer das Gewässer, desto artenreicher und schneller entwickeln sich auch alle anderen Bewohner eines Lebensraums. Der Stoffwechsel der im Wasser lebenden Tiere ist den Temperaturen des Wassers entsprechend angepasst. Manche Arten stellen die Entwicklung vollständig ein und der Stoffwechsel geht gegen null, wir sprechen dabei von einer Diapause. Ich zitiere dazu aus einem sehr lesenswerten Beitrag zur Diapause, folgenden interessanten Absatz: “ Eine Diapause kann in verschiedenen Entwicklungsstadien stattfinden. So gibt es die Puppendiapause, die Larvendiapause und die Imagines-Diapause (Imago = die erwachsene Form von Insekten). Bei vielen Säugetieren kommt es zur embryonalen Diapause, auch Keimruhe genannt. Eine Diapause kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, zum Beispiel durch einen Wechsel der Tageszeitlänge, durch Trockenheit, niedrige Temperaturen oder Nahrungsmittelknappheit. Oft lösen mehrere Faktoren in Kombination eine Diapause aus.”
Vollständigen Artikel auf Suite101.de lesen: Die Diapause hilft über schwierige Zeiten

 

Wir können nicht in die Zukunft schauen, aber ein kleiner Rückblick auf den Saisonstart der Jahre 2007 und 2008 in Brandenburg, mit fast 4 Wochen auseinander liegenden Saisonbeginn, geben uns einen gewissen Aufschluss auf die uns nun endlich bevorstehende Saison.

Der Winter 2006/2007  war sehr mild und bereits im März 2007 erreichte das Thermometer mit ca. 30°C ungewöhnlich früh, sommerliche Temperaturen. Die Emergenz von Pyrrhosoma nymphula (Frühe Adonislibelle) setzte am 27. März 2007 ein (Melder war Bernd Cegielka).

Der Winter 2007/2008 hingegen war nicht so mild wie in dem Jahr zuvor. Die Gewässer lagen bis in den März 2008 hinein unter einer Eisdecke. Erst Mitte April kletterten die Temperaturen auf über 20°C. Am 25. April 2008 durfte ich die ersten schlüpfenden Pyrrhosoma nymphula beobachten und fotografieren.

Pyrrhosoma nymphula Momentan haben wir in Deutschland fast überall frühlingshaftes Wetter, was die Chancen auf einen frühen Saisonbeginn steigern sollte. Ich selbst rechne in spätestens 4 Wochen mit den ersten Fundmeldungen aus dem Süden und Westen der Republik, wenn auch nicht aus meiner Heimat, dem noch um etwa 10°C kühlerem Berlin/Brandenburg. In der Regel kommt es aber meist nur zu regionalen Abweichnungen des Saisonbeginns von maximal 2 Wochen.

Bis dahin bleibt mir nur jedem Libellenfan zu empfehlen, sich einmal näher den Winterlibellen zu widmen. Winterlibellen sind hübsche, interessante, aber auch gut getarnte Libellen. Viel Erfolg bei der Suche!

Im LibellenWissen-Blog wird selbstverständlich genau wie im Vorjahr, stets aktuell über die bereits schlüpfenden Libellenarten berichtet.

Für Themen-Wünsche und Kritik habe ich stets ein offenes Ohr und freue mich über eure Nachricht. Kontaktiert mich ganz einfach per Mail. Vielen Dank!

Ich wünsche allen ein spannendes und interessantes Libellenjahr 2012!

Euer Andreas Thomas Hein


Webhosting von Host Europe

Libelle des Jahres 2012

Mittwoch, Februar 1st, 2012

Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) wurde gekürt!

 

Eine weit verbreitete und noch nicht bedrohte Edellibelle (Aeshnidae) machte in diesem Jahr das Rennen

Auch in diesem Jahr wurde gemeinsam von Vertretern des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) und der GdO (Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen) eine Libelle ausgezeichnet und zur Libelle des Jahres 2012 ernannt. Etwas überraschend fiel das Votum der stimmberechtigten Fachleute mehrheitlich auf eine eher häufigere Libellenart, die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea). Aufgrund ihrer geringen Ansprüche an das Entwicklungshabitat, kommt die Blaugrüne Mosaikjungfer fast an jedem Gewässertyp vor. Selbst in Regenauffangbehältnissen wie Tonnen, Kübel und Eimer, die in Gärten, auf Balkonen/Terrassen oder auf Friedhöfen etc. herumstehen, wurden schon Larven oder gar schlüpfende Imagines gefunden. Die Flugzeit der Blaugrünen Mosaikjungfer erstreckt sich über den gesamten Sommer bis in den späten Herbst hinein.

