Braune Zangenlibelle – Onychogomphus costae

Die Braune Zangenlibelle im Profil / engl: Faded Pincertail

Wissenschaftl. Name: Onychogomphus costae Selys, 1885

Gattung : Onychogomphus – Zangenlibellen

Familie : Gomphidae – Flussjungfern

Überfamilie : Aeshnoidea – Edellibellenartige
Unterordnung : Anisoptera – Großlibellen
Ordnung : Odonata – Libellen

Onychogomphus costae male / by Francisco J. Cano Villegas from Cordoba/SpainOnychogomphus costae female / by Francisco J. Cano Villegas from Cordoba/Spain

Onychogomphus costae Männchen              Onychogomphus costae Weibchen

Recht herzlichen Dank nach Spanien (Cordoba) an Francisco Jesus Cano Villegas, für die Fotos von Onychogomphus costae

Wissenswertes:
Die Braune Zangenlibelle ist in Europa sehr selten anzutreffen und kommt bei uns nur an wenigen Standorten in Spanien und Portugal vor. In Nordafrika ist die Art entlang der westlichen Mittelmeerküste (Marokko, Algerien, Tunesien) etwas weiter verbreitet, allerdings alles andere als häufig. 

Merkmale:
Die Braune Zangenlibelle ist die kleinste und hellste Zangenlibelle (Onychogomphus) Europas. Sie ist etwa nur 45 mm lang und erreicht eine Flügelspannweite von maximal 54 mm. Die Körperfarbe der Männchen und Weibchen ist meist hellbraun, beige, elfenbein- bis sandfarben, selten auch ins Rotbraune übergehend. Die Flügelmale sind hellbraun bis beige. Onychogomphus costae fehlen gegenüber allen anderen Arten der Zangenlibellen die typischen Gelb- und Schwarzanteile, ähneln von daher im Aussehen (Habitus) und Größe am ehesten Paragomphus genei. Unterhalb des 7. Hinterleibssegments befinden sich lange, weißliche Haare, die etwa 3-4 mal so lang sind, als die Haare unterhalb des 6. Segments. Der untere Hinterleibsanhang (Appendage) der Männchen ist nicht gezahnt und deutlich kürzer als die, für eine Zangenlibelle auffallend schlanken, oberen Hinterleibsanhänge (Cerci).

Bevorzugter Lebensraum:
Die Braune Zangenlibelle besiedelt strömungsarme Zonen sandiger bis kiesiger Bäche und Flüsse in wüstenähnlichen Landschaften. Es wird vermutet, dass die Art gar kleine Tümpel bevorzugt, welche beim Trockenfallen von Fließgewässern übrig bleiben. Onychogomphus costae sitzt anders als die meisten Arten der Familie der Flussjungfern selten auf Steinen. Sie sitzen bevorzugt auf sandigem Boden, auf dem sie optimal getarnt sind, farblich quasi vollständig mit dem Untergrund verschmelzen. Oft sieht man eine Braune Zangenlibelle erst nachdem man sie aufgescheucht hat.

Flugzeit:
Mitte Mai bis August.

Rote Liste Mittelmeerraum: NT = potenziell gefährdet
Rote Liste Europa: EN = stark gefährdet

Besonderheiten:
Die Larven von Onychogomphus costae kommen offenbar mit einem weitaus geringerem Sauerstoffgehalt ihrer Entwicklungsgewässer aus, als andere Arten ihrer Gattung. Auch scheint ein Salzgehalt von bis zu 7,9 % ihrer Entwicklung nicht zu schaden. Die Entwicklungsdauer vom Ei bis zum flugfähigen Insekt beträgt zwischen 1 und 2 Jahren.

Onychogomphus costae copula / by Francisco J. Cano Villegas from Cordoba/Spain

Onychogomphus costae copula – Muchas gracias Francisco Jesus Cano Villegas!

 

und noch einige eigene Fotos aus Andalusien:

Onychogomphus costae - male IMG_8937Onychogomphus costae - male IMG_8954

Onychogomphus costae - male IMG_9993Onychogomphus costae - male IMG_9973

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Literaturhinweise:

Wildermuth & Martens (2014), Taschenlexikon der Libellen Europas: Alle Arten von den Azoren bis zum Ural im Porträt, Quelle & Meyer Verlag (824 Seiten). ISBN: 978-3-494-01558-3

R.R. Askew (2004): The Dragonflies of Europe (revised edition), Harley Books, England, ISBN 0-946589755

Suhling, F. & O. Müller (1996): Die Flussjungfern Europas – Gomphidae. Die Neue Brehm-Bücherei Bd. 628, Westarp-Wissenschaften, ISBN 3-89432-459-7

K.-D. B. Dijkstra (2006): Field Guide to the Dragonflies of Britain and Europe. British Wildlife Publishing, ISBN 0-953139948
K.-D. B. Dijkstra/Lewington (2014): Libellen Europas – Der Bestimmungsführer. Haupt Natur, Bern, ISBN 978-3-258-07810-6 (Deutsche Übersetzung des Field Guide to the Dragonflies .., von Monika Niehaus und Coralie Wink)