Sibirische Mosaikjungfer – Aeshna crenata

Die Sibirische Mosaikjungfer (engl. Siberian Hawker) im Profil

Wissenschaftl. Name: Aeshna crenata Hagen, 1856  

Gattung: Aeshna – Mosaikjungfern

Familie: Aeshnidae – Edellibellen

Überfamilie: Aeshnoidea – Edellibellenartige
Unterordnung: Anisoptera – Großlibellen
Ordnung: Odonata – Libellen

Aeshna crenata - male / by Erland Refling NielsenAeshna crenata - female / by Erland Refling Nielsen

Aeshna crenata, Männchen            Aeshna crenata, Weibchen

Besten Dank an, Erland Refling Nielsen, für die Bereitstellung seiner Fotos.

Wissenswertes:
Synonym: Aeschna gigas Bartenev, 1908 und Aeshna nigroflava Martin, 1908
Das Hauptverbreitungsgebiet von Aeshna crenata liegt in Sibirien, wie der deutsche Name bereits verrät. Weitere Vorkommen gibt es in Finnland, Russland, Weißrussland, Lettland, Littauen und Nord-Korea. In Europa ist die Art im Vergleich zur sibirischen Taiga selten.

Merkmale:
Die Sibirische Mosaikjungfer ist mit einer Körperlänge von bis zu 86 mm und einer Flügelspannweite bis zu 120 mm die größte Mosaikjungfer Europas. Sie übertrifft in der Größe gar die Große Königslibelle. Die geschlechtsreifen Männchen erscheinen recht dunkel, schwarz-blau gefärbt. Die Vorderkante der Flügel (Costa) ist braun, nicht gelb wie bei den im gleichen Lebensraum vorkommenden Baltischen (Aeshna serrata) und Torf-Mosaikjungfern (Aeshna juncea). Der untere Hinterleibsanhang ist etwas länger als halb so lang wie die oberen Anhänge. Zudem befinden sich oben, kurz vor den Spitzen der oberen Hinterleibsanhänge 2 bis 3 kräftige Zähne/Sporne.
Die Weibchen sind gelb bis grün gefleckt und haben meist dunkle, rauchige Flecken in den Flügeln, die selbst im Flug noch erkennbar sind. Die Hinterleibsanhänge sind sehr spitz, im Gegensatz zu denen ähnlicher Arten, welche eher abgerundet sind.

Bevorzugter Lebensraum:
In Europa fast ausschließlich an nährstoffarmen Waldseen mit Schwingrasen (Kesselmoore) anzutreffen. In Sibirien auch nährstoffreichere Gewässer zumeist mit üppiger Vegetation: Seen, große Flusstäler, langsam fließende Gewässer, Altarme und erstaunlicher Weise sogar an größeren Viehtränken offener Weideflächen.

Flugzeit:
Flugzeit von Juli bis Mitte September.

Rote Liste EU: NT = potenziell gefährdet
Rote Liste Europa: LC = nicht gefährdet

Besonderheiten:
Die Männchen verhalten sich Konkurrenten und allen anderen Aeshniden gegenüber sehr aggressiv und verteidigen vehement ihre eroberten Reviere. Allerdings wurden auch schon Ansammlungen an einem See beoabachtet, bei denen Männchen und Weibchen große Schwärme bildeten und gemeinsam nach anderen Insekten jagten.

Insgesamt eine interessante Edellibellen-Art, über die noch recht wenig bekannt ist. So stellen sich bei genauerer Betrachtung einige Fragen: warum besiedeln sie in Sibirien und Europa unterschiedliche Lebensräume? Weshalb verhalten sich die Tiere in Sibirien anders als in Europa? Zum Beispiel findet die Eiablage der Weibchen in Sibirien am frühen Nachmittag statt, in Europa hingegen ca. 1,5 Stunden vor Sonnenuntergang. Handelt es sich tatsächlich nur um eine Anpassung an unterschiedliche klimatische Bedingungen oder entsteht gerade eine neue Spezies? Libellen zu erforschen bleibt spannend.

Weitere Fotos von Aeshna crenata:

Aeshna crenata - male / by Erland Refling NielsenAeshna crenata - male / by Erland Refling Nielsen

Aeshna crenata - female ovipositing / by Erland Refling NielsenAeshna crenata - andromorph female ovipositing/ by Erland Refling Nielsen

Aeshna crenata - female / by Erland Refling NielsenAeshna crenata - male / by Erland Refling Nielsen

Vielen Dank an Erland Refling Nielsen aus Dänemark, für die Genehmigung zur Nutzung seiner Fotos von Aeshna crenata auf LibellenWissen.de

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Wildermuth & Martens (2014), Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt, Quelle & Meyer Verlag. ISBN: 978-3-494-01558-3

K.-D. B. Dijkstra (2006): Field Guide to the Dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing, ISBN 0-953139948

R.R. Askew (2004): The Dragonflies of Europe (revised edition), Harley Books, England, ISBN 0-946589755

Peters, G. (2006): Die Edellibellen Europas – Aeshnidae. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 585, Westarp- Wissenschaften. ISBN 3-89432-858-4