Aeshna cyanea - female -

Die Begründung für diese Entscheidung erscheint mir dennoch plausibel und wurde meines Erachtens hervorragend gefällt. Die Blaugrüne Mosaikjungfer steht stellvertretend für die gesamte Insektenordnung Odonata (Libellen), um die Vorurteile auszuräumen, Libellen würden stechende, gar den Tod bringende Insekten mit einem riesigen Giftstachel sein.

Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)  wird ca. acht Zentimeter lang und ihre Flügelspannweite kann zehn bis elf Zentimeter Aeshna cyanea männlich _img_5249 betragen und ist unsere größte Mosaikjungfer. Der Flug ist eher ruhig als flatternd, dabei bleibt sie oft neugierig wenige Zentimeter vor uns Menschen in der Luft stehen, weshalb sie wohl verantwortlich für diverse erfundene Märchen und Horrorgeschichten und ganz besonders für die bedrohlichen Namen wie Teufelsnadel, Augenstecher usw. zu machen ist. Darüber berichtete ich bereits im LibellenWissen-Blog.

Die Blaugrüne Mosaikjungfer zählt zu den bekanntesten Libellen unserer Heimat und eignet sich auch gerade deshalb bestens darauf aufmerksam zu machen, wie es um die Vielfalt der Arten und ihre Bedrohung bestellt ist. Aeshna cyanea Erschreckender Weise sind von den 81 heimischen Libellenarten, 48 Spezies auf der Roten Liste der gefährdeten Insekten aufgeführt.

Übrigens wurde die Wahl zur Libelle des Jahres erst zum 2. Mal in Deutschland durchgeführt.

Die Libelle des Jahres 2011 war die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea)

 

 

 

 

Sie haben in diesem Artikel einen Fehler entdeckt, eine Frage oder einen Verbesserungsvorschlag? Dann schreiben Sie mir bitte eine kurze Nachricht.

Andreas Thomas Hein  / LibellenWissen.de


Webhosting von Host Europe

Die Eiablage einer Libelle

Montag, Januar 16th, 2012

Strategien zum Erhalt der eigenen Art

Libellen gehören zu den Insekten und legen Eier und das recht unterschiedlich.

Hallo Freunde von LibellenWissen.de,

sicherlich sahen Sie auch schon einmal eine weibliche Libelle ganz allein auf dem Teich sitzend, Ischnura elegans-f. infuscans obsoleta das Abdomen gekrümmt und dabei das hintere Ende mittels des Legedorns in ein auf dem Wasser schwimmendes Stück Totholz gebohrt oder die etwas merkwürdig ausschauende “Tandemstellung”, bei der das Männchen sein auserwähltes Weibchen zur Eiablage begleitet, wobei beide wippende Bewegungen machten und die Eier im Flug abgeworfen wurden. Mal über Land, mal über dem Wasser oder auch gemeinsam auf einem Schwimmblatt oder ähnlichem Pflanzenmaterial sitzend. Genau diese unterschiedlichen Verhaltensweisen möchte ich Ihnen mit diesem Artikel etwas näher bringen.

Im Grunde genommen ist das Wissen über die Eiablage zur Artenbestimmung recht hilfreich, da man je nach beobachteter Situation die in Frage kommenden Arten bereits etwas eingrenzen kann. Eine sichere Bestimmung ist allein durch die Eiablage jedoch nicht möglich, kann aber eine Orientierungshilfe sein. Zu berücksichtigen ist dabei die Tatsache, dass Tandems aus vielerlei Gründen aufgelöst werden können.  Als Beispiele sind Angriffe von Frassfeinden oder zu großer Konkurrenzdruck wohl die häufigsten Ursachen.

Stammleser von meinem LibellenWissen-Blog haben aus vorherigen Artikeln bereits gelernt, dass z.B. die Weibchen der Edellibellen einen anderen Legeapparat als die Segellibellen besitzen. Zur Auffrischung oder für meine neuen Besucher empfehle ich folgende Artikel zu lesen, um einen leichteren Einstieg in das Thema zu ermöglichen: Eiablage, Tandem oder PaarungPaarungsverhalten und Geschlechtsbestimmung.

Wir können anhand des weiblichen Legeapparats 2 verschiedene Versionen von Eiablagen ableiten.

I. Die weiblichen Libellen, welche mit einem Legebohrer (Legedorn, Legestachel) ausgestattet sind, stechen jedes Ei einzeln in ein Substrat.  Legebohrer (Ovipositor) einer Kleinlibelle

II. Die Weibchen bei denen der Legeapparat eher verkümmert ist, haben anstelle eines Legebohrers eine Legescheide (Vulvar scale). Diese Weibchen werfen ihre Eier im Flug, entweder ins Wasser oder in ausgetrocknete Bereiche in der unmittelbaren Umgebung des Gewässers.  Weibchen der Segellibellen, Falkenlibellen, und Flussjungfern besitzen eine Legescheide (Vulvar scale)

 

Ferner haben Libellen unterschiedliche Strategien entwickelt, die sich wie folgt voneinander unterscheiden:

1. die Eiablage erfolgt in Begleitung des Männchens in sogenannter Tandemstellung im Flug. (Heidelibellen)

Sympetrum striolatum, Eiablage im Tandemflugg_11

2. die Eiablage erfolgt  in Begleitung des Männchens in Tandemstellung in verschiedene Substrate wie Pflanzen und /oder Totholz. (Teichjungfern bis auf die Südliche Binsenjungfer, Schlanklibellen, Federlibellen, Kleine Königslibelle und Südliche Mosaikjungfer).

Sympecma fusca

3. die Eiablage wird vom Männchen bewacht, hält sich aber nur in der Nähe des Weibchens auf, um eine erneute Begattung durch ein anderes Männchen zu vermeiden. (Prachtlibellen, einige Arten der Segellibellen)

Calopteryx splendens

4. die Eiablage des Weibchens erfolgt gänzlich im Alleingang im Flug.(Flussjungfern, Falkenlibellen mit Ausnahme von Epitheca bimaculata – Zweifleck und Segellibellen mit Ausnahme der Heidelibellen)

Libellula depressa female

5. Eiablage durch Einstich in pflanzliches Material erfolgt im Alleingang. (Pechlibellen, Südliche Binsenjungfer, Zweifleck und Edellibellen mit Ausnahme von Aeshna affinis – Südliche Mosaikjungfer und Anax parthenope  - Kleine Königslibelle)

Aeshna isoceles Eiablage

6. Eiablage erfolgt im Alleingang wobei das Weibchen ihre Eier in den Grund eines Fließgewässers einbringt. (Quelljungfern)

Cordulegaster boltonii

 

Besonderheiten! 

Sämtliche Schlanklibellen fliegen im Tandem, also in Begleitung der Männchen zur Eiablage. Eine Ausnahme machen die Weibchen der Pechlibellen, die stets allein die Eiablage vornehmen.

Eine ganz außergewöhnliche Eiablage lässt sich gelegentlich bei den beiden Arten der Granataugen, den Mond-Azurjungfern sowie den Speer-Azurjungfern beobachten, wobei ich letztgenannte fotografisch dokumentieren konnte.

Anfangs sieht alles nach einer, für Azurjungfern typischen Eiablage im Tandem aus.

Coenagrion hastulatum - eiablage_1_img_5515

Dann taucht das Weibchen langsam unter die Wasseroberfläche, was jedoch auch bei anderen Arten der Kleinibellen häufiger beobachtet werden kann.

Coenagrion hastulatum - eiablage_2_img_5520

Langsam bewegt sich das Männchen mit dem angekoppelten Weibchen rückwärts. Das Weibchen taucht dabei immer tiefer und erreicht so die Bereiche der Pflanzen, welche voraussichtlich auch bei anhaltender Trockenheit noch unter Wasser stehen, da ihre Eier nicht wie die Eier der meisten anderen Arten, bei denen die Eier auch eine längere Zeit der Trockenheit problemlos überstehen, überleben können. Die Wissenschaft vermutet allerdings auch, dass das Abtauchen eine gute Verteidigungsstrategie gegenüber konkurierender Männchen darstellt.

Coenagrion hastulatum - eiablage_3_img_5528

Schließlich taucht auch das Männchen vollständig unter die Wasseroberfläche. Das Tandem kann so bis zu 1 Meter tief tauchen und bis zu 70 Minuten unter Wasser bleiben. Die von mir dokumentierte Eiablage dauerte gut 20 Minuten. Um den Körper von Weibchen und Männchen bildet sich beim Tauchgang eine Luftblase, womit sie sich eine so lange Zeit mit Sauerstoff versorgen.

Coenagrion hastulatum - eiablage_4_img_5534

 

Weitere Informationen zu den unterschiedlichen Strategien der Eiablage können Sie auch den Beschreibungen zu den einzelnen Libellenarten entnehmen. Mit diesem Artikel wollte ich Ihnen nur einen kleinen Eindruck vermitteln, wie komplex die Verhaltensweisen der Libellen sich darstellen.

Zu guter Letzt möchte ich Ihnen die Eier einer Libelle nicht vorenthalten. Teilweise sind die Eier recht widerstandsfähig gegen Kälte und Trockenheit. Die meisten Eier überwintern und erst zum Frühjahr schlüpft daraus die Prolarve, Sekunden später dann die Larve.

Leucorrhinia caudalis - homöochromes Weibchen_noteiablage_mg_

Sie haben einen Fehler gefunden oder ich habe mich zu unverständlich ausgedrückt? Sie haben eine weitere Frage? Nur Mut, schreiben Sie mir eine Nachricht mit Ihrer Frage oder einem Verbesserungsvorschlag per e-mail. Ich bedanke mich recht herzlich für Ihre Aufmerksamkeit.

Ihr/ euer Andreas Thomas Hein

 

Beachten Sie bitte meine Informationsquellen.

Paarung oder Eiablage…

Dienstag, Januar 10th, 2012

…. vor der Paarung, nach der Paarung, Paarungsrad, Eiablage oder Tandem

 

Libellenpaare beobachten, analysieren, verstehen und erkennen lernen

Hallo Libellenfreunde,

sicherlich haben Sie schon einmal ein Paarungsrad, eine Eiablage oder einfach nur ein Tandem gesehen und sogar fotografieren können. Sympetrum sanguineum  Für einen Einsteiger in die Libellenkunde sind die vorgefundenen Situationen nicht immer so einfach und eindeutig zu interpretieren.

Im Internet, egal ob in Fotografie-Foren, Foto-Blogs oder ähnlichen Plattformen, lassen sich zahlreiche Makro-Aufnahmen von Libellen finden, bei denen weder der Fotograf noch die Betrachter eine festgehaltene Szenerie korrekt als Eiablage, Paarungsrad oder Tandem einordnen können.

Für Fotografen, welche ausschließlich am frühen Morgen fotografieren gehen, wo das Licht noch schön weich ist und die Libellen sich noch in der Kältestarre befinden somit nicht flugfähig sind, besteht kaum die Möglichkeit einmal ein Paarungsrad zu beobachten, geschweige noch zu fotografieren. Die paarungsbereiten Weibchen der meisten Arten treffen erst gegen Mittag am Gewässer ein. Lediglich nach warmen Sommernächten lassen sich Paarungsaktivitäten bereits am frühen Vormittag beobachten, schließlich sind Libellen “wechselwarm”, dementsprechend sind Libellen bei sommerlichen Temperaturen und Sonnenschein aktiver, als an kühleren Tagen.

Für den Naturschutz ist es von Bedeutung, ob ein Tandem, eine Paarung oder Eiablage am Gewässer beobachtet werden konnte. Eine Eiablage ist ein Hinweis auf eine Reproduktion der jeweiligen Art. Ein Paarungsrad kann vom Prinzip her noch im Tandemflug das Gewässer zur Eiablage wechseln. Den sicheren Nachweis einer Reproduktion hat man aber erst bei der Beobachtung einer schlüpfenden Libelle, dem Fund einer Exuvie oder Larve.

Hier nun einige Fotos, mit denen ich hoffe Ihnen die unterschiedlichen Situationen verdeutlichen zu können. Bilder sagen ja oftmals mehr als Worte.

Das Paarungsrad: 

Die eigentliche Paarung der Libellen erfolgt stets im Paarungsrad. Die Bildung des Paarungsrads ist in der Natur einmalig und braucht in diesem Artikel nicht weiter erklärt werden, da dieses Schauspiel im Grunde immer schnell und korrekt erkannt wird.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, welche Faszination meine erste Beobachtung eines Paarungsrads auf mich hatte und mir bis heute nichts davon verloren ging. Ein gutes Foto von einem Paarungsrad zu bekommen gleicht in etwa dem Schwierigkeitsgrad eine fliegenden Libelle von vorn bis hinten scharf abzubilden.

Das Tandem: Das Weibchen wird vom Männchen an der Hinterbrust festgehalten. Lestes dryas Tandem


vor der Paarung/nach der Paarung:

Ob ein Pärchen vor oder nach der Paarung gesichtet wird, lässt sich nur selten sicher sagen.  Enallagma cyathigerum, Tandemstellung

 

Hier allerdings scheint es sich eindeutig um ein Tandem nach der Paarung zu handeln. Dafür spricht der ausgefahrene Kopulationsapparat des Männchens, unterhalb des 2. Abdominalsegments. Lestes virens-nach-kopula_im

 

Die Eiablage: das Weibchen krümmt den Hinterleib und sticht mit dem Legebohrer Eier in verschiedene Substrate.

Weibchen ohne Begleitung des Männchens Anax imperator-Eiablage

Weibchen in Begleitung des Männchens  Coenagrion puella - Eiablage

Weibchen in Begleitung des Männchens, an Pflanzen (hier Binsen) Lestes virens - Eiablage

Bei einigen Arten werfen die Weibchen ihre Eier im Flug, entweder ins Wasser oder in ausgetrocknete Bereiche in Ufernähe.

Weibchen ohne Begleitung des Männchens im Flug  Libellula depressa Eiablage

Eiablage in Begleitung des Männchens im Tandemflug.  Sympetrum striolatum, Eiablage im Tandemflugg_11

 

Es gibt allerdings auch Situationen zu beobachten, welche auf den ersten Blick ganz eindeutig zu sein scheinen, sich dann aber bei genauerer Betrachtung völlig anders darstellen.

Das Foto unten entstand an einem Nachmittag im September 2011. Eine Eiablage ? Nein, der Schein trügt. Es handelt sich um ein ins Wasser gefallenes Männchen, welches Mühe hatte sich aus dem Wasser zu erheben.

Diese Aufnahme habe ich als Winterrätsel in der fc in meinem LibellenWissen Account hochgeladen und stellte dazu folgende Frage:

Was habe ich hier dokumentiert? Welche Libelle macht hier was?    Aeshna grandis - rätselhaft Es stimmte mich sehr fröhlich, dass in unglaublich kurzer Zeit mehrere Fotografen erkannten, dass es sich um ein Libellen-Männchen handelt und nicht wie man auf den ersten Blick denken könnte, um die Eiablage einer weiblichen Libelle.

Am schnellsten wurde die Situation von Alexander Römisch korrekt erkannt, was mich ganz besonders freut. Alexander ist einer meiner Fotofreunde der ersten Stunde und ein regelmäßiger LibellenWissen Besucher, noch dazu ein äußerst guter, vielseitiger, kreativer und interessanter Hobby-Fotograf. Eine kleine Auswahl seiner Aufnahmen können Sie in seinem Album betrachten.Viel Vergnügen

Ich freue mich stets über Kritik, Verbesserungsvorschläge oder weitere Anregungen. Senden Sie mir eine kurze Mail und ich versuche mich zeitnah um Ihr Anliegen zu kümmern.

Vielen Dank für Ihren Besuch auf LibellenWissen.de,

Ihr/euer Andreas Thomas Hein